Mashupfaktur

Endlich wird erklärt, wie Mashups Marke Soulwax entstehen:

“This trailer directed by Saam Farahmand was inspired to create a unique interpretation of the ethos behind the project. The result is a breathtaking film that perfectly encapsulates the audio visual obsession of Radio Soulwax.”


Via MC Winkel.

Cosmopunk

Neulich Nacht standen wir berauscht auf der Straße herum. Ein Typ mit Hund, abgebrannt und abgerissen, läuft an uns vorbei.

“Hey Friends, hat einer von Euch vielleicht mal 70 Cent?” fragt er in die Runde. Ich habe zufällig genau diesen Betrag in meiner Jackentasche und gebe sie ihm.

“Danke Mann. Hier hast Du eine CD, mit Spionagepillen und Trancetrips. Das ist Cosmopunk von mir – mit eingebauter Überraschung.”
Er geht ab. Das letzte Mal versuchte er mich noch zu Jesus zu bekehren. Dann lieber Cosmopunk.
Als ich mich heute, nach zwei Wochen, endlich traue, die CD einzulegen und auf Play zu drücken, höre ich eine ungenießbare Mischung an teilweise fünf gleichzeitig laufenden Tracks unterschiedlicher Machart, eine höllische Melange direkt aus einem kaputten Kopf, Dub unter Eurotrash zwischen Rap und Mozart-Streichern, eine postmoderne Kakophonie. Die Überraschung kann ich nicht finden.

Straßenmusiker sind mir doch lieber als Straßen-DJs.

Always ON

Lass Dich von einem SocialSitter auf Facebook vertreten! Egal ob Nerd Dustin oder Hausfrau Renate, ein netter Socialsitter pflegt in Deiner Abwesenheit Dein Profil. So verkümmert Deine Online-Existenz nie wieder, nur weil Du in Urlaub fahren musst!


Via WUV.

Kindergarten

Damals, im Kindergarten, wurden wir kleinen Menschen wahllos in Gruppen eingeteilt und nach Tieren benannt. Und wehe ein Provokateur aus der doofen Füchsegruppe verirrte sich zu uns stolzen Igeln: Er war ein natürlicher Feind und wurde gnadenlos gejagt. Musste man wider Willen im großen Sandkasten in Kontakt mit den Anderen treten, galt ein ehernes Gesetz: Keines der fremden Tiere konnte Recht haben, hatte es verdient mit uns zu spielen, durfte unsere Spielsachen benutzen. Nur so konnten wir im komplexen Soziotop Kindergarten bestehen.

Die meisten Politiker halten es ähnlich (Dieter Janecek mahnte mich auf Twitter einmal zurecht, “die politische Klasse” nicht über einen Kamm zu scheren. Also denke man sich ein “die meisten” vor jedes “Politiker” und schreibe löbliche Ausnahmen in die Kommentare, danke). Man könnte das öffentlich-professionalisierte Sozialverhalten von Politkern untereinander aufwändig beobachten, indem man über längere Zeit Aussagen und Gegenaussagen medial präsenter Politiker dokumentiert. Ein von Max Goldt in seinem Text “Im Visier von Pakistan und Texas” (angeblich hat er es ursprünglich hierher) erzähltes Ritual (Politiker A sagt etwas, B verurteilt das, C verurteilt schärfer, D verurteilt B&C wegen unlauterer Kritik, A wehrt sich, endlich bringt E ein neues Thema ein, F verurteilt das, usw. usf.) wäre ein denkbares Ergebnis.

Einfacher: Man danke dem Internet für die Verfestigung flüchtiger Diskurse und verfolge die Liste aller twitternden MDBs. Schaltet man sich beispielsweise während einer Bundestagsdebatte, wenn die Empörungs- und Beleidigungsmaschinerie auf Hochtouren läuft, in diesen Strom an wechselseitigen Anschuldigungen und automatisierten Positionierungen ein, wähnt man sich in einer Schneeballschlacht unter Achtjährigen. Ständig verbünden sich viele gegen einen, Parteien und Lager stehen über jeder Fairness – und regelmäßig heult eins. Man bekommt das Gefühl, Politik ist in erster Linie ein kindisches Hauen und Stechen um Punkte, ein manisches ichbinbesseralsdu, beherrscht von ritualisierten Grabenkämpfen, Eifersüchteleien, Eitelkeiten. Redet ein Politiker von Partei X, hauen alle anderen drauf. Außer den Xlern, die verteidigen ihren Mann oder ihre Frau und werfen den anderen unlautere Methoden vor. Dann kommt Partei Y, gleiches Prozedere, gleiche reflexhafte Verurteilung – die Xler in vorderster Front (Vgl. Goldt).

Ein Phänomen der enttäuschten Hinterbänkler, der simplen Soldatengemüter? Ein Zwang zur Profilierung bei Spitzenpolitikern? Leider nicht. Auch schlaue, eloquente Persönlichkeiten ohne Hochamt sind nicht vor Beißreflexen gefeit. Auch nicht bei kleineren, thematisch abgegrenzten Veranstaltungen wie dem vergangenen Twittwoch in München, den ich (leider nur) im Stream sah. Dort sprangen Sympathen wie Dorothee Bär (@DoroBaer) oder Konstantin von Notz (@KonstantinNotz) auf gewisse Reize und Signalworte an wie abgerichtete Dobermänner oder eher – angesichts des vorherrschenden Keiftons – dressierte Dackel. Ganz abgesehen von den anwesenden Politik-Amateuren, die als Stichwortgeber flankierten und den Berufspolitikern in Sachen Attacke deutlich unterlegen waren. Das endete dann in den albernsten “meine Partei/Initiative hat mehr Google-Treffer”, “meine Partei hat mehr Frauen/Männer”-Schwanzvergleichen (Brustvergleichen?), die ich jemals unter erwachsenen Menschen bezeugen musste, und wird gerne auf Twitter, wo die Redezeit bei unendlich mal 140 Zeichen nicht mehr begrenzt ist, weitergeführt. Auf einer gepflegteren Ebene, aber nicht wirklich produktiver lief es dann gestern in der Internet-Enquete (Enquete-Komission Internet und Digitale Gesellschaft). Hier wurde auf hohem Niveau barrikadiert. Immerhin hielten sich die Politiker in diesem kleinen Kreis und offensichtlich vor gefühlt weniger für sich zu gewinnenden Publikum an grundsätzliche Regeln der Diskussionskultur.

Jetzt könnte man manche öffentliche Kabbelei als sportlichen Schlagabtausch abtun, wenn darüber nicht immer die sachliche Auseinandersetzung leiden und der Ton vergiftet würde. Wenn sich dieser Ton nicht wie ein Leitmotiv durch alle Ebenen, alle Dimensionen und alle Gelegenheiten politischer Auseinandersetzung ziehen würde. Und dadurch erst recht politikerverdrossen machte.

Und die konfliktgeilen Journalisten befeuern: So rechnete der altehrwürdige Heiner Brehmer beim Duell zwischen dem Berliner Pirat Christopher Lauer (@Schmidtlepp) und Bär auf N-TV die größere Followerzahl von Lauer als “Eins zu Null” für die Piratenpartei, das Aufdecken der Staatstrojanerskandals durch den Chaos Computer Club als “Zwei zu Null”. Ein mehr an Zuhörern (“Ich mach das auch erst ein Jahr!” und “es kommt doch auf die Qualität an!” waren Bärs nicht doofe, aber eben vermessende Konter) auf einem speziellen Medium ist also punktewertig gleichzusetzen mit einem skandalösen grundrechtssensiblen Vorgehen einer regierenden Partei? Wie soll eine Politikerin auf solch eine Frage antworten? Was wird da eigentlich wie quantifiziert? Wollen auch Journalisten lieber Sieger und Verlierer statt kooperierende Problemlöser?

Konditioniert darauf, wenn schon nicht sachlich recht zu bekommen, wenigstens rhetorisch den Sieg nach Punkten einzufahren, scheinen Politiker in der Diskussion manchmal alles zu vergessen, wofür sie stehen sollten und was ich ihnen nicht pauschal absprechen möchte: Offenheit, Toleranz, Humor, Gelassenheit. Manche werden schnippisch unter dem Druck, performen zu müssen, andere unverschämt, manche passiv-aggressiv. Fast alle aber bewegen sich blitzschnell von der Sachebene weg und sagen Dinge, die man unter “Ihr könnt aber auch nix!” subsummieren könnte. Als Lauer neulich bei Anne Will wie ein friedfertiger Außerirdischer vorgeführt wurde, hatte die Grüne Bärbel Höhn schon immer ganz viel Internet und damit Recht und Relevanz gehabt: “Wir haben auch Blogs!” krähte sie trotzig, in der Angst, die anderen Kinder könnten sie ignorieren. Und der CDU-Fuchs Peter Altmaier (@peteraltmaier) war der einzige, der clever genug war, nicht auch noch Rechthabenzuwollengehabthabenschonimmerundüberhaupt. Deswegen galt er als einziger der “Altpolitiker” hinterher nicht als Verlierer der Runde. Dieser Altmaier schrieb jetzt übrigens in der FAZ eine längst überfällige Willensäußerung, Netzpolitik ganz neu anzupacken. Und SPD-Netzpolitiker Lars Klingbeil konnte nicht einfach zustimmen oder etwas schlaues ergänzen, nein, er twitterte: “Lob über die Parteigrenze!” Das klingt nach Nord- und Südkorea, nach Waffenstillstand im Bürgerkrieg, nach Blut und Tränen.

Die Reaktionen auf den jüngsten Wahlerfolg der Piraten in Berlin zeigen diese Mechanismen noch katalysiert – durch Überraschung und thematische Unsicherheit der “Etablierten”. Jede kleinste Schwäche der Piraten (und die großen sowieso) wird von Politikern (und Anhängern) der anderen Parteien hämisch kommentiert oder prognostiziert: Seht her, die Shooting Stars sind auch nicht besser! Oder noch schwächer: Die werden schon noch ihre Fehler machen. Was für eine verquere Pseudoargumentation ist denn die Herabsetzung des “Gegners” zur eigenen Stärkung, die von Journalisten weiter provoziert wird, wenn sie der Piratenpartei empfehlen, jetzt auf bestimmte bisher vernachlässigte Wählergruppen “zu gehen” bzw. anderen Parteien noch mehr Wähler durch bestimmte taktische Manöver abzujagen. Ich Naivling dachte immer, Politik mache man aus Überzeugung, nicht um gegen die anderen Politiker und ihre Parteien zu gewinnen, nicht für Prozentpunkte, nicht um zur Not als Maul- statt Wählerheld wenigstens die größte Klappe gehabt zu haben. “Die anderen runterzumachen ist immer das schwächste Argument”, kommentierte jemand dieser Tage die Hahnenkämpfe, und er/sie liegt falsch: Es ist gar kein Argument. Es ist einfach nur das rhetorische Wassertreten politischer Nichtschwimmer.

Der vielbeschworene “Politikstil”, der von den Piraten geändert werden soll, meint für mich oft nur eine Art von Umgang der beteiligten Diskutanten, die unerträglich geworden ist. Von der omnipräsenten Medialisierung dem Druck ausgesetzt, diesen medialen Hebel möglichst gewinnbringend für sich ausnutzen, ist der Politiker als Mensch überfordert. Er wehrt sich mit allem, was er hat, wenn er seine Felle wegschwimmen meint, und da es ihm grundsätzlich an fachlichem Selbstvertrauen fehlt, haut er eben den politischen Gegner in die Pfanne. In einer kontingenten Welt, in der jede kleinste Sachentscheidung schon Experten vor große Herausforderungen stellt und kognitive Dissonanzen als Berufskrankheit gelten, ist die Abteilung Attacke wahrscheinlich eine willkommene Simplifizierung: Die sind böse, ich bin gut, und das zeig ich der Welt jetzt. Angriff ist die beste Verteidigung für Menschen, die zumindest subjektiv immer unter Beschuss stehen. Ab in die Arena, Gladiatoren, kämpft um die Gunst des Publikums und zu seiner Belustigung.

Ich frage mich, ob die Politiker, die sich im Bundestag, in Ausschüssen und inzwischen auch in den Sozialen Medien beharken und bekämpfen, in der Kantine weiter machen? Oder ob diese müden Profis, nach ein paar Jahren Politzirkus nur noch Darsteller jener aggressiven Streiter, die sie sich einbilden sein zu müssen, hinterher ganz entspannt die Schlacht Revue passieren lassen? Sitzen sie wie ein Pulk Wrestler nach der Show zusammen und lachen gemeinsam über ausgeteilte Schläge und böse Treffer und das gutgläubige Publikum, zu dessen Erheiterung sie das alles tun?

Dieser Bürger jedoch, so doof er auch manchmal sein mag, hat ein Gespür für soziale Kompetenz, und vor allem für strategische Ignoranz derselben. Daher die Wahlerfolge der Piraten und die immense Aufmerksamkeit, die ihnen in erster Linie zukommt, weil man diesen netten Jungs und Mädels noch zuhören mag. Daher die Beliebtheit eines Helmut Schmidt, der zwar nur noch schwadroniert, er habe alles immer schon vorher gewusst, aber immerhin niemanden persönlich mehr ans Bein pinkeln muss. Deswegen die notorisch geringe Wahlbeteiligung: Die Politiker haben es geschafft, auch durch diese ständige Wiederholung immer gleicher gegenseitiger Vorwürfe (Wahlbetrug! Unehrlichkeit! Bösartigkeit!) den Bürgern das Bild einer Kaste von unfähigen, streitsüchtigen Betrügern zu vermitteln. Daher der Protest auf der Straße, an den meisten Politikern vorbei.

Ich glaube, dass jener Politiker, der Attacken auf sich und seine Partei souverän sachlich pariert oder eben Fehler eingesteht, der darauf verzichtet, andere bei jeder Gelegenheit zu attackieren und im Gegenzug alle Attacken mit einer großen Portion Humor nimmt, ein Politiker, dem man das Machtstreben, das verbissene Gewinnenwollen des Strebers nicht anmerkt, ein Politiker, der auch auf einen rhetorischen Punkt verzichten kann und erhobenen Hauptes aus schweren Debatten geht, weil er sich nicht auf das Niveau der Terrier herabgelassen hat, ein Politiker, der es einfach nicht nötig hat, immer und überall als der bessere Politiker zu erscheinen, ein Politiker, der medialer Überforderung mit Offenheit und Selbstironie begegnet, statt seine Schwächen auf die Kollegen zu projizieren, ein Politiker, mit dem man gerne mal das berühmte Bier trinken gehen würde, weil er Manieren und Charme zeigt – dieser Politiker wird einmal sehr viel beliebter und damit mächtiger werden als all die armen kleinen Menschlein, die es heute so gerne wären. Er darf dann quasi ihr Kindergärtner sein.

Beta

Meine “Zeitung” ist ein Potpourri aus RSS-Feeds, Nachrichtenseiten, stark gefilterten Timelines sozialer Netzwerke, Twitter und ja, auch einer dicken Wochenzeitung, gelegentlich einer Tageszeitung und vielen vielen Artikeln jeglicher Herkunft online, ab und zu einem Video aus einer öffentlich-rechtlichen Mediathek, keinem berühmten Nachrichtenmagazin, vielen Blogs und Kommentaren und Dingen, die ich niemals zugeben würde. Man könnte meinen Medienkonsum also dispers nennen, spontan und weitgehend unabgeschlossen. Ich konsumiere viele “Beta-“Produkte, die eigentlich nie fertig sind, weil sie ständig aktualisiert werden. Im Gegensatz zu den “fertigen” Alpha-Produkten wie einer Zeitung, die bis zu ihrer nächsten Ausgabe fest steht. Beziehungsweise konsumiere ich die Alpha-Produkte eine Ebene tiefer: einzelne Artikel und Video sind in diesem Moment “fertig”, aber nur sie, kein übergeordnetes Konstrukt wie eine Zeitung. Und sie können jederzeit aktualisiert werden.

Ich fühle mich damit bestens informiert. Meine Selektionsmechanismen und Filter könnten zwar immer besser sein, zu oft noch habe ich Katzen und Boris Becker auf meinem Bildschirm. Aber an sich funktionieren sie: Ich verpasse keine “Nachrichten” von übergeordneter Bedeutung, ich erfahre viele Dinge, die nur für mich wichtig sind, sehr früh, ich bilde mir ein, gewisse Trends und Meme und Videos von Menschen unter Drogeneinfluss zumindest für mein Empfinden früh genug zu kennen, ich fühle mich selten überfordert vom Angebot. Und den Hashtag zu “Schwiegertochter gesucht!” sehe ich schon gar nicht mehr.

Die Vorstellung,  dass nur informiert ist, wer ein abgeschlossenes, stehendes Produkt kauft und konsumiert, ist so absurd wie die Vorstellung, dass nur jemand an einem Ziel ankommt, der mit einem einzigen Verkehrsmittel nonstop dorthin fährt, ohne aus dem Fenster zu schauen. Dass nur satt wird, wer täglich das gleiche Gericht ist, nichts anderes, und nur eines am Tag.

Wir müssen viele Dinge neu denken und lernen. Auch das “uns informieren”, bei gleichzeitiger Ignoranz gegenüber Tatort-Getwittere.

Clay Shirky würde in Sachen “fertige Zeitung” bzw. “fertiges Produkt, das über dynamische Zeitverläufe berichtet” vermutlich schreiben: Die Einstufung in fertig/unfertig von etwas, das einen Informationsfluss abbildet, ist ein “historischer Unfall”, weil die (mächtigsten) Medien dieser Abbildung eben lange Zeit welche waren, die im Produktionsprozess aus ökonomischen Gründen irgendwann mal “fertig” sein mussten. Im Falle der Zeitung eben, um ausgeliefert und verkauft werden zu können. Der Nutzen des fertigen Zustandes ist also ein rein formaler, kein inhaltlicher. Er hilft mir als Konsument nur bedingt – wie wenn Strom batterieweise und nicht fließend geliefert würde.

Man könnte medienhistorisch gedacht weiterspinnen, dass im Zeitalter der Oralität der gesprochene Bericht als Abbildung des Nachrichtenflusses gewissermaßen auch “fertig” war, also den Informationsstand des Berichtenden zum jeweiligen Zeitpunkt “abfertigte”. Nur waren da “Updates” leichter und weniger institutionalisiert vorzunehmen. Eine neue Zeitung zu drucken ist eben ungleich mehr Aufwand, als jemandem eine Ergänzung zur letzten Geschichte zu erzählen. Dafür erreicht sie mehr Menschen auf einmal. Digitale Updates sind einfach vorzunehmen und erreichen alle Menschen, die erreicht werden möchten, sofort.

Insofern (das ist hier nicht konsequent durchdacht, aber die Idee könnte klar werden) bewegen wir uns eigentlich in ein ursprüngliches Beta-Zeitalter zurück. Was “natürlicher” ist als das Alpha-Zeitalter der zäsierenden Abbildung von Informationsflüssen.

Kurz: Fertig/unfertig in Bezug auf Medienprodukte, die Informationen dealen, ist ein (künstlicher, weil dem Fluss nicht gerecht werdender) Code eines Zeitalters, das wir gerade verlassen. Und das ist besser für uns.

(Ziemlich ähnliches schrieb ich dem geschätzten Dirk schon in einen Kommentar unter seinen Text. Und ich nehme seinen Gedanken auf und formuliere hier etwas, das auch “beta” ist. Mal schauen, was dabei rauskommt.)

Buchmesse

Der einzige sinnvolle Beitrag zur Frankfurter Buchmesse (und dem diesjährigen Gast Island) kommt natürlich von Martin Sonneborn, der auf Facebook völlig zu Recht schreibt: “Die Isländer sind viel ironischer als wir. Und mit welcher Gelassenheit diese Gnome unser Geld nehmen, das hat schon Stil.”

Siri

Das iPhone 4S ist das erste Telefon, dessen Entwickler ihm ein kleines bisschen Humor und Wärme mitgegeben haben. Und das zeigt sich in diesen schönen Antworten der Spracherkennungssoftware Siri auf die Frage: What´s the meaning of life? Hier gibt es noch mehr Antworten auf andere wichtige Fragen, hier einen ganzen Tumblr (danke, Kurt in den Kommentaren!). Die Frage, ob ich dieses Telefon haben muss, ist jedenfalls damit beantwortet.

 

Dobrica Cosic

We lie to deceive ourselves, to console others, we lie for mercy, we lie to fight fear, to encourage ourselves, to hide our and somebody else’s misery. We lie for love and honesty. We lie because of freedom. Lying is a trait of our patriotism and the proof of our innate intelligence. We lie creatively, imaginatively and inventively.

Fast-Literaturnobelpreisträger 2011 Dobrica Cosic in seiner Trilogie “Deobe” (engl. “Divisions”), 1961. Volume I, Seite 135

Update: Scheinbar sind sich die Nobels nicht ganz einig, die offizielle Meldung nennt Tomas Tranströmer als Preisträger. Nun gut, ich kenne beide nicht wirklich. Aber das Zitat von Cosic läuft mir gerade gut rein. Also bleibt es erstmal so stehen.

Update II: Inzwischen steht unter nopelprizeliterature.org nicht mehr ein Mirror der offiziellen Seite nobelprize.org mit der Falschmeldung von Cosics Prämierung, sondern das Bekennerschreiben einer Gruppe serbischer Aktivisten, die auf Cosics ambivalente Rolle in der Geschichte der Region aufmerksam machen wollen:

We have registered the domain of this obviously hoax site on the 5th October 2011, as a symbolic reminder of that day eleven years ago, when Serbia missed a historic opportunity to create a different and better world. Today again, Serbia turns to war, terror and deadly kitsch of the nineties, violence towards diversity, nationalist conservatism and dishonest orthodoxy. We believe the political activity of Dobrica Cosic is still deeply intertwined with this hazardous value system, which does not cease to threaten us all. Terrible consequences of decades of Mr. Cosic’s political, literary and public activity are felt to this day, both by his own country and throughout the region.

Dobrica Cosic is not a recipient of the Nobel Prize, although the general public in Serbia, and he himself, believed he is for 15 full minutes. We find some solace in that fact.

Ich jedenfalls bin gnadenlos drauf reingefallen, trotz meines ersten Reflexes: Ist das nicht der Slobodan Milosevic der Balkanliteratur? Aber dann glaubte ich der vermeintlichen Schwedischen Akademie mehr als meinem Instinkt. Und lernte dazu.