Monologisch: Winter

Endlich wieder Winter! Total gemütlich diese Vorweihnachtszeit, auch wenn der Konsumzwang voll nervt. Im September schon Nikoläuse im Supermarkt, geht´s noch? Aber so ein Weihnachtsmarkt mit Glühwein und Maronen, das find ich total urig. Ich find ja Farben generell voll gut, und so weihnachtlich mit Schnee sieht einfach alles noch schöner aus. Leider ist es in der Stadt oft viel zu voll, wegen den ganzen Touristen, so wie jetzt kurz vor Weihnachten, da krieg ich Platzangst. Ist sowieso alles nur noch Kommerz. Zum Glück schenken wir uns nichts mehr, höchstens eine Kleinigkeit, was persönliches fürs Herz. Das tollste an Weihnachten sind doch aber immer noch die Traditionen und das gemeinschaftliche Erlebnis. Zu Hause Plätzchen backen und dabei schon voll viel naschen! Den Baum schmücken oder die Bescherung! Und dann alle zusammen essen, in Ruhe, nicht so gehetzt wie im Alltag, und seit wir nicht mehr in die Kirche gehen, ist sowieso alles entspannter. Toll kochen ist ja auch so ein richtiges Hobby von mir geworden. Ich finde: Am Essen soll man nicht sparen, und man kann auch ohne Fleisch was leckeres zaubern. Essen und Trinken ist für mich eben lebenswichtig, und im Winter noch viel mehr, weil man viel zu Hause sitzt und dann hat man endlich mal die Muße in der Küche. Und kann das voll genießen! So ähnlich wie Musik: Ohne könnte ich nicht leben, ich brauch einfach immer was auf die Ohren, vor allem wenn es immer so viel dunkel ist. Wir mögen auch immer alle die gleichen Sachen, einer bringt was mit und dann feiern das alle voll ab. Meine Clique ist ja wie eine Familie für mich, mit meinen besten Freunden kann ich echt über alles reden. Wenn ich mit meinen Mädels losziehe, lachen wir uns kaputt, und wenn ich mit meinen Jungs losziehe, dann rocken wir jede Party, total verrückt! Dann ist es völlig egal, dass es draußen friert. Neulich haben wir voll betrunken einfach ne spontane Schneeballschlacht gemacht, wahnsinnig witzig! Entscheidend ist eh, mit wem Du unterwegs bist: Mit den richtigen Leuten ist jede Party geil! Ich find ja Bars eigentlich besser als Clubs, da kann man sich auch mal unterhalten, dazu einen leckeren Cocktail schlürfen und über Gott und die Welt quatschen. Endlich mal durchschnaufen, so wie jetzt bald, zwischen den Jahren. Da bleibt das Handy mal aus und ich lese eins von den guten Büchern, die ich geschenkt bekomme. Und Sylvester mieten wir dieses Jahr eine Hütte, man muss auch einfach mal rauskommen. Denn wer mich kennt, weiß, dass ich nicht viel brauche zum Glücklichsein. Gute Gesellschaft, ein bisschen Ruhe. Am wichtigsten ist eben: Einfach mal die Seele baumeln lassen und Mensch bleiben! Nicht nur funktionieren und konsumieren, sondern zu sich selber finden. Vor allem an den besinnlichen Tagen gehe ich gerne mal in mich, statt immer nur alles nachzuplappern.

Regen und Meer

Was vor 2,5 Jahren als kleine Bereicherung eines Südeuropa-Roadtrips begann, ist jetzt fertig und öffentlich: “Regen und Meer – Eine Reisecollage.” Die Hirngerechte Gestaltung präsentiert damit pünktlich zu Weihnachten einen kleinen Film über das Reisen, über die Menschen, die man auf Reisen trifft, und über alles andere auch. Egal, wohin uns beide die Reise noch führen wird – ein Frühwerk können wir hiermit schonmal präsentieren.

Tatort in 123s

Der Tatort als (nach Wetten, dass…!) endgültig letztes TV-Lagerfeuer der Nation, auf den sich alle einigen können, zu dem sich Hipster in Hipster-Kneipen treffen wie Selbsthilfegruppen, über den auch die verrückten Digital Natives, die ja sonst nie fernsehschauen, begeistert abtwittern – naja. Das ist schon wieder fast zu viel Folklore, der Tatort bleibt dessen unbenommen eine Krimireihe, die unter dem ihr aufgetragenen Gewicht an gesellschaftlicher Relevanz oft nur müde ächzt. Denn: Manchmal ist der Tatort gut, manchmal ist er schlecht, meistens scheint die Angst der Redakteure, den Zuschauer zu überfordern in übererklärenden Kleinkinddialogen durch (“Warst Du schon mal in Dachau?” – “Du meinst in der KZ-Gedenkstätte?”). Und solch eine tröstliche, vereinende Simplifizierung steckt natürlich auch in der stereotypischen narrativen Struktur des Tatorts. Leiche, Nachdenken, Verdächtige, Zeugen, falsche Fährte, Sozialkritik, Persönliches, neue Fährte, Verfolgungsjagd, Schluss. Das Leben, der Mordfall kann so einfach sein. Grandios umgesetzt durch das mir bis dato völlig unbekannte Tele5-Format Walulis sieht fern, das hier auch noch andere schön stereotype Meta-Videos zeigt. Der Tatort in 123 Sekunden:

Textwahn

Wollte man den alltäglichen Sprachmüll einer hypomanischen Medienwelt wirklich einmal einfangen, entlarven und damit entschärfen, sollte man ihn transkribieren. Gregor Weichbrodt und Grischa Stanjek haben genau das in ihrer Projektarbeit mit dem schönen Titel “Das ist der Tag, von dem Ihr noch euern Enkelkindern erzählen werdet” getan: Die gesamte Pro7-Show “Germany´s next Topmodel 2011 – Das Finale” steht hier schwarz auf weiss niedergeschrieben. Und damit mehr als nur die Sprache der Akteure deutlich gemacht, sondern auch ihre Geisteshaltung, welche – kondensiert in fester Schrift – sich nicht mehr verflüchtigen oder rausgeschnitten werden kann. Gregor schreibt dazu:

Jeder Rotz, jeder menschen-verblödende Schund, jedes sexistische und von Maschen durchtränkte Blabla, das in diesem ohrenbetäubenden Massenspektakel gepredigt wurde, ist hier feinsäuberlich abgetippt und in Dramenvers gesetzt. Das Layout errinnert dabei bewusst an Reclam.

Via Gizmo.

Auch völlig irrsinnig und gerade deswegen ein lyrisch-performatives Erlebnis sind Texte von überdrehten Spaßmachern wie Mario Barth, wenn man sie in Ruhe rezitiert. Das macht die Kabarettistin Christine Prayon auf ruhige, und damit umso eindrücklichere Art: