This is water

Die legendäre, inzwischen auch auf deutsch verlegte Rede (Transkript hier) von David Foster Wallace namens “This is Water” wurde kurzverfilmt. In diesen zehn Minuten steckt sehr viel, was andere Denker anders formulieren, Gunter Dueck beispielsweise auf der re:publica als “Ethnokulturelle Empathie“.
Es geht darum, die eigene Perspektive (und andere) als eine von vielen möglichen zu hinterfragen. Es geht um die vernachlässigte, weil so selbstverständliche Freiheit, die Welt zu interpretieren, nicht nur hinzunehmen.

UPDATE: Copyright Infringement und so weiter, Video leider down.


Via Rinderbaron.

re:publica review

Endlich schaffe ich einen kurzen Rückblick auf die re:publica 13.

Als erstes das Video des Panels “Digitales Natives im Journalismus”, welches kurzfristig und auf Wunsch der Protagonisten umbenannt wurde in “Digital Natives der Herzen”. Denn erstens fühlten sich weder Stefan Plöchinger (Chefredakteur sueddeutsche.de), Katharina Borchert (Geschäftsführerin SPIEGEL Online) noch Jochen Wegner (Chefredakteur zeit.de) als richtige Digital Natives. Und zweitens sprachen wir zwar über viele interessante Dinge, aber eher weniger über ihre Rolle als Next Generation auf den Kommandobrücken der Online-Raumschiffe. Mir hat das großen Spaß gemacht, da sich die drei so gut kannten und wie der FC Barcelona vergangener Jahre Kurzpässe zuspielten, dass ich in Ruhe Candy Crush auf dem Handy spielen konnte. Aber seht selbst:

Ansonsten fand ich die re:publica… gut. Super organisiert, viele gute Leute (und der übliche Anteil Dummschwätzer), sehr buntes Programm, aber inhaltlich-inspirational (ist das ein Wort?) für mich nicht so stark wie letztes Jahr. Aber trotzdem sehr wertvoll, als Fieberthermometer eines gewissen Milieus.

Meine unsortierten Gedanken: Ich habe das Gefühl, der Netz-Diskurs stagniert intellektuell. Die Kämpfe und Enttäuschungen haben viele desillusioniert und ratlos zurückgelassen. Es fehlt, das geben die meisten offen zu, an Lösungen, neuen Wegen, Ideen. Die Bereitschaft zum Engagement ist vorhanden, aber keiner weiß so richtig wie und was, da die bisherigen Einsätze fast alle in Niederlagen mündeten. Es fehlt an Ideen und auch an Köpfen und Gesichtern. Seit Jahren stehen die gleichen Sprecher und Schreiber auf. Eine Frischzellenkur würde der “Szene” gut tun, aber nur wenige Neulinge drängen sich auf. Eine Atmosphäre des Runterkommens von der Droge Internet macht sich breit. Wie auf einer Party, bei der die Polizei um Punkt Zwei die Anlage beschlagnahmt hat und nun alle angetrunken, schon leicht müde, aber vor allem planlos herum diskutieren, wo man jetzt noch weiter feiern könnte.

Der Graben zwischen Digitalen und Wenigerdigitalen ist eher gewachsen. Niemand weiß so recht, wie man Katastrophen wie das Leistungsschutzrecht verhindern könnte. Niemand hat Bock auf Politik, denn die ist, das hat man gelernt, schmutzig. Die Piraten als politischer Arm einer Digitalen Elite sind aufgegeben. “Mehr machen!” lautet die Aufforderung prominenter Klassensprecher, aber auch sie wissen nicht genau, was.

Auf Stagnation folgt hoffentlich der nächste Fortschritt. Schau mer mal.

Ach ja: Ein Talk, der mir sehr gut gefallen hat, in seiner ganz angelsächsisch-pathosgeladenen Direktheit, mit seinen gelungenen rhetorischen Showeffekten, war der von Andrew Rasiej: