Devo – What We Do

Ich habe zwar noch nicht gänzlich umrissen, wie dieses interaktive Musikvideo von Devo funktioniert, aber deswegen ist es eben Avantgarde. Man kann per Mausbewegung in Echtzeit steuern, was man sehen möchte, und manche Produkte aus dem Video direkt kaufen, oder so. Probiert es aus und staunt. Aus dem Interview:

The user/viewer is the director in this video. They decide what to see and when to see it in real time. They will be able to navigate and save a version of what they think others should see. It’s like having a vote in Devo’s creative process. It’s truly interactive.

Varieté

Ich schreibe hier selten über Musik. Wenn, dann da oder dort. Manchmal jedoch fällt mir eine Perle in den Schoß, die hier einfach nicht fehlen darf, weil sharing is caring und so. So auch das neue Album Varieté von AKA AKA & Thalstrøm. Das ist nämlich frische, smarte, tolle elektronische Musik, abwechslungsreich und anschmiegsam und wie gemacht für die derzeitige Frühlingsschwingung. Mit dabei sind gar eine Rockgitarre, ein Didgeridoo, superschöne Vocalfeatures, viele von Hand eingespielte Drums und ein Cover von Otto Waalkes(!). Und in der Wolke kann man Varieté ein bisschen anhören:

Stark, oder? Als wäre das nicht genug, gibt es auch noch ein Making Of mit den ausführenden Boys:

Showrunners

Wer sind die größten Geschichtenerzähler unserer Zeit? Vielleicht die “Showrunners“, die sich TV-Serien ausdenken und manchmal zu großen Hits machen. Eine gleichnamige Dokumentation erzählt die Geschichte der Autoren, Produzenten und Executives hinter den Geschichten – und wie heute welterfolgreiches Fiction-Fernsehen gemacht wird:


Via TDW.

Skandal!

Es ist dies eine erstaunliche Zeit der Skandale: Ein hochrangiger Weltbänker scheint es nötig zu haben, ausgerechnet in Law&Order-Country ein Zimmermädchen anzufallen. Nicht anzumachen oder anzugrapschen, sondern quasi ansatzlos zu bespringen – und zwar nackt. Was sicherlich den ein oder anderen kleinen Nachwuchsbänker in eine Existenzkrise stürzt: Wenn nicht mal der Alte die geilen Weiber haben kann, ohne sie zu zwingen, wozu mache ich dann den Scheissjob? Und wenn er unschuldig ist: Wie einfach kann man einen mächtigen Mann loswerden, indem man die Vergewaltigungs-Karte spielt? Nein, ich schreibe jetzt nicht den Namen Assange, nein, nein.

Kurz darauf fällt den dankbaren Enthüllungsjournalisten eine verwandt-pikante Story in den Schoß: Die besten 100 Versicherungsvertreter der Hamburg-Mannheimer wurden 2007 in Budapest ganz speziell belohnt. Für diese Elite der Herren Kaiser gab es Mädchen mit verschiedenfarbigen Armbändern, je nach Verfügbarkeit (nur Hostess / nur für Vorstand / zur freien Verfügung) und einem Stempel nach jedem Geschlechtsakt. Eine fleischliche Provision mit deutscher Versichungsgründlichkeit, von der als “Mordsspaß” sogar im hauseigenen Vertreterblatt berichtet wurde.

Ein ganz anderer Skandal entlarvt die Empörungsmaschinerie als blinden Automatismus: Lars von Trier hat zum entzückten Entsetzen der internationalen Panorama-Presse “zugegeben”, er sei ein Nazi. Und dabei allerlei anderen Meinungsquatsch über das dritte Reich und die Juden ausgeplappert. Auf dem Papier ein Grund, ihn in den Mel-Gibson-Sack zu stecken, ordentlich draufzuhauen und seine Karriere in Hollywood und bei den großen Festivals für beendet zu erklären. Sieht man jedoch das Video, auf dem er mit dem Satz “Okay, I am a Nazi” die versammelten Journalisten und die bezaubernd unsichere Kirsten Dunst zum Lachen bringt, weil die Situation so absurd und offensichtlich nicht politisch belastbar ist, versteht man, dass Kontext und Bedeutung egal sind, wenn nur das richtige Stichwort fällt. Man hätte den verwirrten Künstler einfach rügen und wieder ans Set stellen können, wo er eine bessere Figur macht als in der Drucksituation der Pressekonferenz. Oder mal recherchieren, wie dieser oder dieser Kommentator. Wenn ich mal berühmt bin, setze ich mich auf eine Bühne und sage: Nazi, Hitler, Juden (Reihenfolge beliebig). Vermutlich liegt meine Prominenz jedoch in jener fernen Zukunft, in der diese Reizworte keinen mehr jucken. Schade.

MC Kruse

MC Prof. Peter Kruse droppt einige eher kluge Thesen; u.a. über die Möglichkeit,  Kreativität durch systemische Spannungen indirekt zu erhöhen. Kostprobe: “Machen Sie keine Einheitlichkeit! Harmonische Systeme sind dumme Systeme. In der Natur entstehen Ordnungsmuster immer aus Widerspruch, nicht aus Harmonie.”
Solcherart spricht er viele für sich eher simple Sätze, die man in diesem kombinierten Sinn selten so klar und präzise und buzzwordfrei gehört hat. Ein Genuss.


Via Weg Eins.

Der Antrag

Romantik darf in dem postmodernen digitalen Wahnsinn, den wir unsere Realität nennen, nicht zu kurz kommen. Matt, ein offensichtlich sehr verliebter Amerikaner, setzt die Messlatte für spektakuläre Heiratsanträge hoch: Er zeigt seiner Ginny während ihres ahnungslosen Kinobesuches eine als Filmtrailer getarnte Vorgeschichte zu seinem im Kinosaal folgenden Kniefall. Ein schön gemachter Film, der zeigt, wie er bei ihrem Vater formvollendet um ihre Hand anhält, um dann für die wichtigste Frage seines Leben zu ihr ins Kino zu eilen. Ich musste sehr lächeln.


Via MMM.

Pulp Simpsons

Angeblich von einem anonymen Zeichner bei Film Roman (die Produktionsfirma hinter den Simpsons) kommen diese Mashups zweier einflussreichster Narrative der Popkultur der letzten Jahrzehnte: Pulp Fiction, von den Simpsons gespielt.

Implizit

Selbstentlarvender Zeitvertreib: Der Implizite Assoziationstest. Aus der Erklärung der Harvard-Psychologen:

Psychologen gehen davon aus, dass Menschen nicht immer sagen, was sie denken, weil sie es entweder nicht wollen oder nicht können. Zum Beispiel könnte eine rauchende Person, die vier Schachteln am Tag raucht, auf die Frage “Wie viel rauchen Sie?” absichtlich nur zwei Schachteln angeben, weil sie sich schämt. Sie könnte auch einfach die Antwort auf diese persönliche Frage verweigern. Dies wären Beispiele für nicht wollen. Es könnte aber auch sein, dass die Person nur zwei Schachteln angibt, weil sie es ernsthaft glaubt. Unbewusst eine falsche Antwort zu geben wird oft “Selbsttäuschung” genannt, ein Beispiel dafür, die richtige Antwort nicht geben zu können. Die Unterscheidung von “nicht wollen” und “nicht können” entspricht der Unterscheidung von bewusstem Verstecken vor anderen und dem unbewussten Verstecken vor sich selbst. Der implizite Assoziationstest macht es möglich, diese beiden Arten des Versteckens zu unterscheiden, indem er die impliziten Einstellungen misst, die die Menschen nicht angeben wollen oder können.

Auf Einladung eines Psychodoktorandes, der in meinem Freundeskreis sein Unwesen treibt, machte ich heute den Test bezüglich Homosexualität. Das Ergebnis verrate ich nicht, die Statistik aber lügt nicht:

PETA

Ich bin verwirrt: In meiner kleinen Welt waren die Tierrechtaktivisten von PETA immer die Guten, so tendenziell zumindest. Tiere sollte man grundsätzlich schützen, und beim Vegetarismus muss ich ja nicht mitmachen. PETAs Kampagnen jedoch sind eine einzige Anhäufung von sexistischer, niveauloser Faux-Pases. Da werden Männer auf Schwanzlänge und (Im)Potenz, Frauen auf ihre unrealistisch sexgeilen Hotbodies reduziert. Ganz zu schweigen von den beispiellosen Missgriffen an unappetitlichen deutschen Testimonials wie Lisa Fitz oder Sarah Connor, die ich hier nicht weiter anführen möchte. Pfui, PETA!
Ich bin normalerweise völlig unempfindlich gegenüber solchen -ismen, freue mich über schöne Frauen, bösen Humor und Grenzüberschreitungen in jedem Kontext. Umso allergischer reagiere ich auf pseudoprovokante Instinktstimulation. Also: Von mir aus zeigt Titten und macht Euch über Schwänze lustig, aber macht es schlau und doppelbödig. Und wer das für ein Oxymoron hält, hat die Bunnies bei Harald Schmidt nicht gesehen.

Dennoch würde ich mich über eine Einschätzung einer Person freuen, die entschieden sowohl gegen Fleisch als auch Sexismus ist (davon gibt es sicherlich einige). Was die EMMA (jetzt hab ich sie wirklich verlinkt!) dazu denkt, kann man sich denken. Also, was denkst Du: Heiligt der Zweck die Mittel? Alles halb so wild? Oder hat sich PETA damit ins Abseits geworben? Bist Du jetzt schizophren? Urteilt selbst, zuerst das neuste amerikanische Motiv und die letztjährige deutsche Osteranzeige:

Vergangene Heldentaten gegen Hundezucht, Sportfischen und Fleischkonsum:

Der Gemüsesex-Spot zum Super Bowl:

Und natürlich der fast schon legendäre Gemüse-Casting-Spot: