Der heilige Johnny in Mexico

Es wird an dieser Stelle keine Best-Of-2010-Listen geben. Keine Jahresrückschau und keine Jahrescharts. Genau so wenig werde ich meine persönliche Weihnachtsgeschichte oder meine besten Silvesteranekdoten ausbreiten. Das ist ja das schöne an einem eigenen Blog: Wenn Dir die Gleichschaltung der aktuellen Narrative auf den Geist geht, erzähl eine andere Story. Also erzähle ich lieber die verrückte Geschichte vom heiligen Johnny, bevor ich mich für drei Wochen in den Liebesurlaub nach Mexico verabschiede. Guten Rutsch und bis 2011.

Der heilige Johnny hieß natürlich nicht wirklich Johnny, aber Namen interessierten ihn noch nie. Seine Kapuzenjacke war kleinjungenblau, seine blonden Haare übertrieben lockig. Sein riesiger Mund stand ständig offen wie eine eingetretene Tür.

Die letzte Woche hatte er hauptsächlich damit verbracht, in der Grillbude um die Ecke jede dritte passierende Frau „Feuchte Büchse“ zu nennen und Pommes mit Soße durch die Tür in sein Gesicht zu drücken. Zwischendurch drehte er eine Runde auf seinem Mountainbike (24 Gänge) oder stümperte mit einer Zigarette herum. Er roch im allgemeinen nach Lavendel und im speziellen nach Abenteuer, seine Hände waren unrealistisch groß und dünn wie kroatische Basketballstars. Er ging wie eine ostereoporose Gazelle, summte schwedische Folksongs, kaute Kaugummi mit Zimtgeschmack.

Das war der heilige Johnny.

Johnny und ich stiegen langsam die Treppen zum Roxy´s hoch, wir hatten Zeit, man wartete auf uns, wir ließen warten, nolens volens. Die neue Jeans presste sich wohlig an meine Schenkel, mein Kinn war spiegelglatt, kein Tropfen Schweiß nirgends, ich war ich Topform.

Präsent wie nie.

Die letzten Stufen nahmen wir in kleinen, anmutigen Sprüngen, perfekten Parabeln, schwebten durch die Luft wie zwei Fischreiher, dann war ich an der Tür. Eine Drittel Sekunde vor Johnny, höchstens, mehr Abstand gestatteten wir uns nicht. Der knusprige Sound des Single Coil aus Sweet little sixteen kam uns entgegen.

Was auch sonst. Hier war man stolzer Nostalgiker.

Ich trat die schwere Holztür mit meinen Boots auf, als wäre ich in einem früheren Leben dafür an den Galgen gewandert, rücksichtslos und fatalistisch, mit der Ballenpartie meiner einst weißen, nun von rostigen Pfützen hellrot gefärbten Lederstiefel, das Knie zu einem exakten rechten Winkel gebeugt.

Über der Tür stand in großen bronzenen Lettern, von Papa Cocos schwarzem Schwager aus Remscheid damals ausgefräst und zurechtgefeilt:

Erkenne Dich selbst!

Wie immer, wenn sich diese Worte über den oberen Rand meines Blickfeldes hin in eine ungewisse Zukunft in den Weiten meines Unterbewusstseins schoben, nickte ich innerlich meinem Onkel Rüdiger zu, dem Maurerpolier und Hobby-Nudisten, der erst im Alter von 65 Jahren heraus gefunden hatte, wer er wirklich war und vor allem: warum.

Erkenne Dich selbst.

Meine Seele hatte mehr dunkle Flecken als der Boden einer Autowerkstatt, ich konnte auf die Erkenntnis gerne verzichten. Vielleicht, irgendwann einmal, in einem Kloster im Himalaya. Dorthin würde ich mich zurückziehen, um zu lernen. Doch nun lag etwas weitaus mystischeres vor mir: Der Gastraum des Roxy´s. Eine Hölle in Leder, ein Himmel in Samt. Der Hades der Halbwelt, Titten-Bar und Stammkneipe der Rosettis und der Spieglers, der einen und auch der anderen.

Legende und Albtraum und Papa Cocos Refugium.

Der heilige Johnny und ich schoben uns durch die rot beschlagenen, runden Sitzgruppen, die wie grasende Kühe unregelmäßig über den hallenbadgroßen Raum verteilt standen, hin zur Theke, deren falsche Goldpracht und exzessive Verspiegelung wirkten wie eine blinde alte Prostituierte, die sich ein letztes Mal für ihren vernarbten Luden geschminkt hat. Es roch nach schlechten Ideen, die schlecht ausgeführt worden waren, nach einem Parkwächter, der nachts Limousinen zerkratzte, nach Verrat und Leidenschaft – und auch ein wenig nach Schweiß.

Diese ungerade Versammlung glückloser Quadratmeter war solch ein unrealistischer Anachronismus, man konnte es nicht einmal mehr der Vergangenheit in die Schuhe schieben. Denn stilistisch gesehen hatte das Roxy´s niemals existiert. Es war vielmehr aus der hypothetischen Laune eines ruchlosen Hochstaplers heraus entstanden, der sich als Gott ausgegeben und seinen geschmacklosen Schabernack am nächsten Tage bereut, mit Kopfweh und Selbstekel für jede seiner Sünden bezahlt hatte.

Das Roxy´s, um es kurz zu machen, war kein Lokal, kein Club, kein Laden und schon gar keine Gastronomie. Es war ein Etablissement.

„Bella, schieb mal zwei von den dunklen Paschos rüber, Johnny und ich haben Schmirgelpapier im Hals“, rief ich quer über den Tresen der einzig anwesenden Person zu.

Bella drehte sich um, und wie jeder Mann sog ich scharf Luft ein, als ich ihr Gesicht schauen durfte. Jedes Mal wieder.

Ihre Nase zog sich zwischen zwei mandelförmigen Augen durch ihr Gesicht wie eine anorektische Mondsichel durch die kürzeste Nacht des Jahres. Darunter schwangen sich ihre vollen Lippen übermütig um die Wette, ihr Hals stützte diese perfekte Ansammlung von Zellen (auf Kohlenstoffbasis) wie ein preisgekürter Tänzer seine stolze Partnerin. Sie war heiß.

In einer Frechheit von Oberteil glitt sie zu uns herüber, musterte erst mich (wir kannten uns aus der Unterprima), dann den heiligen Johnny (jeder kannte den heiligen Johnny; andersrum war es unwahrscheinlicher).

„Jungens, was macht Ihr denn hier?“, wisperte sie, während sie uns mit ökonomischen Bewegungen zwei dicke Gläser Hirnhammer einschenkte, „ich dachte man hätte Euch kommuniziert, dass hier keine Schwanzlutscher erlaubt sind.“

Ihr Lächeln war ein Dolch in unseren Eingeweiden, und doch süßer als das Gebäck von Ali, dem verrückten Türken in der Katzenjammerstraße.

„Bella“, begann ich, hochgerüstet mit den üblichen Schweinereien, die nur über eine Bar hinweg geäußert und danach schnell wieder vergessen werden sollten, will man keine Schäden an Seele oder Gemüt riskieren.

„Lass das bodenlose Loch“, schnitt mir der heilige Johnny das gezückte Wort ab, „die reitet jeden Abend auf ihrem Besen heim. Ihre Mutter hat damals ihrem Opa den Freund ausgespannt und mit seiner Samen Hilfe noch drei andere Fischeier gelegt. Kein Wunder dass sie schlimmer riecht als Frankensteins entzündete Prostata.“

Bella schaute Johnny an wie ein entkräftetes Pferd die lederne Peitsche, die es seit zweieinhalb Tagen quer durch die Wüste treibt, und spuckte lautlos in einen Napf irgendwo unterhalb ihres verführerisch verhüllten Unterleibes. Ich schaute in Erwartung eines Epilogs zu Johnny, der jedoch eben sein Glas zum Mund führte und es im nächsten Moment geleert hatte, als würde er dafür in Gold bezahlt. Also öffnete auch ich die Lippen weit, stürzte die schillernde Flüssigkeit mit einem Zucken meines Handgelenks in mich hinein und schluckte.

In diesem Moment rollte Papa Coco aus dem Hinterzimmer.

„Hurensöhne!“ lachte er aus seinem Rollstuhl heraus, und mich durchfuhr sofort die Angst vor einem seiner (in der ganzen Unterstadt gefürchteten) Hustenanfällen. Seine Bronchien waren die Trompeten von Jericho unserer Zeit, seine spasmischen Krämpfe ließen gestandene Ochsenficker erbleichen; die Galle, die er spuckte, war (formal-juristisch gesehen) pures Arsen.

„Ihr seid zu früh“, fuhr er fort, untermalt vom leisen Summen seines Gefährt, das er versiert hinter der Bar hervor direkt auf uns zu steuerte. Der Joystick seines Gefährts hatte die Form eines spektakulär dünnen, aber dafür recht kurzen Penis, und tanzte mit seiner rechten Hand einen manischen Cancan.

„Johnny“, rief er, einen halben Meter vor mir abrupt zum Stehen gekommen, und seine unversehrte Steuerhand reckte sich mir nun entgegen. Scheinbar verwechselte er uns, aber niemand korrigierte Papa Coco, wenn es nicht unbedingt sein musste. Von mir aus war ich eben kurzfristig der heilige Johnny, wenn es denn half.

„Papa Coco“, antwortete ich nachdrücklich und nickte dazu, schob meinen Arm langsam in seine Richtung und wartete auf seine zupackende Hand wie auf eine Betäubungsspritze beim Onkel Doktor. Danach würde alles leichter werden.

„Deine Mutter hat sich immer sehr gerne gebückt“, raunte er, als er meine Hand schüttelte, in der jeder Nerv schockgefroren war. Wie sich seine Haut anfühlte? Ob er stark zudrückte? Ob ich den Druck erwiderte? Genauso könnte ich berichten, wie die Erde sich fühlt, wenn sie sich an der Milchstraße reibt. Seine Hand existierte in einer fernen Galaxie, in einer Paralleldimension.

„Und du musst der andere sein“, orientierte sich Papa Coco schnell zum heiligen Johnny weiter, ließ seine Augen einmal über ihn hinweg flackern wie zwei Fledermäuse durch eine Tropfsteinhöhle, „nun ja, durchaus interessant.“

Dann lachte er wieder, eine Spur dissonanter als vorher, und schüttelte auch Johnnys Hand. Der heilige Johnny schluckte eine Bemerkung wie ein Stück sehniges Fleisch, aber ich konnte sehen, dass er nur auf den richtigen Augenblick wartete. Ich begann zu zweifeln, dass die Sache hier gut ausgehen würde.

„Schreib die Drinks auf, kleine Bella“, rief Papa Coco über die Schulter, als er in einem engen Kreis wendete und uns per nachlässigem Kopfnicken bedeutete, ihm Richtung Hinterzimmer zu folgen. „Aber bloß nicht wieder mit Filzstift, sonst gieße ich dir Säure in die Nasenlöcher und wette mit Henry Salago, wo sich das erste Loch durchfrisst! Und mach die Musik aus!“, knurrte er zum Abschied. Bella gehorchte, und es wurde still. So wie es Papa Coco mochte. Als der heilige Johnny und ich ihm durch die Stahltür folgten wie frische Welpen ihrer Mutter, war nur das Summen von Papas radförmigen Beinen zu vernehmen. Und Johnnys Kaugummischmatzen.

Ursprünglich waren die Hinterzimmer des Roxys weitläufige Kühlräume gewesen, jedenfalls sahen die wuchtigen Spezialtüren und die gekachelten Böden danach aus. Papa Coco hatte lediglich die Schwellen abschleifen lassen, um barrierefrei durch sein Reich surren zu können, und an jeder freien Stelle einen schwer gerahmten Spiegel aufgehängt, um Platz zu schaffen. Alle Böden waren gefliest und leicht zu den Abflüssen hin abgeschrägt.

Wir setzten uns im hintersten Hinterzimmer vor den Schreibtisch, den Papa Coco blitzschnell umrundete und sogleich mit seinen langen Armen für sich einnahm, auf zwei ungleiche Stühle, die auf uns zu warten schienen wie treue Packesel. Auf der Tischplatte stand nur ein altes graues Telefon mit Wählscheibe. Ohne Kabel, ohne Sinn.

„Was kann ich für euch tun, Amigos?“ lächelte Papa Coco uns über das kastrierte Telefon hinweg an. Der Kesselflicker wusste natürlich genau, was er für uns tun konnte, er wollte es nur noch einmal aus unserem Mund hören. So lief das Geschäft. Angebot, Gegenangebot, Deal. Man konnte hier nicht einfach reinplatzen und erwarten, alles würde glatt laufen. Man musste verhandeln könne, ein Pokerface aufsetzen, dem anderen zuhören, sprechen, zuhören. Kommunikation ist alles.

„Das geht Dich den Morgenschiss eines slowenischen Abtreibungsarztes an“, sagte Johnny relativ gefasst. „Du weisst genau, warum wir hier sind, du weisst, wer wir sind, du wusstest, dass wir kommen, du wusstest, dass ich meinen Schwanz links tragen würde, wie jeden Dienstag. Du weisst sogar, was ich jetzt gerade denke, es sind drei Worte, du kennst sie: Papa Coco Mutterficker, nicht wahr? Das hast Du doch gewusst, oder?“

Wenn Johnny sprach verirrte Worte, wahllos hintereinander gehängt, wie das Ergebnis eines Computerprogramms, das aus dem Duden per Zufallsgenerator auswählt. Er war außer Kontrolle.

„Johnny“, lächelte Papa Coco wieder, ignorierte Johnny und schaute mir in die Augen. „Sag mir nur eins: Wo ist die Tarnkappe?“

Ich fühlte seinen Blick auf mir liegen wie einen Flammenwerfer. Nein, eigentlich eher wie eine Schneekanone. Wie eine Mischung aus beidem. Sehr heiss, gleichzeitig aber sehr kalt. Wohl gesonnen, aber abgrundtief böse. Gut, aber schlecht. Ambivalent. „Wir haben sie dabei, kein Stress!“, presste ich unter diesem oszillierenden Blick hervor. Meine Jeans war klatschnass.

Papa Cocos Augen weiteten sich noch ein klein wenig mehr, nahmen jetzt gut 75% seiner Gesichtsfläche ein, konservativ geschätzt. War es Gier oder Angst oder beides gleichzeitig (eine explosive Mischung, wie jeder im Viertel seit dem Fall des blauen Igors wusste, der einerseits zu gierig war, seine in die Klärmaschine gefallene Armbanduhr den dunklen Fluten zu überlassen, andererseits zu ängstlich, um durch das meterbreite Rohr an ihrem Boden in die Freiheit zu schwimmen, und schließlich jämmerlich in der Scheiße ersoff)?

Mir wurde recht blümerant zu Mute.

„Warum gebt Ihr sie mir nicht einfach? Im Gegensatz zu euch Eselstechern kann ich sie sehr gut gebrauchen!“ Sein Unterkiefer schnappe bei diesen Worten gefährlich nach vorne. Nun war er wütend. Das war ganz klar zu sehen.

„Weisst Du, Papa,“ setzte Johnny neben mir an, nur um sich nach diesem kühnen Beginn erst einmal genüsslich auf seinem Stuhl zu wiegen. Er hatte eine Sitzfläche mit Polster erwischt, während meine Hinterknochen mir der Zeit taub wurden wie Kriegsveteranen. Eine schwache Minute verging, in der Papa Coco starrte und Johnny schnaufte. Dann fuhr er fort.

„Wir wissen doch selber ganz genau, dass du die Tarnkappe willst. Und dass du sie brauchst. Und dass wir eigentlich nichts damit anfangen können. Und bevor ich dir jetzt im Rahmen einer gescheiten Parabel erzähle, wie mein Onkel Janosch damals mit zwei Rindviechern in die Stadt gewandert ist, nur um dort eines zu erschießen und das andere einem einbeinigen Bettler zu schenken, bevor wir über die Brüderschaft der roten Westen und die Zusammenhänge zwischen der mangelnden Qualität der hiesigen Kachelöfen und dem Schneideraufstand im letzten Jahrhundert diskutieren“, er holte kaum merklich tief Luft, „nur damit du verstehst, was wir von dir wollen, können wir es doch eigentlich einfach in deine miese Visage aussprechen, oder machst du dir dann vor versammelter Kompanie in die Hose wie der dumme Raoul neulich nach dem drittzehnten Hirsebier?“

Johnny wandte seinen Kopf um schwache 80 Grad zu mir.

„Hab ich irgendetwas vergessen, Bruder?“

Mir zitterte die Oberlippe unmerklich, ansonsten blieb ich recht kühl. Übertreibung war Johnnys Sache nicht, alles was er sagt, meinte er auch so. Aber woher sollte Papa Coco das wissen?

„Richtig, Söhnchen,“ zischte er aus seinem starren Gesicht heraus, die unfassbar großen Augen wie zwei blau schimmernde Muscheln auf dem sandigen Meeresgrund, „spuck´s aus! Spuck es einfach aus.“

Bei diesen Worten klatschte er abrupt zweimal in die Hände. Hinter uns kamen Schritte schnell näher, und ehe ich mich vollständig auf meinem schmerzhaft harten Stuhl umdrehen konnte, sah ich die zwei gertenschlanken Gestalten der Kopaschowski-Brüder, die durch die Tür flutschten wie Aale durch die Hände eines ungeschickten Anglers.

„Der da!“ sagte Papa Coco gelangweilt, und zeigte auf den heiligen Johnny.

Dieser versuchte aufzuspringen, aber schon hatte er zwei sehnige, als Arme getarnte Schraubstöcke um seine Schultern gewunden. Auf seinem Gesicht war eine Mischung aus Unglaube und Neugierde, als sie ihn mühelos aus dem Raum zogen, seinem Schicksal entgegen. „In die Badewanne mit ihm“, sagte Papa Coco, die Muscheln auf mich gerichtet.

Ich griff in meine Jackentasche und fühlte ein Stück starren Stoff. Dann legte ich die Tarnkappe vor mir auf den Tisch.

Papa Cocos nahm die kleine, verbeulte russische Offiziersmütze in einer fließenden Bewegung vom Tisch. Der rote Filzstern, der sie einst schmückte, war von Wind und Wetter zu einem braunen Fleck verrieben worden. Die kleine Spitze war eingedrückt und sah aus wie der unterentwickelte Rüsselstumpf eines kranken Baby-Elephanten. Die einst stolzen Ohrenschützer hingen wie zwei Blatt Recyclingpapier an den Seiten herunter.

Papa Coco lächelte entrückt. Dann setzte er die Mütze langsam auf, richtete den Blick auf einen Punkt hinter unseren schmerzenden Rücken und wisperte: „Johnny, Du triefender Tripperpimmel, kannst Du mich noch sehen? Nein? Wo bin ich? Wer lacht jetzt, HÄ? Geh nach Hause, heiliger Johnny!“

Als ich das Roxy´s verließ, hatte das Wetter kein Erbarmen. Die Sonne schoss vom Himmel herunter auf meinen weichen Kopf. Ich brauchte dringend eine Limo, in diesem Punkt würde ich unnachgiebig sein. Und etwas feuchtes zu essen, was meine Wahrnehmung wieder mit der Realität anfreunden würde. Von nun würde ich der heilige Johnny sein, so viel war mir klar. Aber wie es dazu gekommen war, würde ich niemandem erzählen.

Man würde mich für verrückt halten.

Zwei aktuelle TV-Interviews mit Julian Assange

Es gibt ein aktuelles TV-Interview von Julian Assange für Al-Jazeera sowie ein weiteres für MSNBC (siehe unten). Ein transkribiertes, sehr lesenswertes Interview mit der BBC findet man hier. Assange sagt, vor allem im ersten Video, einige wichtige Dinge, die in der kürzlich heißgelaufenen Diskussion oft vergessen oder schlichtweg falsch dargestellt werden:

  1. Seiner Meinung nach müssen Institutionen auf einigen Feldern Geheimnisse haben dürfen. Im Gegensatz zur oft veröffentlichen Darstellung ist Assange also kein radikaler Transparenz-Terrorist, sondern hat durchaus ein Bewusstsein für bspw. sicherheitspolitische Zwänge zur Latenz. Er ist auch kein Anarchist, wie er nachdrücklich feststellt.
  2. WikiLeaks ist eine Organisation, die Menschen innerhalb “abusive systems” hilft, Informationen bezüglich der Missstände an die Öffentlichkeit zu bringen. Nicht mehr, nicht weniger.
  3. Die USA sind nicht das erste Ziel für WikiLeaks, sondern ursprünglich “more closed and more corrupt societys”. WikiLeaks ist jedoch “source-driven”, also abhängig von ihren Quellen, und solche die USA betreffend waren offensichtlich besonders veröffentlichungswürdig.
  4. Bisher ist, selbst nach Einschätzung des Pentagon, nicht ein einziger Mensch durch WikiLeaks-Veröffentlichungen zu Schaden gekommen.
  5. Assange sieht sich selbst als Publizist. Für ihn gelten Presse- wie Meinungsfreiheitsgesetze.
  6. “Courage is contagious”.


via Hurkunde.

Überschriften alleine reichen nicht

Schöne Anzeigen für die malaysische New Straits Time, die genau auf einen Punkt abzielen, der heutzutage oft an Zeitungen kritisiert wird: Zu wenig Tiefe. “Gain a deeper perspective with the New Straights Times,” lautet der Slogan folgerichtig. Man würde sich wünschen, deutsche Zeitungen würden diesen Anspruch öfters beherzigen. Aber um nicht immer nur zu meckern: “Das Welthemd” in der aktuellen ZEIT ist so eine Story, wie sie hier beworben wird. Super recherchiert, toll erzählt und vor allem: Nicht zufrieden mit den einfachen Antworten.

Yuppies gegen Gentrification

Ähnlich wie der Verband Kritischer Hipster arbeiten die YGG, die Yuppies gegen Gentrification, an der Demontage ihres eigenen Soziotops. Sie sind nur eher in der Hamburger Schanze verortet als in den P-oder X-Bergen der Hauptstadt. Einige dieser satirischen Selbstportraits treffen voll auf die 12, und ja, ich habe auch mal in Berlin gewohnt, und zwar mittendrin – aber ich hab das ironisch gemeint.

Die Angst vor dem offenen Meer

Cory Doctorow, kanadischer Journalist, Science Fiction Autor und Internet-Intellektueller, hat im Guardian über das Problem des Überflusses im Internet geschrieben. Er beginnt seinen Text mit dem Titel “The Internet Problem: when an abundance of choice becomes an issue” folgendermaßen:

The internet has created many problems in its young life – making various industries obsolete, enabling new forms of surveillance and control, exposing good, well-meaning people to crazy, vituperative trolls.

Die Bezeichnung “Problem” hält er konsequent durch, und endet schließlich mit dem Satz: “I’ll take the “too many great possibilities” problem over the scrabble for opportunity any day”.

Nun ist Doctorow als Co-Editor des legendären Blogs BoingBoing.net nicht gerade der Technikfeindlichkeit verdächtig. Und trotzdem formuliert er aus, was ich immer wieder von Leuten in meinem Umfeld höre: Erschlagen von all den Angeboten, Chancen und Opportunitäten, die sich im und durch das Netz bieten, fühlen sich manche Menschen nicht befreit und gefordert, sondern bedrängt und unter Druck gesetzt. Das Internet ist für sie irgendetwas zwischen einem Halbtages-Trip nach Las Vegas und verführerischer Süßigkeitentheke. Sie sehen die Fülle an Optionen, in die sie ihre Zeit, ihr Geld und ihren Intellekt investieren könnten, nicht als Luxus – sondern als Luxusproblem.

Gleichzeitig jedoch beschwert sich niemand (mehr) über unzählige (unnütze) Zeitschriften am Kiosk, Sender im Kabelfernsehen, Bücher in der Buchhandlung. Die Kulturtechniken des “sich einen Überblick verschaffen”, der effizienten Suche, der präzisen Selektion, der Reflektion der eigenen Bedürfnisse und Erwartungen, der Evaluation der Auswahl – all diese wichtige Fähigkeiten und Fertigkeiten scheinen am Wechsel des Mediums zu scheitern. Niemand hat Angst vor eine Unibibliothek, und schon gar nicht, darin etwas zu verpassen, weil man unmöglich, nicht mal in einem ganzen Leben, alle diese scheinbar nicht ganz unwichtigen Bücher lesen kann. Niemand versucht ernsthaft, alle wichtigen Radiosendungen des Tages zu hören, niemand schließt sich ein, um alle Filme der Welt zu sehen, und niemand jammert über 20 Sorten Joghurt im Kühlregal, im Gegenteil: Man sucht sich sorgfältig seine Sorte aus. Und ist glücklich damit.

Warum sind viele aber nicht glücklich mit dem Internet und seinen endlosen Möglichkeiten?

Manche Menschen erinnern mich an ehemals arme, inzwischen larmoyante Lottomillionäre. Nach einem kurzen Gewinnrausch überwiegt die Orientierungslosigkeit ob der explodierten persönlichen Auswahl. Und bald stellt sich ein Gefühl der Orientierungslosigkeit ein, das unglücklich macht, unglücklicher, so klagen die bemitleidenswerten Neureichen, als die alte Mittelosigkeit. Der Mensch scheint ein ordentliches Tier zu sein, er mag es überschaubar, und sein Glück braucht Grenzen, an denen er sich abarbeiten kann. Völlige Freiheit überfordert uns, Endlosigkeit finden wir bedrückend, und: Was nichts kostet, ist nichts wert.

Diesen beliebten Denkfehler, Wert mit Preis gleichzusetzen, begeht auch Doctorow fast: “So much of our sensibilities are honed by evaluating the cash outlay for various courses of action – it’s hard to tamp down the elation at discovering that some formerly expensive action now can be had merely for the time it takes to seize on the opportunity.”

In den Tausenden von Jahren, in denen Informationen und ihre Medien und die damit verbundenen Möglichkeiten knapp waren wie Gold, haben wir verinnerlicht, dass nur wert ist, was etwas kostet. Und dass Überfluss ungesund ist. Wir misstrauen dem medialen Freibier, suchen den Haken – statt unseren Platz inmitten des Reichtums. Wir haben nicht ausreichend gelernt, uns angesichts endloser Chancen ganz alleine zu orientieren. Wir haben nur gelernt, im Swimming Pool unserer beschränkten Reichweite zu schwimmen, den Rand immer im Blick. Jetzt aber wartet der Ozean auf uns, das offene Meer, und wir können uns kaum über Wasser halten. Die Technik wäre zwar die gleiche, aber die schiere Weite des Kontextes lähmt uns.

Ich glaube fest daran, dass Überfluss nicht das Problem ist, wenn er auch so wahrgenommen wird. Das Problem sind fehlende oder versagende Selektionsmechanismen. Ich glaube, dass wir lernen können, diese auch auf das Internet anzuwenden. Und ich bin gespannt, mit welchen externen Hilfen wir diese aufbauen werden. Ich sehe in dieser Orientierungsnot, die viele Menschen empfinden, die große Chance für z.B. soziale Selektierer, die mir zeigen, was meinen Freunden gefällt. Ich glaube, dass schon bald das Netz ein weiteres Mal “sozialisiert” wird, dass z.B. Facebook weiter in jeden Bereich unseres Netzkonsums eindringt, da die darin aggregierten Daten alles nach unseren sozialen Kriterien hierarchisieren, und damit sinnvoll ordnen können. Und ich hoffe, dass in der Lösung des Selektionsproblems für all diese überforderten Menschen die Chance für neue, unabhängigere Dienste besteht. Dass jemand Freundliches mit einer smarten Idee, wie man das Netz überschaubarer, einfacher machen kann, viele Abnehmer findet.

Irgendjemand wird Menschen wie Cory Doctorow ein kleines bisschen Hilfestellung geben und ihnen damit die Angst nehmen. Die Angst vor dem Schwimmen im offenen Meer.

Game des Jahres: Cable Game

Es wird Zeit, die Jahresbesten zu küren. Und da ich bekanntermaßen ein passionierter Gamer bin, fange ich mit meinem Game des Jahres an: Das Cable Game.

Das Cable Game aus der Kreativschmiede WikiLeaks ist dem oft als langweilig und konstruktiv verschrieenen Genre der serious games zuzuschreiben. Dahinter steht eine verrückte Idee: Nicht (nur) zum Spaß sollen die Zocker daddeln, sondern quasi nebenher auch noch Wert schöpfen. Das mag der grundsätzlichen Idee des Gamings, möglichst viel Zeit möglichst unterhaltsam möglichst unproduktiv zu verbringen, zuwider laufen. Angesichts des Vormarschs moralischer Werte und der zunehmenden Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement (Quelle: Karig 2015, S. 12 ff.) sind jedoch inzwischen solche Spiele der letzte Schrei, die mehr tun, als einfach nur Zeit zu verdampfen.

Screenshot eines Highscores: 21 von 25 Punkten!

Bei Cable Game geht es laut dem Zockerblog Kulturkampf der ZEIT (“Online und offline – Leben in zwei Welten”) um folgendes:

Wer mitmacht, liest sich eines der Schriftstücke durch und markiert in ihm möglicherweise interessante Begriffe, Ortsbezeichnungen oder Namen. Anschließend können diese in eine von fünf vorgegebenen Schlagwortkategorien gespeichert werden und zwar: Name, Organisation, Ort, Vorkommnis oder Thema. Haben andere Leser die gewählte Kategorie für den gleichen Begriff schon einmal benutzt, gibt es Punkte.

Man kann also spielerisch bei der Revolution der globalen Informationsökonomie mitmischen, Social Tagging hautnah miterleben und – mit etwas Glück – das Kabel zum nächsten SPIEGEL-Titel vorbereiten. Ich jedenfalls bin begeistert von dem simplen Game Design, das an gute alte Text-Adventures erinnert, und der bahnbrechenden Sinnhaftigkeit dahinter. Weiß jemand, wann das Multiplayer-AddOn kommt? Schon jemand Cheats entdeckt?

Rap News 6 – Wikileaks’ Cablegate: The truth is out there

The Juice Media haben einen brillanten Rap-Report über WikiLeaks gedroppt. Da werden alle whacken MCs wie Clinton, Berlusconi und Gaddafi fett gedisst. Und dabei die eigene politische Message nicht vergessen:

History, dear viewers, is happening,
Will we ever get a similar chance again?
History books will be written about events this month,
The story they will tell? It´s up to us.

All you sing is love

Das ist also der sprachliche Unterschied zwischen Indie und Mainstream? Die szenigen Songs bei Pitchfork tönen vulgärer (fuck) und progressiver (change) und beobachten eher die Umwelt (mountain, world, night), wohingegen der Massengeschmack von Schlüsselreizen (lover, young, baby) und Lautsprache (blah, hey) befriedigt wird. Und alle wollen love. Aha.

Erklärung der Forscherin: Words scaled by number of occurrences, with two occurrences minimum. The maximum number of occurrences was five.

Kondome schützen

Endlich sind neue Details der Vorwürfe und getätigten Aussagen im Fall Assange bekannt geworden. Der Guardian ist auf “unautorisierte” Weise an Informationen gelangt, die nicht einmal Assanges Anwälten zugänglich sind. Die interessantesten aus meiner Sicht:

  • Es geht, in strafrechtlicher Relevanz, hauptsächlich “nur” um “Sex, der nicht einvernehmlich teilweise ohne Kondom vollzogen wurde”, was in Schweden ein Vergewaltigungsvergehen darstellt, im Rest der Welt nicht. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass Assange es nie wieder ohne macht.
  • Des weiteren geht es um Tatbestände der sexuellen Nötigung bzw. Belästigung, die sich mit “harmlosen” sexuellen Interaktionen abgewechselt haben sollen. Wer schonmal wilden Sex hatte, weiß, wie schwer da Trennlinien einzuziehen sind. Trotzdem: Ein “nein” bleibt immer ein “nein”. Hoffentlich schafft sich die schwedische Justiz den Durchblick.
  • Die beiden Frauen erhoben ihre Vorwürfe erst, nachdem sie voneinander von der jeweils anderen sexuellen Beziehung Assanges erfuhren. Bis dahin hatten sie engen Kontakt zu Assange, bspw. schlief er sechs Nächte mit einer der beiden Frauen in einem Bett. Auch wenn man Menschen eine gewisse Zeit zugestehen sollte, bis sie realisieren, was ihnen zugestoßen ist: Das riecht nach verletzter Eitelkeit, Eifersucht und Rache.
  • Assanges Anwälten werden relevante Details der Anklage vorenthalten, wie insgesamt Informationen zurückgehalten werden, vor allem was die evt. zweifelhafte Motivation der Frauen angeht, ihn zu beschuldigen. Er ist eben nicht sonderlich beliebt bei den Leuten, die auf solche Taktiken Einfluss haben.

Nachdem ich diese Details kenne, drängt sich mir leider eine Sichtweise auf: Hier wird, von mehreren Seiten, strategisch mit der Vergewaltigungsbrandmarke gefuchtelt. Und das schadet anderen, zweifelsfrei geschädigten Vergewaltigungsopfern mehr als alle sexistisch verzogene Wahrnehmung, alle politische Instrumentalisierung, alle mediale Ausschlachtung des Falls (siehe den heiß diskutierten Artikel der Feministin Naomi Watts dazu).

Denn das, was unter Vergewaltigung gemeinhin verstanden wird, hat eine ganz andere Tragweite als die tatsächlichen mutmaßlichen Vergehen, derer sich Assange schuldig gemacht haben soll. Vergewaltigung ist brutale, sexuelle, physische wie psychische Gewalt. Man muss sehr vorsichtig sein mit diesem Begriff und Abgrenzungen immer mitdenken, die in der simplifizierenden öffentlichen Wahrnehmung einer Maximalschuld Platz machen . Wer fahrlässig eine Vorverurteilung eines Beschuldigten wegen dieses perfiden Verbrechens namens Vergewaltigung in Kauf nimmt, handelt nicht nur gegenüber dem Beschuldigten ruchlos. Wer hochsensible Delikte wie eine Vergewaltigung, die ein Opfer auf so vielen Ebenen schadet, und deswegen auch dem Täter auf so vielen Ebenen anzukreiden ist, als Rachekeule benutzt, ist für die Auswirkungen auf den Umgang mit Vergewaltigungsopfern verantwortlich. Das hat nichts mit “ekligen Klischees” intriganter Weibsbilder zu tun, bzw. doch: Wenn sie leider in diesem Fall zutreffen, diese bösen Ahnungen, dass es hier eher um Eifersucht als um sexuelle Gewalt geht, ist ihre Verdichtung in Klischees kein Grund, sie nicht zu verurteilen.

Schräger Vergleich hierzu: Wenn mich ein prolliger Mantafahrer umfährt, ist seine Klischeehaftigkeit kein Grund, ihn anzuzeigen, auch wenn dadurch viele andere friedliche Mantafahrer unter gesellschaftlicher Ächtung durch Mantafahrerwitze leiden müssen. Sie sollten sich bei ihm beschweren, nicht bei mir.

Genauso sollten sich Menschen, die in irgendeiner Weise Empathie für Vergewaltigungsopfer aufbringen (ich schließe mich da ein), den zwei schwedischen Frauen als Auslöser für eine Boulevardisierung und Bagatellisierung des Vergewaltigungsbegriffes danken, die jede feministische Angst vor einem sexistischen Bumerang übertrifft. Wenn, nach all den politischen Winkelzügen und Manövern, nach einem halbwegs fairen Prozess und Abkühlung des Personenkultes um Assange, derselbige nicht oder nur zu einer relativ geringen Strafe für seine Penetration ohne Kondom verurteilt wird, hat in jedem Fall der Kampf für eine Anerkennung und Stärkung von Vergewaltigungsopfern und ihrer Souveränität schwer gelitten. Dass sich damit letztlich ausgerechnet die Opfer zu Tätern gemacht haben, ist traurig, aber, wenn man alle begründeten Schutzreflexe und den übergeordneten Willen zur Verteidigung der Würde von Vergewaltigungsopfern ausklammert, wahr.

Dass der Ablauf und die Heftigkeit der Verfolgung nach politischer Beeinflussung schmeckt, steht auf einem anderen Blatt. Ich glaube nicht an eine Verschwörung, oder wie es eine schwedische WikiLeaks-Führungsperson ausdrückt, welche beide Frauen, Assange und den Fall gut kennt: “Of course, the enemies of WikiLeaks may try to use this, but it begins with the two women and Julian. It is not the CIA sending a woman in a short skirt.”

Wahrscheinlich ist es ganz simpel: Die zwei Frauen beschließen gemeinsam (mit wie viel juristischer Legitimation auch immer), Rache an Assange zu nehmen. Ihnen muss bewusst sein, dass ein Vorwurf der Vergewaltigung, haltlos oder wohl begründet, ihm in der wichtigsten Phase seines Projektes immensen Schaden zufügt wird. Was auch immer er ihnen angetan hat: In ihren Augen hat er diesen Gegenschlag verdient. Der erste Staatsanwalt lässt die Anschuldigungen wegen Haltlosigkeit nicht weiter verfolgen. Die schwedische Staatsanwältin Ny jedoch, eine berüchtigte Hardlinerin bezüglich der Verfolgung von Sexualdelikten, sieht eine Chance auf einen interessanten, vielleicht prestigeträchtigen, jedenfalls wichtigen und öffentlichkeitswirksamen Fall. Die schwedischen Autoritäten werden von den Amerikanern explizit oder implizit aufgefordert, der Sache möglichst nachhaltig nachzugehen bzw. die Staatsanwältin nicht zu bremsen. Es braucht keine Verschwörung, keine CIA und keine schmutzigen Tricks, um aus dieser Sache die denkbar effizienteste Diskreditierung der Person Assange zu machen.

Dem Heldenbild seiner Freunde steht nun also das Bild eines egomanischen Vergewaltigers gegenüber, der noch dazu (diese unwichtige Information drang magischerweise an die Öffentlichkeit), mies im Bett ist:

“Not only had it been the world’s worst screw, it had also been violent.”

Hoffentlich erfahren wir bald, was davon wahr ist.

Eine Frage der Perspektive, Folge 100

Als 100. Post auf diesem Blog wähle ich, hochgradig symbolisch wie immer, diesen umgeworfenen Glaubenssatz aus:

“Wasser verteilt sich sofort in Wasser.”

Hätte ich auch gedacht.

Man muss nur genau hinschauen, und schon lernt man dazu: “Forscher am MIT photographierten fallende Wassertropfen mit einer Hochgeschwindigkeitskamera und 10.000 Bildern in der Sekunde:” (via Schockwellenreiter.)