Links vom 11.3.13

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Via KFMW

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Über unser Fernsehen (Max Scharnigg)

Mein Freund der Scharnigg Max schreibt nonchalant einige wichtige Wahrheiten zum Fernsehen und vor allem dem quakigen Diskurs drumherum auf.

“Denn die Debatte um die Qualität im deutschen Fernsehen ist uralt und es gibt in ihrer Geschichte keinen einzigen befriedigenden Diskussionsverlauf. Ein bisschen ist es so, wie sich immer noch über Fast-Food aufzuregen: Der Status Quo ist kaum zu beeinflussen, aber Empörung ist trotzdem stets abrufbar, weil jeder den Unterschied zwischen richtigem Essen und einem BigMac erkennen kann. Genauso kann jeder den Unterschied zwischen einem guten Film oder, um in der Gegenwart zu sprechen, einer guten Serie erkennen und dem, was kommt, wenn man durch den deutschen Fernsehabend reitet. Vom Vorabend und allen anderen Tageszeiten ganz zu schweigen.”

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Wie sie leuchtet (Miriam Meckel)

Miriam Meckel ist die “Medienwissenschaftlerin” mit der größten Diskrepanz zwischen öffentlicher Geltung und eigentlichem Erkenntnisgewinn. Seit längerem lese ich ihre Texte und frage mich: Warum schreibt sie nicht gleich, dass alte Medien super und neue schwierig sind, und zwar nicht aus Gründen, sondern weil es sich eben für sie so anfühlt? Wie beispielsweise damals bei ihrem unsäglichen Text über den vermeintlichen Wert der Handschrift. Jetzt hat sie es jedoch endlich getan: Sie erklärt der Zeitung ihre Liebe. Und die macht ja bekanntlich blind.

“Du gibst mir immer wieder das Gefühl, dass es noch etwas gibt, worauf ich mich verlassen kann, dass sich nicht alles von jetzt auf gleich ändert. Aber sollte dies einmal geschehen, wirst du da sein und mir sagen, dass jetzt die Zeit gekommen ist. Mehr noch, du wirst mir erklären, was geschieht, und warum das so ist. Und wenn es schlimm kommt, werde ich meinen Kopf auf dir ablegen, und du wirst leise summen. „Alors enfants de le papier …“, wirst du summen, und dann weiß ich, dass jetzt sie Zeit gekommen ist, in der alles anders wird. Dass es etwas zu verteidigen gibt in unserer gegenseitigen Zuneigung, das über physische Anziehung hinausgeht. Dass wir Schwestern im Geiste sind im Kampf für die Überraschung und den Zufall und deine unberechenbare Vielfältigkeit und einen Rest Menschlichkeit in der Welt.”

Links vom 4.3.13

Zwei Sexismus-Debatten-Links eingeleitet durch die grandiose History Of Rap von Jimmy Fallon und Justin Timberlake. Hat nichts miteinander zu tun, nein.

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Die Frauen haben ihre Waffen verloren (Robert Pfaller im Gespräch)

Auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin, was Pfaller sagt: Seine Perspektive, auch und vor allem über wünschenswerte Geschlechter-Zustände, nicht nur über Täter- und Opfer-Beziehungen nachzudenken, ist die richtige.

Grundsätzlich haben wir zwei Möglichkeiten: Entweder wir haben eine Kultur, wo Menschen sich freuen, Frauen oder Männer zu sein. Was erst mal überhaupt nichts darüber aussagt, ob Gleichheit besteht oder nicht. Oder aber wir leben in einer Gesellschaft, wo sich alle grundsätzlich schämen, für das, was sie sind. Das ist heute der Fall: Die Männer schämen sich dafür, Männer zu sein, sie sind immer Täter und Belästiger. Die Frauen ärgern sich aber auch, weil sie immer die Opfer sind. Etwas vergröbert könnte man sagen, wir haben es fertig gebracht, uns innerhalb weniger Jahrzehnte die Geschlechterverhältnisse völlig zu vermiesen.

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Das sind Sachen, die dauernd passieren (SPIEGEL 1983)

Interessant, wie genau 20 Jahre zuvor ein ungleich schlimmeres Verhalten eines Bundestagsabgeordneten verhandelt wurde:

Ein Bundestagsabgeordneter der Grünen griff seinen Mitarbeiterinnen an den Busen – und löste nicht nur Aufruhr in seiner Partei und Fraktion, sondern auch eine öffentliche Debatte aus. Ein Thema ist nicht länger tabu: der alltägliche “Sexismus” am Arbeitsplatz, gegen den sich die belästigten Frauen kaum wehren können.