Im Gespräch mit Dr. h.c. Altbundeskanzler Schmidt

In der neuen Ausgabe von BahnMobil, dem urspießigen Magazin der Bahn, interviewt Bahnchef Dr. Grube den klügsten Menschen der Welt: Dr. h.c.  Altbundeskanzler Helmut Schmidt. Im ZEIT-Magazin stellt Giovanni di Lorenzo schon seit Anbeginn der Zeiten naseweise Fragen, auf die Herr Dr. h.c. Altbundeskanzler  Helmut Schmidt dann salbungsvoll antwortet, ohne sie zu beantworten. Sandra  Maischberger und ihr töchterlicher Anbiederungsmarathon in der ARD runden das mediale Altkanzler-Angebot ab. Als erster Blogger überhaupt durfte ich mich zur Reihe der Erleuchteten zählen und Dr. h.c. Altbundeskanzler Helmut Schmidt in einem Raucherlokal irgendwo in Mitte treffen, ihm Fragen über das Leben und Gott und der Wahrheit und Israel und Amerika und die Finanzkrise und die SPD und Deutschland stellen und ihm deshalb hier danken für Seine Weisheit, die er (durch mich, sein digitales Gefäss) nun auch dem Netz zuteil werden lässt.

Herr Dr. h.c. Altbundeskanzler Helmut Schmidt, es ist mir eine Ehre mit Ihnen sprechen zu dürfen, ich mache mir gleich in die Hose vor Unterwürfigkeit. Können Sie sich das erklären?

Ich kann diese Haltung zwar verstehen, jedoch nicht billigen. Die Gründe dafür erinnere ich nicht.


Als sie damals mit Willy Brandt, Willy Entenmann und Gerhard Schröder (der Außeniminister im Kabinett Adenauer/Erhard, nicht jener Altbundeskanzler, der immer in Ihrem Schatten stehen wird, um nicht zu viele Namen und Details der Nachkriegspolitik zu nennen, jedoch deutlich auf meine diesbezügliche Kompetenz hinzuweisen) zum wiederholten Male die Welt retteten, wussten Sie damals schon, dass Sie heute hier sitzen würden?

Natürlich. Ich wusste schon immer alles. Das wissen Sie doch. Ich pflege, mein Gewissen und mein Gedächtnis zu befragen. Und diese täuschen mich nie. Ansonsten beantworte diese Frage wie immer ausweichend oder mit einer simplifizierenden Phrase, die sich keiner zu attackieren traut. Zum Beispiel: Alles Unfug.


Viele Menschen behaupten, dass die Deutschen, also Ihr Volk, Sie heute wieder zum Kanzler, Kaiser oder Bundestrainer wählen würden, wenn Sie zur Wahl stünden. Wie erklären Sie uns das?

Dazu muss man wissen, was nur ich Ihnen auseinandersetzen kann: Ich bin nunmal der schlaueste Mensch der Welt, wenn nicht sogar der Geschichte, sicher aber schlauer als Wehner und Kohl. Ich bin ein hanseatischer Ehrenmann. Ich rede komisch. Und ich rauche. Wen sollte man sonst wählen.


War es ein Fehler der SPD und ganz Deutschlands, Sie nicht zum Führer zu machen, als man noch konnte?

Selbstverständlich. Aber ich bin zu klug, um mich über die Menschen zu erheben und auf allwissend zu machen. Das erledigen schon die Medien, zu denen ich ein vielzitiertes ambivalentes Verhältnis habe: Einerseits habe ich es nicht nötig, mich in der Öffentlichkeit zu präsentieren, bin bescheiden und verurteile Selbstdarstellung, andererseits bin ich alle naselang republikweit auf Sendung, sogar in BahnMobil. Wie ich das mache? Da müssen Sie jemand anderen fragen. Ich bin müde.


Herr Dr. h.c. Altbundeskanzler Helmut Schmidt, eigentlich müsste ich hier nachhaken, Ihre Behauptungen hinterfragen und kritisch bewerten. Aber ich habe viel zu viel Respekt und das ist die Chance meines Lebens und “Schmidt ist Gold wert für die Karriere”, heisst es in der Redaktion, also stelle ich einfach noch eine offene Frage zur Außenpolitik oder Finanzkrise und nicke ab, was auch immer von Eurer Majestät kommt. Was denken Sie?

Irgendjemand hat bei irgendeinem politischen Vorgang in den 70ern, an den sich mangels Relevanz keiner mehr erinnert und den ich heute umdeuten kann, wie ich möchte, einen schweren Fehler gemacht, und ich habe mich richtig verhalten. Aber der Respekt vor dem politischen Gegner war immer vorhanden.


Auch wenn das keine Antwort auf meine Frage war, bewundere ich Sie jetzt noch ein bisschen, bis das Interview vorbei ist und der Fotograf noch ein Foto von Ihnen mit Zigarette in lockerer, aber sachlicher Gesprächsatmosphäre machen kann. Hängt Ihnen diese ständige Beweihräucherung durch die Journaille nicht bald zu Hals heraus?

Das erinnere ich nicht.

Herr Dr. h.c. Altbundeskanzler Helmut Schmidt, ich bedanke mich für das Gespräch und die Erleuchtung.

Monologisch: Echt anders

Weisst Du, mir ist halt voll wichtig, dass ich was kreatives mache. Nicht nur so ninetofive im Büro sitzen und Tabellen bauen, sondern was gestalten. Coole Ideen umsetzen. Mir was ausdenken, das es noch nicht gab. Nicht alleine, sondern zusammen mit anderen Leuten, die so ähnlich drauf sind wie ich. Wir sind schon eine richtige Agentur-Clique, wir machen viel zusammen, gehen auf die gleichen Partys, stehen auf die gleiche Musik, haben gleiche Ideen. Das sind nicht so spießige Langweiler, die immer gleich nach dem Geld fragen und eh nur nach Schema Eff arbeiten. Die passen zu mir. Denn ich bin da eben anders, ich war schon immer anders, ich hab voll früh schon gemerkt, dass ich eher so der kreative Typ bin, schlecht in Mathe, gut in Kunst und so. Entweder man hat es, oder man hat es halt nicht. Ich zieh ja auch nicht die gleichen Klamotten an wie alle anderen, weil ich halt auch anders denke als alle anderen, immer ein bisschen tiefer und nicht so nullachtfuffzehn, ich sehe die Dinge eben auf meine Art. Alternativ ist so ein doofes Wort, indie auch, aber irgendwie bin ich ja auch so, ich sag einfach mal: anders.

Deswegen gehe ich auch voll gerne jeden Morgen in die Agentur. Bei uns haben alle so die gleiche Philosophie wie ich, eher mal was ausprobieren, out of the box, sagt der Chris immer, und der macht echt geile Sachen, voll abgefahren, anders, aber trotzdem richtig schlau. Der behält auch immer den Überblick, wenn wir alle mal wieder voll am rumspinnen sind und gar nicht mehr klar kommen und voll die krassen Sachen anfangen zu planen, dann sagt der Chris schon immer so: Auch mal an die Zielgruppe denken. Man kann eben nicht  nur machen, was man will, da steckt ja auch Geld dahinter, und ich bin ja froh, dass ich übernommen wurde, von Praktikums hatte ich echt genug. Und auch die Leute in der Agentur, die jetzt nicht so kreativ sind wie ich, die sind auch voll okay, die denken halt eher mehr so Nummern und Zahlen, aber die brauchen wir Spinner ja auch. Ich häng halt dafür gerne einfach mal ab, bei Latte und Kippchen und so, mit den anderen Kreativen, da kommen einem die besten Ideen, und schon hat man einen Entwurf. Klar, ich bin ja noch neu, ich kann jetzt nicht erwarten dass mein ganzes Zeug gleich umgesetzt wird, immer langsam mit den jungen Hunden, sagt auch der Chris. Aber ich glaub, die finden mich und meine Sachen schon echt ganz nice, und lieber arbeite ich mal für den Papierkorb, als dass ich nur am Telefon häng und dem Kunden in den Arsch krieche oder so. Ich hab da noch einiges in der Schublade, ein paar echt krasse Sachen in der Pipeline, da muss ich nur noch bisschen dran feilen, dann rockt das. Und vor allem: Es ist neu, echt fresh, sowas hat die Welt noch nicht gesehen, Alter.

Mein Bruder fragt mich immer, was ich eigentlich arbeite. Der checkt voll nicht, dass kreative Arbeit genauso Arbeit ist wie andere. Eigentlich sogar viel bessere, immerhin bin ich keine so austauschbare Drohne wie die ganzen Anzugträger. Okay, meinen Style fahren jetzt zur Zeit viele, ich hab gestern echt 20 Leute mit meinen Kopfhörern gesehen, und jeder macht irgendwie Design, aber trotzdem: Ich versuche immer, bisschen individueller zu sein als alle anderen. Ich will echt alles sein, von mir aus bisschen zu krass oder zu schrill, Hauptsache kein Durchschnitt. Das ist zwar manchmal echt anstrengend, aber wenn ich so wäre wie alle anderen, wäre ich voll langweilig.

Letzte Warnung für Thilo Sarrazin

“Nazisprache, Rassismus, Volksverhetzung!” quakt der Chor der Korrekten beleidigt. Sobald Evil Thilo irgendwo medial aufschlägt, schreien die so genannten Meinungsführer im kollektiven Entsetzen auf wie Drittklässlerinnen bei einer Spritzpistolenattacke. Es wird gepöbelt, reflexartig abgewatscht oder dem Mann immerhin die Diskussionstauglichkeit abgesprochen. Echte Auseinandersetzung (und damit meist automatische Entkräftigung) mit seinen Thesen passiert nur am Rande. Im aktuellen ZEIT-Streitgespräch zeigt der Bundesbanker zwei nölenden Klassensprechern deutlich ihre Grenzen auf, der SPIEGEL druckt sein Buch vorab, um hinterher drauf rum zu hacken. Merkel lässt das “nicht ganz kalt“, die BILD freut sich über Schlagzeilen. Und der Agitator steht mit seinen unverschämten Parolen ganz oben auf der Agenda. Vernünftige Bürger begreifen: Es muss eine andere, eine pragmatischere Lösung für das Problem Sarrazin her.

Ich als schüchterner Pazifist wünsche mir einen starken Mann, der dem schwächlichen Brillenträger, dem diskursiv offenbar nur schwer beizukommen ist, mal so richtig den Kopf auf Linie dreht. Es bräuchte einen Abgeordneten mit Decknamen Bud Spencer (GRÜNE) oder einen anonymen Chuck Norris (CSU), der eine Politik der harten Hand gegen den Nestbeschmutzer fährt. Einen publizistischen Zorro, Rächer der Sprachlosen und Feigen, der dem “Thesenritter” (SPON) ein großes M in die Brust ritzt, auf dass er sich immer erinnert, welche Bevölkerungsgruppe er besser in Ruhe lassen sollte. Möglich wäre auch ein kollektiver Aufstand der Anständigen, ein Mob der Mittelschicht, der TS einfach mal nackt in Neukölln aussetzt, auf dass er seine germanische Überlegenheit an den männlichen Migrationsmitbürgern ausprobieren kann. Denkbar auch eine Spezialagentin minderer Rasse (IM Kopftuchmädchen), die den alten Mann verführt und ihm ein rufmordendes Kind ungeklärter Staatsbürgerschaft unterjubelt. Fotos vom Rendezvouz bei Deniz Döner könnten die Affäre boulevardesk begleiten. Und keiner müsste mehr Angst vor dem nächsten Skandal haben. Die Menschen könnten wieder beruhigt Zeitung lesen (sogar nachts und in Ostberlin), ohne dass das grauhaarige Gespenst ihnen rhetorisches Gift einträufeln könnte.

Wie auch immer unser großartiges Land diesen ärgerlichen Lautsprecher los wird, ich bin mir sicher, dass er nicht mehr lange frei sprechen darf. Ich glaube fest an das rationale Immunsystem unserer Medienöffentlichkeit, das solch einen frechen Häretiker identifiziert und ausmerzt, bevor er noch ein Interview in einer Qualitätszeitung mit seinen fiesen Sprüchen füllt. Lange genug hat er jede Plattform, die sich ihm willfährig und mit lüsternem Schielen auf Auflagenrekorde und Tagesschau-Erwähnungen bot, für seine Meinungmacht missbraucht. Lange genug hat er ausgesprochen, was viele Politiker rechts der Mitte nur leise vor sich hin murmeln. Lange genug hat er Verlage gefunden, die seine Pamphlete liebend gerne veröffentlichen, weil Schlagrichtung und Kasse stimmen. Lange genug hat er die publizistische Elite bloßgestellt mit seinen Tiraden, die sie veröffentlichen musste, obwohl sie doch lieber weiter auf dem Internet rumgehackt hätte. Jetzt heisst es: Am besten gar nicht erst ignorieren. Zurückschlagen. Den Mund tot machen.

Sarrazin, das hier ist Deine letzte Warnung. Hör auf damit, dieser Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Ihr gefällt nicht, was sie sieht, merkst Du das nicht? Trete zurück wie die anderen Ehrenmänner, gebe die Meinungsäußerung zu Gunsten ungefährlicherer Hobbys auf, oder wir jagen Dich mit Fackeln und Heugabeln aus unserem erlauchten Kreis braver Bürger. Du mieses Nazikommunistenschwein.

Where´s your will to be weird?

Wahre words of wisdom, von Menschen, die es wissen müssen. Auf dem Blog mit dem verheißungsvollen Namen Decadent Lifestyle gibt es insgesamt 50 der mitteilenden Portraits. Ich frage mich, in welche Formel man diese Ökonomie der Exzentrik, der künstlerischen Selbstverwirklichung, des hedonistischen Radikalismus gießen kann. Exzess mal Output mal Authentizität mal Irrsinn? Sind Grenzgänge ein funktionierendes Geschäftsmodell, der absolute Glaube an das Recht auf Rausch eine brillante Strategie, ist der Ausfall als Normalfall letztlich ein Lebensstil, der Erfolg impliziert? Scheinbar, wenn auch zu einem gewissen Preis. Viele der Jungs und Mädels, die hier ihre Statements abgeben, sind nicht alt geworden. Aber groß. Und vor allem: Sie selbst.

After the girls of summer have gone

August. Wir standen nebeneinander auf der Brücke, unter uns der Fluss, “keine Ahnung wie tief das hier ist”, sagte sie nachdenklich. “Alle oder keiner,” antwortete ich und drückte ihre Hand. Temperaturen ab 30 Grad machen mutig. Wir sprangen, die Sonne unser Spotlight, das Wasser unbekanntes Terrain, egal. Ich tauchte vor ihr ein, wäre vor ihr auf den Felsen aufgekommen, hätte mir vor ihr ein Bein gebrochen oder gleich zwei. Für ein paar stille Sekunden, im Abtrieb unter Wasser ewig lang, dachte ich zum ersten Mal nach: Wieso sprang ich von Brücken, die mir bisher zu hoch waren? Und warum stiftete ich sie dazu an? Lag es am Sommer, dieser Jahreszeit ohne Packungsbeilage? Wer würde ich im Herbst sein? Luftblasen tanzten um meinen Kopf wie betrunkene Punks, bis ich anfing, die Gedanken gegen einen Blick hoch zum Licht zu tauschen. Erstmal auftauchen, Luft holen, weitersehen. Als ich den Kopf aus dem Wasser schüttelte, wartete sie schon oben, das spöttische Grinsen wie einen Schwimmring um den Oberkörper tragend. “Angst gehabt?” fragte sie, als würde der Fluss nur ihr gehören, schon immer.

Tamara Lichtensteins Bilder erinnern mich schmerzhaft an jeden vergangenen großartigen (und den dieses Jahr für mich gänzlich ausgefallenen) Sommer, erzählen mir von einer beautiful, fleething youth. Sie schmecken nach warmer Luft und Wasser und zeigen ansehnliche Mädchen, sind damit also ein bestmögliches Surrogat. I can see you, your brown skin shining in the sun, you got your hair combed back, and your sunglasses on, baby.

Computer oder Freunde, die Frage ist gestellt.

EDIT: Inzwischen wurde ich von Marcus Richter für Trackback, die Internetsendung des Jugendradios Fritz (RBB), zu diesem Post und der darin kritisierten Kampagne interviewt.

Neulich in der Fußgängerzone brachte mich ein großes Plakat erst zum Lachen, dann zum Kopfschütteln. Es zeigte folgendes Motiv (was ich online nur als Screenshot finden konnte):

Es ist Teil einer Kampagne der Drogenhilfe Köln, welche unter der Adresse www.websucht.info über selbige informieren möchte. Dabei ist zu bemerken, dass die Seite (analog zur Anzeige) wirklich intelligent im Windows-Desktop-Stil gestaltet wurde, wahrscheinlich um älteren Usern (vornehmlich der angesprochenen Zielgruppe der Eltern) die Navigation durch eine bekannte Optik zu erleichtern. Toll.

Schlimmer Unsinn sind hingegen die Printmotive und deren Botschaft. Gerade junge Frauen bzw. Mädchen, so weiß es jede Statistik von hier bis nach Kiel, nennen als Internettätigkeiten am häufigsten soziale Interaktionen. Kurzes Zitat von einer Seite des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (mpfs): “Am beliebtesten bei Jugendlichen sind die verschiedenen Kommunikationsmöglichkeiten im Netz. Ganz vorne liegt der Austausch via Instant Messenger, nämlich bei 72 Prozent. Am zweitbeliebtesten ist die Kommunikation über E-Mail (60%). In Chatrooms halten sich 30% am liebsten auf.” Oder als aussagekräftige Grafik (Screenshots aus der JIM-Studie 2009), gerade auch im Vergleich zwischen den Geschlechtern und zu den “bösen”, weil suchtgefährlichen Spielen, in denen wiederum kommuniziert wird (s. Motiv unten):

Was jedoch die Drogenhelfer nicht davon abhält, ein sich mit PC-Kabeln strangulierendes, ungesund aussehendes Mädchen zu zeigen, welches sich gegen ihre Freunde und für den Computer entschieden haben. Welche eindimensionale, in Zeiten von Sozialen Netzwerken und Web 2.0 (Schlagworte, mit denen eben viel mehr um sich geworfen als reflektiert wird) überholte Denkweise vom Computer als Isolationsmedium dahinter steht, ist für eine liberale, jungdynamische Beratungsstelle, die ihre Klienten und deren Lebenswelt eigentlich besser kennen sollte, schlichtweg peinlich. Oder wird bei der Drogenhilfe auch noch die Mär vom einmalig süchtig machenden Kokainkonsum, von LSD-Dealern an der Grundschule und von Haschisch als gefährlicher Einstiegsdroge erzählt? Und es geht weiter gefährlichen Vereinfachungen: Das zweite Motiv der Kampagne zielt dann auf einen stereotypen männlichen Jugendlichen ab, der sein fahles Gesicht riskant nahe an das böse Monster hält, das auf dem Bildschirm mit seinem Leben spielt.

Auch hier verkennt die Schlagrichtung das Wesen von sog. Multi-Player-Games, die u.a. genau davon leben, was die Anzeige als Defizit anprangert: Soziale Interaktion. Natürlich gibt es, wie bei allen anderen lustigen Freizeitbeschäftigungen, gewisse Gefahrenpotenziale. Man kann alles übertreiben, auch World of Warcraft, das hat die jüngst hier in Köln abgehaltene Gamescom und die Horden blasser Nerds, die verirrt durch die allzu reale Innenstadt streiften, mir persönlich erneut aufgezeigt. Nach mehr oder weniger ernstzunehmenden Studien seien bis zu 10 % der Jugendlichen suchtgefährdet. Diese Zahlen beziehen sich vor allem auf Abhängigkeit bezüglich Chats u.ä., also vornehmlich vermittelter one-to-one-Kommunikation. Ob auch der gemeine Kaffeeklatsch kritisch untersucht wurde? 60% meines weiblichen sozialen Umfelds wären akut suchtgefährdet, schätze ich. Mache ich aber nicht, weil Quatsch. Wenn beim Thema PC/Internet jedoch wie so oft einiges in einen Topf geworfen, kräftig umgerührt und an (vermutlich für eine kritische Reflektion nicht ausreichend informierte) Erziehungsberechtigte ausgeschüttet wird, kommt hinten eine schöne Soße Nonsens raus, die bei Eltern alles mögliche auslöst, aber keine kompetente Auseinandersetzung mit der (oder gar Empathie für die) digitalen Mediennutzung ihrer Kinder.

Glücklicherweise jedoch gibt die Websuchthilfe kompetente Tipps (“Informieren Sie sich, womit Ihr Kind die Zeit am Computer verbringt. Lassen Sie sich zeigen und erklären, was an der virtuellen Welt so faszinierend ist.”) und eine obligatorische Checkliste, ab wann das arme Kind Online-süchtig ist. Wobei nicht wirklich zwischen PC-Nutzung und Online-Zeit differenziert wird. Das würde die simple Aufzählung wohl nur unnötig verkomplizieren:

  • Freundschaften und Kontakte werden überwiegend online gepflegt.
  • Die Vorstellung offline zu sein, verursacht eine gereizte, nervöse und aggressive Stimmung.
  • Spielen, Surfen oder Chatten im Internet sind nahezu fast die einzigen Aktivitäten, die noch wirklich Spaß machen.
  • Aufgrund der vielen Zeit am PC, kommt es zu Konflikten, Ärger oder Streit in der Familie, am Arbeitsplatz oder in der Schule.
  • Mindestens 5 Stunden der Freizeit werden täglich am PC verbracht.
  • Die Onlinezeiten werden immer länger.
  • Die Stimmung verbessert sich schlagartig, wenn man wieder online gehen kann.

Wenn 2 Kriterien zutreffen, kann von einer Gefährdung bis hin zur Online-Sucht ausgegangen werden.

Fazit? Ich bin hochgradig suchtgefährdet. Und die Drogenhilfe Köln hochgradig hilflos.

Frauen fahren gerne auf Bierbikes

Ein eigentlich unspektakulärer Artikel über eine in Köln leider weit verbreitete Unart machte mich jüngst nachdenklich: “Laut Angaben der Betreiber sind bislang rund 90.000 Menschen mit den Bierbikes unterwegs gewesen, über fünfzig Prozent der Gäste seien Frauen.”

Was Menschen dazu treibt, sich im Kreis um eine fahrbare Holzbar zu setzen, die sie auch noch mit ihrer eigenen Muskelkraft antreiben müssen? Getreu meinem Motto saufen und saufen lassen hatte ich die rollenden Ballermänner bisher liberal ignoriert. Denn sie holen sie einen der peinlichsten Rituale im Leben eines Menschen, die öffentliche Phase des Jungesellen/innenabschieds, nicht nur ans Tageslicht, sondern auch in Gebiete einer Stadt, wo keine Gastronomiemafia dankbar für jedes verschüttete Bier ist, ihr Treiben also aus ästhetischer oder gar moralischer Perspektive gering geschätzt wird. Warum diese verirrten Seelen nicht einfach in den dunklen Löchern unter ihresgleichen blieben, wo sie von geschäftstüchtigen Schankwirten lukrativ abgefüllt werden, kann man nur ahnen. Dass sie bei ihren zweifelhaften Rundfahrten die üblichen Gassenhauer und Karnevalsknaller aus quäkenden Miniboxen abfeiern und damit ein weiteres unnötiges Mal auf die Straßen hinaustragen, geschenkt. Dausenduneinänacht gehört halt einfach dazu.

Aber dass ausgerechnet die sonst auch in bierseligen Extremsituationen um einen minimalen Restanstand besorgten jungen Damen offensichtlich begeisterte Kundinnen der mobilen Abfüllstationen sind, hat mich dann doch überrascht. Bilden die sich denn ein, das Kölsch würde nicht auf die Hüften gehen, wenn man gleichzeitig unmotiviert strampelt? Werden sie mit Visionen muskulöser Waden und Bauch-Beine-Po-Effekten geködert? Hassen sie die üblichen Spelunken so sehr, dass sie sich lieber auf offener Straße zum Affen machen, als Achim und Uwe an einer internen Bar zu ertragen? Geht es um frische Luft? Tourismus? Mode? Emanzipation? Gruppenzwang?

Ich werde bei Gelegenheit die weibliche Besatzung eines Bierbikes abpassen bzw. behende aufspringen und sie knallhart investigativ befragen, direkt am Tatort. Falls ich diesen riskanten Einsatz nicht überlebe, weil mich die enthemmten Bierdrosseln von der Bar unter die Räder stoßen, liefere ich wenigstens posthum die juristische Grundlage, den Wahnsinn endlich zu verbieten.

Von Sergej Bubka kann man lernen

Ein dynamischer Anlauf, ein Sprung, eine elegant geschmeidige Hebelbewegung, die wie in Zeitlupe den drahtigen Körper in die Luft federt. Ein windender Tanz um die Latte, eine halbe Sekunde staunendes Schweben, hoch über der Erde und den dort wirkenden Gesetzen der Physik, ein langer Fall auf eine weiche Matte. Ein Sportart gewordener Triumph über die Schwerkraft, für immer verbunden mit einem Athleten: Sergej Bubka dominierte eine Königsdisziplin der Leichtathletik, den Stabhochsprung, über ein Jahrzehnt. Der Ukrainer mit dem Spitznamen “Sputnik” stellte 35 Weltrekorde auf und wurde damit zu einem der größten Sportler aller Zeiten. Und stand schon früh vor einer Entscheidung: Der Welt das beste zeigen, was er konnte. Oder seine Rekorde dosieren.

Weltrekordhalter, das wusste Sergej Bubka schon als junger Mann, sind nur so lange interessant, wie sie ihren Rekord noch verbessern können. Also sprang der Mann mit dem lautmalerischen Namen nicht nur sehr hoch, sondern auch sehr schlau. Schon 1984 setzte er mit 5,84 jeweils einen neuen Hallen- und Freiluft-Weltrekord. In den folgenden Jahren verschob er diese Höhe nicht gemäß seiner eigentlichen Leistungsfähigkeit, die im Training zu Bestzeiten bei 6,30 m gelegen haben soll. Er bediente sich stattdessen einer lukrativen “Salamitaktik“: Er steigerte seine Rekorde zentimeterweise. So konnte der tüchtige Geschäftsmann Bubka für jeden neuen Weltrekord eine hohe Gage von den Veranstaltern der Wettbewerbe fordern; in seinen besten Zeiten bis zu 100.000 Dollar für eine neue Höchstmarke plus 75.000 Dollar Startgeld. Allein 1986 stellte er vier neuer Hallenweltrekorde auf, für seinen Olympiasieg 1988 genügte ihm eine Höhe von 5,90 m. Mit Leistungen um die sechs Meter wurde er fünfmal Weltmeister. Seinen letzten Weltrekord stellte er 1994 mit 6,14 m auf – zehn Jahre nach seinem ersten Rekord. “Ich säge mir doch nicht selbst den Ast ab”, kommentierte er den unerreichbaren Jahrhundertsprung eines Weitspringers.

Was ich von Sergej Bubka gelernt habe? Sky is the limit, und dennoch springt ein gutes Pferd nur so hoch wie es muss. Wenn Du etwas besser kannst als alle anderen, zügle Dein Ego und dosiere Dein Spektakel, während Du heimlich Dein Maximum suchst. Lege die Messlatte immer nur einen Zentimeter höher und vertraue auf die Nachhaltigkeit Deiner Fähigkeiten. So bleibst Du keine Eintagsfliege, sondern: unsterblich.

Monologisch: Mein erster Job

Endlich! Ich bin ja total froh, dass ich nach gefühlten 50 Bewerbungen und zig Vorstellungsgesprächen finally eine feste Zusage in der Tasche habe. Noch eine Jobmesse und ich wäre echt durchgedreht! Immer dieses oberflächliche Händeschütteln, schön den Lebenslauf verteilen, guten Eindruck machen, echt nerdy. Ich war ja jetzt lange genug stolzes Mitglied der Generation Praktikum, und das lockere Studentenleben war auch echt verrückt und voll relaxed und so, aber jetzt möchte ich auch einfach mal ein bisschen Sicherheit und Verantwortung und wissen, was mich erwartet. Klar, der Job ist jetzt nicht allererste Sahne, kein Traumjob oder sowas. Wenn mir einer vor zehn Jahren gesagt hätte, dass ich mal ausgerechnet bei diesem Kapitalistenladen landen werde… schon irgendwie strange. Aber mir geht es jetzt nicht mehr um Idealismus oder sowas, vor allem seit Papa den Geldhahn zugedreht hat, da hat man dann auch schon Druck. Und irgendwie wird man ja auch langsam älter und will sich auch mal was gönnen und vor allem will ich aus der WG  raus, bin ja kein Teeny mehr. Bald hab ich ja schon wieder Burzeltag und dann geht es aber steil auf die böse 30 zu. Da wird es auch Zeit für einen richtigen Job, man kann ja nicht ewig kellnern und von einem Praktikum zum nächsten oder so.

Der Tobi hat zwar gleich gemeint, ich wäre ja jetzt im Endeffekt ein besserer Schrottverkäufer, aber Schrott finde ich jetzt ein bisschen übertrieben. Ich steh vielleicht nicht hundertprozentig hinter dem Produkt an sich, aber die Firma so als Gemeinschaft ist glaub ich echt ganz nice. Es könnte jedenfalls echt schlimmer sein, immerhin verkaufen wir keine Pornos oder Fußbälle aus Kinderarbeit oder so. Und wer kann denn wirklich was machen, von dem er voll und ganz überzeugt ist? Kompromisse gehören halt zum Erwachsenwerden dazu, oder, kann ja schließlich nicht jeder bei Apple arbeiten! Außerdem hat der Tobi auch echt keine Ahnung vom Marketing und was man da alles können muss und selber ja auch noch echt gar nix auf die Reihe gekriegt, also kann der mal schön ruhig sein und seinen Neid bitte nicht an mir auslassen, sorry, aber dafür entschuldig ich mich jetzt nicht, auf so Miesmacher kann ich echt verzichten. Get real, Alter, es ist doch inzwischen voll wichtig, grade heutzutage von wegen Krise und so, erstmal einen sicheren Ausgangspunkt zu haben, eine homebase. Jeden Monat dieser Bammel wegen der nächsten Miete und so weiter, das muss echt nicht mehr sein. Versteh mich nicht falsch, ich habe immer noch Träume und das mit der Weltreise noch nicht aufgegeben, around the world und so. Skandinavien steht weiter ganz oben auf der To-Do-Liste, Mittelamerika, bisschen surfen, einfach mal komplett raus aus Deutschland und dem ganzen Scheiss, einfach so richtig frei sein, das will ich immer noch machen. Ich mutiere ja jetzt nicht schlagartig zum Langweiler, nur weil ich bisschen Geld verdiene, am Wochenende lassen wir es sicher noch krachen, unter der Woche halt eher mal gepflegt ein Bierchen trinken, ganz easy. Aber jetzt zählt für mich primär einfach die erste feste Anstellung, da muss man sich auch mal festlegen und zurückstecken können. Noch eine Lücke im Lebenslauf könnte ich nicht mehr erklären, das stand auch in der Neon, da schauen Personaler nämlich drauf, und wirklich wohl habe ich mich ja in letzter Zeit auch nicht gefühlt, so zwischen Stuhl und Angel und immer am überlegen, was ich als nächstes machen soll und was ich eigentlich will.

Außerdem passieren bei uns auch total spannende Sachen und mein erstes eigenes Projekt habe ich schon in Aussicht gestellt bekommen, die wollen jetzt auch so einen Blog aufziehen, so richtig mit schreiben und Fotos und mal einem längeren Bericht, und da habe ich gleich gesagt, das könnte ich mir schon vorstellen, ich hab zwar jetzt nicht so richtig Ahnung von sowas, aber Internet ist halt heute einfach obligatorisch, das muss sein, und die Marke ist ja an sich auch noch jung und hat genug credibility, glaube ich, da kann man sicher was machen, wenn man sich reinhängt, denke ich. Voll crazy, ich kann mir das vom Bauchgefühl her grad noch gar nicht richtig vorstellen, ich jeden Tag voll spießig im Büro mit den Kollegen und so, aber ich freu mich auf die Aufgabe und suche die Herausforderung, naja, jedenfalls habe ich das meinem Chef gesagt. Und bei dem muss ich ja jetzt erstmal punkten. Wird schon kein Ungeheuer sein, der Typ hat mich immerhin eingestellt, und ich kann ja an sich gut mit Menschen.

Noch dazu hab ich ja die Stelle hier direkt in der Stadt bekommen, andere pendeln in die Pampa und ich kann zur Arbeit radeln, das ist auch voll angenehm und sozusagen mein tägliches Sportprogramm. Ich finde, man darf über dem ganzen Ehrgeiz nicht die Lebensqualität vergessen und muss auch mal realistisch sein, kann ja jetzt nicht jeder gleich voll straight die Karriereleiter hochfallen. Voll viele Leute von früher wissen immer noch nicht, was sie eigentlich machen wollen, geschweige denn wo und wie. Und so ein ewiger Chiller wie der Tobi will ich nicht werden, da ist der Job jetzt eben der Startschuss. Die Welt kann ich da zwar nicht verändern, aber ordentliches Geld und nette Kollegen sind doch auch was wert. Ich mein, das Leben ist damit jetzt nicht zu Ende, oder?

Facebook, Brüste und die Currywurst

Der Journalist Christoph Koch hat diese Woche ein Gespenst verjagt: Die FacebookFreundeDebatte. Es war höchste Zeit, denn seit geraumer Zeit empörten sich vornehmlich Printmedien über die Unarten des digitalen Status “Freund”. Sie vermuteten abwechselnd wirtschaftliches Interesse oder das Ende der Privatsphäre. Und verteufelten Facebook, weil es zu der Torheit verführt, uns zu vernetzen. Dabei unterscheidet die digitale Welt auch in diesem Falle wenig von der analogen: Es gibt Bekanntschaften, auf die man gern verzichten möchte. Und kann.

Gestern Abend ging ich eine Currywurst essen. Der Currywurstmann fragte, wie es mir gehe und ob ich in der Nähe wohne, man kenne sich ja so vom Sehen. Ich sagte: danke, gut. Und: ja, um die Ecke. Dann ließ ich das Gespräch versickern. Mehr musste nicht sein, wenn auch seine Currywurst wirklich schmeckt. In Zukunft werde ich ihn grüßen, wenn ich an seinem Currywurstladen vorbei laufe. Das reicht mir. Und er wird das verstehen. Wir sind eben jetzt bekannt, haben einen marginalen, aber beständigen Schnittpunkt. Eine freundliche Geschäftsbeziehung. Mehr nicht.

Was ich damit sagen will? Nicht jeder Mensch in meinem Umfeld ist ein sozialer Volltreffer, dessen Gedanken und Gefühle ich 24/7 teilen muss. Analog wie digital. Und nur weil es mit bspw. Facebook eine Möglichkeit gibt, auch diese “schwachen Bindungen” zu schematisieren und intensivieren, muss man sich noch lange nicht verpflichtet fühlen, das auch zu tun. Wenn mich bald jeder Gastronom mit Handschlag begrüßt und nach der Menstruation meiner Freundin fragt, habe ich und nur ich etwas falsch gemacht. Nicht die Welt, und schon gar nicht die Gastronomie. Die hatte schon immer ein berechtigtes Interesse daran, mich besser kennen zu lernen, um mich besser zu bedienstleisten. Und ich ein Interesse an ihrer Currywurst und meiner Privatsphäre, die zu schützen mir obliegt. Oder um mit Clay Shirky zu theoretisieren: Wenn ich eine Überdosis an Input wahrnehme, dann sollte ich meine Filter überprüfen.

Eigentlich ist es so simpel: Nerven mich die Einladungen zu ominösen Kellerpartys, sollte ich den notorischen Veranstaltern mein Desinteresse kund tun. Wenn mich Tinas Statusmeldungen ermüden, in denen sie “so langsam das Näschen aber gestrichen voll von dem miesen Wetter” oder “echt tolle Farfalle selber gemacht” hat, dann sollte ich mir überlegen, ob mich ihr Mitteilungsbedürfnis stört, oder vielleicht doch Tina an sich. Beispielsweise habe ich persönlich wenig bis keine Lust, die unästhetisch-bemühten Bikinifotos einer alten Bekannten zu sehen, die sie qua Aufmerksamkeitsgeilheit prominent online stellt (schon gar nicht die oben ohne). Wenn sie teilen möchte, bitte, ihre Sache, ihre Daten, ihre Brüste. Ich muss aber nicht mitmachen. Deswegen tue ich was total verrücktes: Ich schaue nicht hin. Noch besser: Ich schaue mir etwas anderes an. Etwas, das mich interessiert (andere Brüste zum Beispiel). Denn obwohl sie auf Facebook existieren, gelingt es mir immer öfter, unliebsame Dinge zu ignorieren. Ich weiß, das klingt komisch, aber ich fahre erstaunlich gut damit, meine Aufmerksamkeit selektiv zu streuen. Sollten alle mal ausprobieren, denn mit ein bisschen Übung schafft man es, sich seinen digitalen Umgang auszusuchen.

Und für besonders kritische Fälle gibt es bei Facebook den nützlichen, aber oft vergessenen Button “verbergen“. Der kann zaubern, und zwar lästige Tinas weg! Dazu kommen die Freundeslisten, über die man anderer Leute Zugang zum eigenen Kosmos recht genau definieren kann. Dann sieht und hört man von den Minusmenschen gar nichts mehr. Oder man betreibt das digitale Beziehungsmanagement noch mutiger und nimmt Freundschaftseinladungen von Menschen, mit denen man nichts teilen möchte, gar nicht erst an. Das ist eigentlich einfacher, als schlichtweg nicht ans gute alte Telefon zu gehen, wenn der falsche anruft. Dem Currywurstmann gebe ich meine Nummer jedenfalls nicht. Denn es reicht für unsere Beziehung völlig aus, wenn ich seine habe.