Das Internet ist Gott

Gestern blätterte ich durch das Programm des Schauspielhauses. Und dachte darüber nach, welche Einstellung ich wohl zu einer Uraufführung der Stückes “Das Werk. Im Bus. Ein Sturz” von Elfriede Jelinek habe. Bis jetzt habe ich noch keine. Aber vielleicht gehe ich wirklich hin. Denn Elfriede Jelinek hat eine Einstellung zum Internet:

Es kommt nicht darauf an, die Technik zu begreifen, man muß sie benutzen. Das Internet ist für mich die größte emanzipatorische Erfindung der Menschheit seit der Erfindung der Schrift. Ohne die vielen Möglichkeiten des Netzes wüßten wir von den meisten Menschenrechtsverletzungen gar nichts. Wenn die Frau des chinesischen Friedensnobelpreisträgers Hausarrest hat, dann wüßten wir nichts von ihr, könnte sie nicht twittern, und von den verfolgten Regimegegnern in Iran wüßten wir genausowenig. Es gibt immer jemand, der auf den Maschen des Netzes seine Melodie zupft und sie uns hören läßt. Es hat seit der Erfindung des Telegraphen und des Telefons nichts Vergleichbares gegeben, und das Netz schlägt diese Erfindungen ja noch, weil jeder mit jedem ganz nach eigenem Wunsch in Verbindung treten kann. Es ist ein verwirklichter Traum. Und jeder hat Zugang zu jedem. Ich bin eine begeisterte Anhängerin des Netzes. Und die schärfsten Restriktionen von Regierungen können immer auch von technisch Versierten umgangen oder ausgeschaltet werden. Das Netz ist demokratisch und subversiv zugleich. Es ist Gott.

[Elfriede Jelinek in einer E-Mail-Korrespondenz mit Rita Thiele, abgedruckt im Programmheft zu “Das Werk. Im Bus. Ein Sturz”, Schauspielhaus Köln, 2010.]

Zitiert nach Mlrm via der Freitag.

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