Sterben

Murdelta erklärt auf dem Kraftfuttermischwerk dazu:

This is someone dying while having an MRI scan. Before you die, your brain releases tons and tons of endorphins that make you feel a range of emotions. This is why when people die, they see things like “a light” and they feel so euphoric.

Beängstigend. Und gleichzeitig wunderschön, oder?

The Tweets

Eine Fußnote zum kürzlich wieder aufgebrochenen Missverhältnis zwischen Journalisten und sozialen Medien: Der internationale Nachrichtensender France24 feiert Twitter  (und seinen eigenen neuen Account)  mit einer schönen Kampagne. Darin werden Hitchcocks “Die Vögel” zu “Die Tweets”, wenn viele hellblaue Vögel Despoten und Folterknechte angreifen. Natürlich überhöhen solche Darstellungen die Rolle von Twitter in den betreffenden nordafrikanischen Revolutionen. Aber sie zeigen auch, wie man sich einer (den eigenen Beruf verändernden) Innovation anders nähern kann denn mit störrischer Abwehrhaltung. Konstruktiver scheint die alte Frage: Cui bono, wem nützt es? Und die Antwort ist eindeutig.

Sexy Bundestag

Hot Or Not mit den Abgeordneten des Deutschen Bundestages (Schelm dahinter: Francis Boulle) – so ähnlich fing Mark Zuckerberg auch mal an. Votet für die heißesten Politiker bei Sexy Bundestag. Auch für UK und Irland möglich, unsere Repräsentanten sind aber hübscher!

Und die aktuelle Top 6. Ich glaube, Gernot Erler hat gute Chancen auf einen Spitzenplatz, bei den Damen sind die üblichen Verdächtigen schon vorne.

Remix

Meine Damen und Herren, die allseits beliebte Serie “Everything is a Remix” geht in die dritte Runde. Kirby Ferguson erklärt darin sehr sehenswert, wer sich bei wem wie bedient hat, warum alles schonmal da war und, in dieser Folge, warum das gar nicht anders sein kann. Teil 1 und 2 gibt´s drunter.

Hilfsverben

Die unglaublich ermüdende Diskussion, ob “man” heutzutage Twitter und/oder Facebook nutzen muss, ist seit kurzem um ein besonders einschläferndes Kapitel reicher. Wenn nun schon ARD- und RTL-Chefinnen aufgeschreckt werden, weil ein in den sozialen Medien recht aktiver Kollege sie provoziert, wird es wirklich fast schmerzhaft müßig. Oder besser: müssig.

Meine grundlegende Fragen: Warum wird heutzutage so viel gemusst? Und so wenig gekonnt oder gedurft? Ich musste diesen Text nicht schreiben, der ein oder andere wird sogar sagen: Das musste jetzt nicht sein. Aber ich konnte und wollte.

All diese “muss man das?” Diskussionen laufen an der Oberfläche heiß. Es geht doch bei der Frage, ob man ein Instrument benutzen muss, nicht um das Instrument, sondern um dessen Wirkung. Und die ist nie gemusst, sondern wenn, dann gewünscht. Also: Twitter und Facebook sind wunderbare Instrumente, um in einen Dialog zu treten, Informationen symmetrisch, vor allem aber asymmetrisch zu verteilen, dabei aber immer bidirektional den Kanal offen zu halten, kurz: um sich zu vernetzen. Muss man das als hochkarätiger Medienschaffender? Nein, man muss gar nix, nicht mal telefonieren, wie Dirk von Gehlen richtig feststellt. Aber sinnvoll und fruchtbar für die eigene Arbeit wäre es schon. Glaube ich. Kann mich auch irren. Darf jeder selbst rausfinden.

Ich kann nicht verstehen, warum hochintelligente, gut ausgebildete Menschen vor Diensten wie Twitter und Facebook stehen und scheinbar jede Analysefähigkeit verlieren. Zu diskutieren, ob man das jetzt nutzen muss, ohne über die gewünschten Effekte und Wirkungen zu sprechen, ist ein bisschen so, als diskutiere man mit anderen Busfahrgästen darüber, ob man nun in den Bus steigen müsste, ohne sich zu überlegen, ob man überhaupt dahin will, wo der Bus hinfährt. Will man, dann ist die Linie eventuell eine hervorragende Option, weil sie mich schnell und zuverlässig dahinbringt. Vielleicht wäre eine andere Linie (noch) besser. Und: Will man nirgends hin, bleibt man eben hier, braucht aber auch nicht über die Vorzüge der verschiedenen Buslinien zu diskutieren. So einfach ist es. Und so schwer.

Meanwhile, in den USA: An undecided New York state senator has turned to Twitter and Facebook to ask social media users if he should cast the deciding vote in favor of legalizing gay marriage.

Dieser Politiker hat einfach die Menschen über Facebook (wenig anonym, Ergebnis: 50/50) und Twitter (anonym, Ergebnis: klar für das Gesetz) befragt, was sie zur Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehe denken. Wollte oder musste er dazu Facebook oder Twitter nutzen? Nein. Was wollte er? Einen direkten, effizienten Draht zu seinen Anhängern. Eine Meinung. Kommunikation. Musste er dazu… nein. Aber es scheint gut für ihn zu funktionieren.

Wir leben in einer Kultur der Zwänge zum Glück. Ständig hat jemand das Gefühl, er müsste etwas tun bzw. sich dagegen verteidigen, etwas tun zu müssen. In bestimmten Fällen wie den Kommunikationsinstrumenten bauen nur die Protagonisten selbst einen Zwang auf, der dann wiederum vage in Richtung der Instrumente projiziert wird. “Die technische Entwicklung” zwingt dann eben, an ihr teilzuhaben. Komisch. Ansonsten reicht doch auch oft der Satz: “Ich muss nicht jeden Trend mitmachen.” Kein Mensch fragt sich ernsthaft, ob er die neue Joghurt-Sorte kaufen muss, sondern, ob er will. Kein Mensch muss das neue Album von soundso hören, man darf auch die letzten zwei besser finden. Aber wenn ein paar andere davon vorschwärmen, fühlt man sich unter Druck. So ist das mit Innovationen: Die Menschen sehen andere Menschen irgendwohin laufen, und dann müssen sie auf einmal hinterher. Lemminge.

Also, wenn das nächste Mal jemand sich erregt über die Frage: Muss ich auf Facebook oder Twitter stattfinden? Dann bitte einfach danach fragen, was derjenige überhaupt will. Im Leben und im Job. Mein Steuerberater muss sicherlich nicht auf Twitter. Ich nutze Twitter. Weil ich möchte. Ich könnte es auch lassen, ich verrückter Hund. Ich will so bleiben wie ich bin. Du darfst. Viele andere Menschen dürfen jedoch darüber nachdenken, ob diese Instrumente eventuell helfen können. Aber bitte, “nachdenken”, im Sinne von: pro und contra abwägen. Am besten nur pro. Positiv bleiben. Nicht herumzetern oder Hilfsverben missbrauchen.

Das ist jetzt mein allgemeiner Ratschlag für ein besseres Leben: Mehr wollen oder können. Und weniger müssen müssen.

Animalisch

Manchmal nervt mich dieses Gerede des Menschen über seine minderwertige Rolle in der Natur. Von wegen Tiere wären ja so viel begabter und fähiger, dabei vor allem moralisch reiner. Quasi edle Wilde mit Fell. Aber das Stichwort “Nahrungskette” lehrt uns: Tiere sind nicht die besseren Menschen. Tiere sind egoistische kleine Fieslinge. Wenn sie etwas wollen, holen sie es sich, es sei denn sie haben Angst vor einem größeren Tier, das ihnen die Schnauze polieren könnte. Und auch diese Urfurcht vergessen sie manchmal einfach, weil sie eben triebgesteuert sind. Nicht mal das so genannte “Artwohl” gilt: Tiere behummsen sich auch innerhalb einer Art, hat der Anthropologe Volker Sommer bewiesen. Lüge und Täuschung gehören in der Tierwelt zum Handwerkszeug. Und wir Schöpfungskronen sind nicht besser oder schlechter. Wir sind uns unseren Defiziten nur bewusster. Der Mensch ist eben dem Menschen ein Wolf, nicht andersrum.

Der Tumblr Animals being dicks zeigt in animierten GIFs die schönsten, weil ehrlichsten Momente tierischer Gemeinheit. Und zwar untereinander.

Via KFMW.

Logo-pädie

Graham Smith macht etwas sehr effizientes: Er dreht Markenzeichen um (Brand Re-versioning). Der Effekt ist verblüffend und demonstriert sehr elegant, wie sehr wir die Logos und ihre spezifische Farb-/Wort-/Typo-Kombinationen verinnerlicht haben. Und dass trotzdem alles anders aussehen könnte. Und eigentlich merkt man daran, wie ersetzlich diese millionenfach für viel Geld präsentierten, in unsere Gehirne implantierten Ikonen sind.

Wahrheit schreitet lauter

Die Wahrheit schreitet laut, wusste Brechts Galileo Galilei, und sie schreitet immer lauter. Das muss aktuell Anthony D. Weiner lernen, ein New Yorker Abgeordnete der Demokraten. Er schickte einer 21-jährigen Studentin Fotos von sich und seiner beeindruckenden Oberkörpermuskulatur sowie einige Anzüglichkeiten. Und das alles über Twitter. Da die Studentin sich belästigt fühlte, gab sie die Fotos an die Öffentlichkeit. Weiner hingegen behauptete, sein Account sei gehackt worden. Die Lüge entpuppte sich als haltlos, war die junge Dame doch nicht die erste Empfängerin seiner Avancen. Er musste zugeben, sechs Frauen in den vergangenen drei Jahren auf diese Art medial belästigt zu haben. Jetzt soll er zurücktreten. Pikant: Eine Gruppe von Twitterern warnte vor einigen Monaten die Mädchen, zu denen Weiner Kontakt aufgenommen hatte. Und seine Frau ist schwanger.

Ähnliche Thematik, ganz anderer Fall: Jörg Kachelmann, nach seinem medial aufs widerwärtigste ausgeschlachteten Prozess/Freispruch ein Mann frei jeglicher Image-Sorgen, veröffentlicht er Fotos seiner Verfolger auf Twitter. Noch nie haben Bilder eine Hetzjagd von Paparazzi als so deprimierend durchschnittlich, so trostlos unspektakulär entlarvt. Ein Kamerateam zum Beispiel, das Kachelmann verfolgt, besteht nicht aus kongolesischen Söldnern auf Crack, sondern unscheinbaren jungen Menschen in Mittelklassewagen, die dafür bezahlt werden, einem Menschen das Leben zur Hölle zu machen.

Was diese zwei Fälle gemeinsam haben? Man sieht, dank weit verbreiteter niedrigschwelliger Technologie, als völlig unbeteiligter Mensch Dinge, die man früher nicht gesehen hätte, und versucht sich damit zu arrangieren. Denn wir werden uns gewöhnen müssen an die nackten Oberkörper und fragwürdigen Flirtmethoden von öffentlichen Personen, die wir lieber als Roboter sehen. Wir werden, auf der Kehrseite der Medaille, nicht mehr so tun können, als wären “die Medien” eine Bande von Aliens, gekommen um uns zu versklaven, böse Mächte jenseits aller Bewertungsmaßstäbe. Hinter jedem Paparazzi-Foto steht ein Fotograph, der es unter Verletzung von Persönlichkeitsrechten schoss, Redakteure, die es forderten, Graphiker, die es setzten, Chefs, die es absegneten. Die Akteure hinter manch medialer Schweinerei bekommen plötzlich Gesichter. Und damit Angriffsflächen.

Was wir dabei lernen müssen, ist der richtige Fokus. Dass ein Mann mittleren Alters gerne jungen Dingern nachstellt – geschenkt. Wenn der erste deutsche Politiker mit sexy Pics erwischt wird, hoffe ich, dass wir etwas abgeklärter reagieren. Belästigung gehört sanktioniert, fraglos. Eine kluge Einteilung unserer Aufmerksamkeit wird jedoch desto dringender gebraucht, je mehr Informationen existieren. Manche davon scheinen nur wichtig, weil sie die ersten ihrer Art sind, die an die Öffentlichkeit dringen. Und manche sind wichtig, um Opfern eine Chance auf Verteidigung zu geben, um Täter bloßzustellen, um ungerechte Kräfteverhältnisse auszugleichen. Insofern macht Kachelmann alles richtig. Er zeigt die Menschen hinter einem ansonsten als anonym und systematisch wahrgenommenen Mißstand.

Postprivacy, Datenschutz und Informationsflut sind große Themen, manchmal jedoch hinderliche Verschlagwortung eines einfachen Umstandes: Wir beherrschen die Techniken, entscheidend jedoch sind die richtigen Filter und Prioritäten. Wenn wir ans Licht zerren, was gesehen werden sollte, und in Vergessenheit geraten lassen, was zwar aufregend, aber nicht weiter hilfreich ist, wenn wir genau hinschauen und aussuchen, was wirklich wichtig ist, dann arbeiten diese Informationen für die Wahrheit. Es sollten seltener Bilder gezeigt werden, deren größter Skandal ihre Veröffentlichung ist, und öfters Gesichter, die sonst nur in einer Grauzone hinter der Bühne agieren. Denn dann schreitet Wahrheit lauter.