19. Juni 2013 90

Neuland

Von in Medien, Meinung

“Das Internet ist für uns alle Neuland.” – Angela Merkel, 2013.

Was für ein Aufreger, was für eine Frechheit. Unsere Bundeskanzlerin wagt es im Jahr 2013 (Schock!), “fast zwanzig Jahre nach Helmut Kohls Datenautobahn” (Malte Spitz), die digitale Avantgarde einfach zu übergehen. Hätte sie nicht zumindest sagen können: “Für uns alle ist es Neuland, bis auf die Jungs und Mädels bei Twitter und so, die haben´s schon längst verstanden”?
Und das vor der ganzen Welt und Obama!

[UPDATE: Als erstes muss man ihre Assoziationen von wegen Feinde der Demokratie usw. usf., wie sie sie im O-Ton anhängt, dumm und gefährlich finden. Ohne wenn und aber.]

Man kann Merkels vorauseilende General-Amnestie für eine miese Netzpolitik und die Abhörerei durch US-amerikanische Geheimdienste feige und opportunistisch finden. Man kann ihr vorwerfen, sich absichtlich dumm zu stellen, statt Obama im Ritz wegen Prism in seinen Kaffee zu spucken. Man kann diese Worte nach Jahren der gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzung um das Netz doof und einer Kanzlerin nicht würdig finden. Man kann aus netzpolitischer Perspektive ihre Abwahl fordern und forcieren. Man kann ihre Worte twittern und retweeten und sich ganz fassungslos kopfschüttelnd der gemeinsamen Ablehnung dieser Ewiggestrigen versichern.

Aber wirklich falsch sind sie, wenn man mal die Eitelkeit der dabei vergessenen Erklärer abzieht, nicht.

Facebook ist neun Jahre alt. Twitter nur sieben. Ersteres ist seit ca. vier Jahren im Mainstream angekommen und vielen Menschen immer noch v.a. durch Boulevard-Hetze und einen Hollywood-Film ein Begriff. Twitter ist mit 2,4 Mio. Nutzer (total, nicht aktiv) in Deutschland noch eine Nische (Quelle). Vine, Instagram, Google Plus, Spotify etc. – alle jünger. Zugegeben, Mails und Bildergalerien und Pornos sind schon lange da. Aber sie sind eben auch nichts anderes als die Verlängerung analoger (Kultur)techniken mit digitalen Mitteln. Das Neuland, das in seinen Chancen und Risiken erst kartographiert werden muss, kennen auch die Earliest Adopter erst seit gestern, ach was, eher seit heute früh um sieben.

Dienste, die vor Jahren noch das Internet ausmachten, sind heute tot. Andere, die lange als das nächste große Ding gehandelt wurden, werden weiter gehandelt. Und immer wieder explodieren neue Anwendungen völlig unvorhersehbar. Jeder halbwegs ernstzunehmende Internet-, Medien oder Zukunftsfachmann sagt fröhlich “Keine Ahnung”, wenn man ihn nach den nächsten fünf, gar zehn jahren befragt. Alles andere ist dreist übertrieben bis gelogen.

Eigentlich wissen wir nichts.

Im Jahr 2003, also vor 10 Jahren, nutzte erstmals die Mehrheit der Deutschen das Netz. Und zwar weitgehend für ein bisschen Mails, ein bisschen Wettervorhersage, ein bisschen Schweinkram auf aol.de/erotik (Quelle: Nonliner 2003 und eigene Empirie). Und es sah so aus:

1016644_503666533037389_2142749212_nSymbolfoto: Das Internet. (Danke an Jane.)

Noch heute sind ganze Bevölkerungsschichten vom Internet as we might know it weit, weit weg – wenn überhaupt “drin”.

Natürlich trifft das eher nicht auf die verrückten Medienjunkies zu, die mehr oder weniger professionell auf Twitter agieren und anderen das Netz zu erklären versuchen. Natürlich meint das nicht die Journalisten, die Werber, die Programmierer, die Headhunter und die Pornoproduzenten, die schon vor Jahren online gehen mussten. Dass diese Digitale Avantgarde, zu der ich mich in Abstrichen qua Nutzung dazuzählen muss, jetzt so verlässlich beleidigt auf Merkels strategisch geschickte Selbstverdummung reagiert, zeigt erneut das Problem, das wir in Deutschland mit dem Netz momentan haben: Die einen sperren sich dagegen und damit gegen eine Zukunft, die komplizierter statt bequemer wird. Die anderen haben Gefallen an ihrem okkulten Wissen um das Netz (und an den Katzen-Memes) gefunden und verteidigen es eifersüchtig gegen unwissende Eindringlinge. Streng nach dem Prinzip Baumhaus, in das die einen nicht hoch kommen, die anderen aber auch lieber oben verhungern als ihnen eine Hand reichen würden.

Wenn alle nur die Hälfte jener Energie, die sie für das inzestuöse gegenseitige Kompetenzbeweise innerhalb der autoaggressiv pubertierenden Netzgemeinde aufwenden, für echte Vermittlungsarbeit nach außen verwenden würden, dann. Wenn mehr erklärt statt gewusst würde, dann. Wenn die eigene Meinungshoheit der grundsätzlichen Möglichkeit weichen würde, dass ein anderer dieses tolle Ding nicht so geil findet wie man selber, beispielsweise weil sein Job davon bedroht ist, dann. Wenn grundsätzlich weniger im Netz gemeint und mehr über das Netz gesprochen wird, dann.

Wer weiß, vielleicht würden dann Politiker Kritik gegenüber Lobby-Input entwickeln, mehr Bürger auf die Straße gehen, wenn sie online abgehört werden, weniger Boulevard-Titel über Facebook-Vergewaltiger (bzw. Qualitäts-Titel über Datenkraken und Cyberwar) erscheinen. Dann könnte sich eine Kanzlerin nicht mehr mit einem Satz voll zur Schau gestellter Unwissenheit aus einem internationalen Abhörskandal winden.

Weil mehr Leute sich eine echte Haltung, einen Kompass bei der vermeintlichen Urbarmachung dieser terra digitalica zutrauen würden. Es wäre, nach den unfassbar frustrierenden letzten Jahren der Netzpolitik und -diskurse, die ihren Namen nicht verdienen, einen Versuch wert.

Das Neuland, das die eitle Avantgarde für sich nicht gelten lassen will, obwohl sie auch oft genug im Trüben fischt und schwimmt, wenn es etwas schneller geht – dieses Neuland für “uns” liegt da draußen. Eben nicht ein paar Klicks weg. Sondern bei genau der Mehrheit, für die das Internet noch vornehmlich für Kontrollverlust, Unsicherheit und Cyberspacehackeridentitätsbetrugsgefahren steht. Diese Mehrheit würde den Satz mit dem Neuland wohl unterschreiben. Das ist das Problem.

Achtung, Pathos: Das Internet sind die Menschen. Und die lernen noch. Wer wirklich wahnsinnig schlau und zukunftsfähig sein will, hilft ihnen dabei.

tl;dr: Angela Merkel hat leider fast Recht. 

90 Kommentare zu “Neuland”

  1. Rock Galore says:

    Ja, aber…
    Es ist richtig, dass das Netz für die meisten Menschen Neuland ist. Frau Merkels Satz drückt aber das Unvermögen der Politik aus, sich die, durchaus vorhandene, Kompetenz zunutze zu machen. Der Satz mag gesamtgesellschaftlich seine Richtigkeit haben, ist aber ein Armutszeugnis für den Standort Deutschland und somit eine rhetorische Katastrophe, die die IT-Branche eigentlich nicht verdient hat.

  2. fk says:

    @Rock Galore: Einverstanden. Aber selbst für Merkel gilt: Don´t shoot the messenger. Wie sie zu so einem Satz kommt, warum man ihr fast Recht geben muss (wenn auch widerwillig) und wie man das ändern könnte – das lohnt, finde ich, mehr Diskussion als ihr wieder einmal aufblitzender Opportunismus.

  3. jens says:

    So ein Rotz.

    Wenn sie schon verallgemeinert, dann soll sie sich drei mal überlegen, was sie mit einer Verallgemeinerung aussagen will.

    Mein 70jähriger Vater hat sich sogar über die Aussage aufgeregt.

    Die Frau soll Deutschland technologisch stärken und nicht den größten Bullshit rausblasen.

    DAVON ABGESEHEN und was noch viel schlimmer ist, ist der Kontext. Das ganze sagt sie im Zusammenhang mit Prism.

    Pardon, die Frau ist UNWÄHLBAR. Da KANN MAN NICHTS GEGENTEILIGES BEHAUPTEN. Da Werden Sachen in Rechtsstaaten betrieben und dann sagt man “ach, was in diesem Internet passiert, ist doch noch so neu für uns”

    Sorry, dein Artikel und deine Rechtfertigung geht gar nicht

    • fk says:

      Jens, Du hast völlig Recht, was den Kontext und die Implikationen angeht.

      Aber sie leider auch, also was die reine Feststellung des Status Quo betrifft, richtig?

      Und damit wird´s komplizierter als “geht gar nicht”, oder?

  4. Arno says:

    Nur weil sich das Internet in den letzten zehn Jahren weiterentwickelt hat, wird doch nicht der Satz “Das Internet ist Neuland” weniger absurd. Mit derselben Argumentationslinie kann ich auch behaupten “Das Auto ist Neuland”, weil Autos sich in den letzten Jahren weiterentwickelt haben und weil immer noch die Hälfte der Deutschen kein Auto besitzt.

    • fk says:

      Um bei dem Beispiel zu bleiben: Das Auto hat sich, im Gegensatz zum Internet, nicht innerhalb von wenigen Jahren mehrmals komplett evolutioniert und dabei so viele Bereiche des Lebens so disruptiv, grundlegend und irreversibel betroffen.

      Abgesehen vom Digital Gap, den man nicht ignorieren kann. Und den dieses wahnwitzige Tempo eher noch vertieft.

  5. Rock Galore says:

    @fk: Die Message ist eigentlich nicht “Das Internet ist Neuland”, sondern “Ich habe keine Ahnung und ich hole mir auch niemanden ins Boot, der sich auskennt”. Und damit ist sie nicht einfach nur Hiob, so einfach kann ich das leider nicht sehen.

    • fk says:

      Na ja, eigentlich ist die Message, wenn wir schon interpretieren: Alles nicht so schlimm, weil wir ja herumexperimentieren mit diesem Ding.

      Sie macht sich zu Hiob, das kann man kritisieren, da hast Du Recht.
      Aber es ändert nichts an der Realität vieler Menschen, für die das Netz eben noch Neuland ist. Auch solche, die denken, sie hätten es verstanden.

  6. Hannes says:

    Moment, mal. Wenn Jens Recht hast, kannst Du nicht Recht haben. Was bleibt denn von einer Aussage übrig, wenn man Kontext und Implikation abzieht?

    So ist nämlich Dein Text gebaut. Der leitet ein mit tausend Dingen, die man meinen könnte und eventuell damit Recht hätte, die allesamt einen (zumindest gefühlten) Konsens darstellen. und zwar nicht nur “der Netzgemeinde” sondern im öffentlichen Raum. Es geht nicht um die tatsächliche Anzahl der User auf Twitter, sondern darum wie oft ein Hashtag in der Tagesschau auftaucht, wie oft im Mainstream auf eine Twitterseite verwiesen wird. Dadurch bekommt Jens’ Vater offensichtlichb mehr mit, worum es geht, als Frau Merkel.

    • fk says:

      “Was bleibt denn von einer Aussage übrig, wenn man Kontext und Implikation abzieht?”

      Das versuche ich eben zu zeigen, und ich meine: In diesem Falle mehr, als die vermeintlichen Experten, die als erste aufgeschrieen haben, zugeben würden.

      Sie hat ja auch nicht gesagt: Das ist alles Quatsch. Oder: Da lassen wir besser die Finger davon. Sondern: Keine Ahnung.

      Einige Fragen:

      Was macht die digitale Instant-Verfügbarkeit von Wissen/Information mit den echten Digital Natives, den Kindern, die seit ein paar Jahren damit aufwachsen? Mit ihrer “Intelligenz”, ihren Hirnen?
      (Ich glaube, nur gutes, aber wissen? Ich nicht.)

      Wie kann man den Widerspruch zwischen Digitaler Kopie und Schutz von kreativer Leistung auflösen?

      Wem gehört das Internet?

      Das weiß alles kein Mensch, es wird heftig diskutiert. Ergo: Neuland.

      Dass eine Kanzlerin mehr dazu beizutragen haben muss, keine Frage.

      • Hannes says:

        Okay.

        Aber irgendwie schwingt für mich im Aufschrei auch eine Sorge über eine Kanzlerin mit, die zu einem Thema “Keine Ahnung” sagt, dass im Augenblick so zimelich jeden beschäftigt (auch Digital Neulinge). Die Ahnung der Kanzlerin ist im Kontext der Prism-Geschichte (und ich finde wichtig, dass sie das direkt in diesem Zusammenhang gesagt hat) von enomer Bedeutung und die Fassungslosigkeit über ihren Gehalt drückt sich halt im #Neuland aus an einem Tag, an dem der Finger sowieso locker auf dem # liegt.

        • fk says:

          Ja, richtig, als Antwort auf Prism ist die Aussage ein Skandal. Aber in ihr steckt halt, warum die Kanzlerin überhaupt so nebenbei antworten kann. Weil sie eine Mehrheit identifiziert hat, für die usw. usf.

        • Fantine says:

          Grade A stuff. I’m uniuostqenably in your debt.

  7. Sebastian says:

    @jens: Wer ist denn “wählbar” ??

  8. Stephan says:

    Im Kontext des Besuchs des Präsidenten der USA, einem Land das als der IT-Standort gilt, rückt das Deutschland sowas von in den Schatten. Das kann man gar nicht glauben.
    Ich möchte mir ja gar nicht vorstellen, wie die Amis gerade über die Deutschen lachen, weil der höchste Repräsentant dieses Landes (sorry, aber den Präsidenten zähle ich jetzt mal nicht dazu), solch eine Aussage über uns getroffen hat.

    Und das Internet ist nicht Facebook und Twitter, wie du selber schreibst. Das Internet ist für viele einfach Mail und Surfen. Und der Großteil der Generation über 50 kann damit für seine Verhältnisse und Ansprüche umgehen. Dass diese Generation von Facebook und Twitter keine Ahnung hat: geschenkt. Brauchen sie auch nicht. Die surfen lieber ihre Regionalzeitungen und Amazon ab.

    Frau Merkel und ihre Berater scheinen aber keinen blassen Schimmer zu haben, sonst hätten sie unsere Kanzlerin besser gebrieft.

    • fk says:

      Ich behaupte, auf Basis der Nutzerdaten, die man kennt: Den Satz mit dem Neuland würde eine Mehrheit der Deutschen unterschreiben.

      Damit hat sie, was Beratung und Wahlkampf angeht, alles richtig gemacht, oder?

      • Stephan says:

        Welche Nutzerdaten, die alle kennen sollen, meinst du? Nur weil ältere Leute nicht jede Hipster-Anwendung aus Berlin kennen oder das neueste iPhone besitzt, heißt das nicht, dass die flächendeckende Mehrheit der Bevölkerung das Internet nicht nutzt.

        • fk says:

          Klar nutzen sie es, das kann man ja messen, siehe (N)Onliner-Atlas, ARD/ZDF-Studien etc. pp.

          Aber sie würden es, wie Merkel, als Neuland bezeichnen (meine These, nicht bewiesen). Weil sie es erst seit kurzem, sehr vorsichtig und eingeschränkt nutzen.

          • Stephan says:

            Wenn man sich nur auf diese Zielgruppe (die eventuell deckungsgleich mit der Wählerschaft von CDU/CSU sein könnte) beschränkt: kann ich dir zustimmen.
            Aber Frau Merkel hält nicht nur für diese Zielgruppe in so einer Rede ihren Kopf hin. Sie redet unter anderem mit der Stimme unserer Wirtschaft, Bankwesen usw. Und mit der Stimme von uns Internetaffinen.

            Und wenn sie sich so dem Präsidenten präsentiert, mit dessem Land Deutschland eventuell wirtschaftlich auf diesem Sektor zusammenarbeiten möchte, stellt sie die Fähigkeiten Deutschlands ziemlich beschissen dar, wenn sie sagt, dass das mit dem Internet für uns Neuland wäre. Ist es nämlich nicht.

  9. [...] Mehr gibt es bei Twitter unter dem Hashtag #Neuland. Neben unsäglichen “Indianer”-Vergleichen gibt es aber auch weitere Kritik an dem Meme. Friedemann Karig schreibt warum die Kanlzerin fast recht hat. [...]

  10. Keppla says:

    Für mich zeigt dieser Blogbeitrag exakt, was das Problem mit dem “Neuland” ist, weil er letztlich aus den selben Denkmustern zu entstehen scheint.

    Das Internet wird mit Facebook, Instagramm, etc identifiziert. Ist aber falsch. Das ist in etwa so, wie das konzept “Einkaufsstraße” mit “Starbucks” zu identifizieren. Exakt dieses Verständnis hat uns Vorschläge wie Öffnungszeiten für den Jugenschutz verschafft. Das Internet als Teletext.

    Und die ach-so-große Masse, die ja nicht im Internet ist, auf die man ja soooooo viel Rücksicht nehmen müsse: quatsch. Das Wissen, was es braucht, um einen Computer anzuschalten, auf “internet” doppelzuklicken, und einen Suchbegriff bei Google einzugeben ist um Längen geringer als das, was man brauch, um ein Telefonat zu führen*, geschweige denn, seine Steuererklärung zu machen.

    “Offline sein” ist im Zeitalter von vorkonfiguriertem DSL, Flatrates und Netbooks kein grausames Schicksal, es ist eine Entscheidung.

    Und diese Entscheidung ist auch völlig OK: wer keine Lust hat, lässt es halt, wie beim Führerschein oder anderem.

    Nur: dann was von “Neuland” zu erzählen ist so lächerlich, wie Berlin zu Neuland zu ernennen, weil man noch nie da war.

    Und DAS ist das eigentliche Problem mit der “Neuland”-metapher: sie steht für den Beschluss, ein Thema per Entschluss auf ewig in die Zukunft zu vertagen, die Auseinandersetzung damit für komplett irrelevant zu erklären, und das nichtmal aussprechen zu wollen.

    “Ach, das internet ist sooo kompliziert, damit möchte ich mich nicht beschäftigen” vs “Ach, die Strassenverkehrsordnung ist sooo kompliziert, damit möchte ich mich nicht beschäftigen”.

    Und auch, wenn ich bei einem normalen Mitbürger vielleicht aus Höflichkeit schweigen würde: jemand, der schon mehrfach Gesetze angestrengt hat, dieses “Neuland” an die Konzerne zu verschenken, die Grenzen zum “Land” zu Sperren und Ausgehverbote im “Land” auszusrechen, hat jedes Privileg verloren, von “Neuland” zu sprechen.

    Die Arroganz ist nicht bei denen, die mittlerweile nur noch genervt von ewigen Schonzeitforderungen sind.

    Arrogant sind die, die nun nach mehr als 20 Jahren** immer noch einfordern, überrascht sein zu dürfen.

    Arrogant sind die, die sich zwar rausnehmen, Gesetze zum Thema machen zu wollen, aber nicht, das Thema verstehen zu müssen.

    * wers nicht glaubt: von fachkundigen erfahren, was diese tut-signale heissen. Ortspräfix aus dem Manual lesen, wählen. Teilnehmerid aus dem Manual lesen, wählen. wieder die Tutsignale interpretieren).

    ** Nur mal so: der Euro ist Jünger. Die EU ist Jünger. Tschechien ist Jünger.

    Absolut keine Zustimmung.

    Zum einen ist die A

    “Das Internet” ist nicht Facebook, oder Instagramm oder Twitter, ebensowenig wie man sagen würde, dass “Die Einkaufsstraße” neuland ist, weil Starbucks erst seit kurzem da ist.

  11. Sascha says:

    Ich gebe dir Recht, wenn wir der Kanzlerin zugestehen, dass sich Neuland nur auf Facebook, Twitter, etc bezieht.
    Tut es aber nicht! Sie hat es in Bezug auf Prism gesagt. Und da geht es doch am wenigsten um Facebook, Twitter & Co. Was da steht ist mehr oder weniger öffentlich. Interessanter wird es doch beim Mitlesen von Emails und anderer privater digitaler Unterhaltung. Und soweit ich weiss, gibt es Emails schon etwas länger.
    Ausserdem sollte eine Kanzlerin, die als erste Kanzlerin mehr oder weniger regelmäßig Videoblogs ins Netz stellt, mit so einer Aussage auch etwas vorsichtig sein.
    Für mich ist das ein typischer Merkelausspruch. Bevor ich mit irgendeiner Meinung irgendwo anecke, habe ich lieber gar keine Meinung und versuche das bestmöglich zu verkaufen.

  12. Alamande says:

    Hoffentlich drosselt dir die Telekom bald deinen Internetzugang …

  13. Friederike says:

    Am Ende des Tages werden sich alle wieder beruhigt, Neu- und Altländer sich gegenseitig akzeptiert haben. Aber dass Frau Merkel ihre pro-Prism-Politik (dazu als Ablenkungsmanöver mit einer Klein-Mädchen-Attitüde) durchzieht, das sollte weiterhin ein Aufreger bleiben!

  14. [...] Herangehensweisen unsere Art zu leben in Gefahr zu bringen.“ Spott und Kritik stoßen seitdem auf zartes Verständnis und ehrliche [...]

  15. Klaus says:

    Was tauscht Ihr Euch massiv aus, was schreibt Ihr sach-und und unsaliche Dinge.
    Einfache ist es doch so : WÄHLT DIE DAME EINFACH NICHT !!!!!!!!!!!!!!

  16. [...] festzustellen, dass das Netz heute wie auch vor zwanzig Jahren noch aus Neuland besteht (Friedemann Karig, vom geschätzten Lukas leider als “klug” geadelt), Johannes verweist in der [...]

  17. [...] Und auch noch zum Weiterlesen: “Neuland. Was für ein Aufreger, was für eine Frechheit.” [...]

  18. wortmax says:

    Es war ja keine von langer Hand vorbereitete Rede, die Merkel gehalten hat, sondern die spontane Antwort auf einer Pressekonferenz. Daher habe ich den Eindruck, dass hier und an anderen Orten des #Neulands etwas viel in diese eine Äußerung hineininterpretiert wird. @Rock Galore schrieb »rhetorische Katastrophe«. Das, finde ich, ist die schönste und treffendste Bezeichung, die ich heute zu Merkels #Neuland gelesen habe. Meiner Meinung nach handelt es sich um von der deutschen Politik unzureichend und falsch bearbeitetes Ackerland …

    • fk says:

      Jein. Also, es war mehr oder weniger spontan und rhetorisch mindestens sehr ungeschickt. Andererseits hat sie aus dem Stehgreif eine Formulierung gewählt, die (wie oben schon behauptet) wohl eine Mehrheit der Menschen in diesem Land unterschreiben würde.

      Sachlich natürlich fatal, aber in ein paar Wochen ist Wahl.

  19. Alex says:

    Sorry, aber die Masse der Gesellschaft ist längst im Internet angekommen, nur die “eitle Avantgarde” will dies nicht realisieren.

    Internetnutzer ist auch jemand, der nur Emails und Home-/Onlinebanking betreibt. Aber auch die Nutzer von ebay, Amazon, Zalando oder Otto.de gehören dazu. Ebenso wie die Hausfrauen, die auf chefkoch.de ihre Rezepte austauschen und über das Perfekte Dinner diskutieren. Selbst die Oma in Norddeutschland, die per Skype mit ihren Enkeln in Süddeutschland kommuniziert ist eine Internetnutzerin.

    Die Mehrheit der Gesellschaft ist inzwischen im Internet angekommen, das müssen sowohl Politik als auch die “Digital Natives” langsam realisieren.

  20. anonymous says:

    merkel redet nur davon, dass die technologie des internets neu sei und man über verhältnismäßigkeiten gesprochen hat.

    man muss sich aber nicht mit technologie x auskennen, um sich von deren überwachungsmöglickeiten distanzierenund diese als unverhältnismäßig einstufen zu können.

    ein klares ja oder nein zu überwachung(smöglichkeiten) wäre angebracht gewesen.

  21. [...] Herangehensweisen unsere Art zu leben in Gefahr zu bringen.“ Spott und Kritik stoßen seitdem auf zartes Verständnis und ehrliche [...]

  22. Ramon says:

    Administrative Ereignisse “Das Neuland”

    Beim Starten der landtags – “Sitzung” ist der folgende Fehler aufgetreten: 0xC000000D.

  23. Dieter Brodbeck says:

    Sicher kann man mit gutem Willen sagen, Frau Merkel habe für eine Mehrheit gesprochen der das Internet fremd ist. Wäre da nicht der doofe Kontext in dem sie es sagte und genau da wird es gruselig. Ich zähle mich zwar auch zu den Vernetzten der ersten Stunden und hab wahrscheinlich schon länger einen Internetzugang als die Meisten, würde mich aber nicht der Gruppe von Internetpredigern zuordnen… ich lese die Aussage als Bürger und mir wird schlecht wenn ich sehe mit welcher Inkompetenz das Thema Netz poltisch angepackt wird, mir wird schlecht wenn ich Projekte des Bundes, der Länder und Kommunen sehen wo Gelder verbrannt werden ohne Sinn und Verstand. Und mir wird schlecht wenn naxch Prism der BND einen 100 MIO Etat tituliert.
    Und mir wird schlecht, wenn in der Politik Naivität als Dogma herrscht…
    drum ja und nein zum Artikel und ein klares Nein zu den Trolls die das Thema falsch aufhängen

  24. Sophiki says:

    Erinnert mich an Sascha Lobos Rede auf der Re:publica – vielleicht solltet ihr zusammen einen netzpolitischen Vermittlungsausschuss gründen.

  25. llamaz says:

    1. Frau Merkel hat mit diesem Satz versucht, die Grundrechtseingriffe und Überwachungsmaßnahmen durch den Staat zu verharmlosen. Nach dem Motto – das ist ja Neuland, wir wissen so gar nicht genau was wir da eigentlich machen.

    2. Der Satz bringt genau die Ignoranz zum Ausdruck die die Regierung Merkel und viele Politiker gegenüber Internetexperten an den Tag legen. Sie tun einfach so als würden diese gar nicht existieren und folglich ignorieren sie deren fachlichen Rat. Hat man ja an der Anhörung zum Thema Leistungsschutzrecht gesehen, wo die Netzexperten einhellig abgeraten haben. Der Satz “das Internet ist für uns ALLE Neuland” klingt da für alle wie Hohn weil er wiedereinmal die Existenz von Fachleuten auf deren Rat man gelegentlich auch hören könnte, leugnet. Und wenn dann irgendwas netzpolitisch völlig in die Hose geht, tut man so als hätte es niemanden gegeben auf dessen Rat man hätte hören können. “Ja das lief schief, aber wir bewegen uns ja hier auf für ALLE unbekannten Territorium”. Nein tun wir nicht. Das ist glatt gelogen.

    • fk says:

      Du hast Recht, als Verharmlosung und Entschuldigung taugt der Satz nicht.

      Aber: Das Leistungsschutzrecht in seinem ganzen Irrsinn ist ein gutes Beispiel, warum aus der Perspektive von relativ unwissenden Politikern und einer sie stützenden Mehrheit das Internet Neuland ist und bleibt: Die “Experten”, also die für Publizistik und Öffentlichkeitsarbeit (im Sinne von Journalismus), also die Verlage, haben das LSR ja erst erfunden und heftig dafür lobbyiert. Dass die Medien selbst Gegenstand von disruptiver Veränderung sind ist in diesem Maße neu. Experten müssen dafür erst bestimmt werden. Wer ist in dieser Frage neutraler Berater, wer verteidigt nur seine Interessen?

      Ich bin Gegner des LSR und finde manches (Die Lügen, die schamlose Propaganda der Verlage für Eigeninteressen, die Hörigkeit der Politiker etc.) auf seinem Weg skandalös bis beschämend, aber es ist eben genau eine dieser ambivalenten Entwicklungen, die nur möglich sind, weil jeder versucht das neue Land möglichst geschickt für sich zu beanspruchen.

  26. Shitmagnet says:

    Es sind doch die Geräte, die sich vernetzen. PCs, Waschmaschinen, Wärmepumpen u.s.w. Ich hätte ein besseres Gefühl, wenn die Regierung sich auch darüber Gedanken machen würde, wie man es bewerkstelligen könnte, dass das alles sicher passiert und nicht von jedem abgehört werden kann.
    Ist Giftgas nicht auch irgendwie Neuland?

  27. off topic says:

    OMG, das Foto vom Internet ist der beste PrOn, den ich je
    gesehen habe. You make my day :)

  28. Rainersacht says:

    Es geht doch gar nicht um den Neuland-Spruch der Merkel, sondern um die entgrenzte Banalität der Reaktionen dieser so genannten “Netzgemeinde”. Da möchte man kein Teil von sein.

  29. stefanolix says:

    Angela Merkels Satz ist die Verkürzung von: »Das Internet ist für den Staat Neuland.«

    Setzen Sie diesen Satz insbesondere in Bezug zur IT-Sicherheit und zum Datenschutz, dann stimmt er leider nur zu gut.

    Das sieht man an fast allen staatlichen IT-Projekten von der Gesundheitskarte über den Personalausweis und ELENA bis hin zu den beiden nationalen »E-Mail-Standards« und zum Bundes-Trojaner. Es ist fast schon mutig und ehrlich zu nennen, dass Angela Merkel diese Worte so ausgesprochen hat (wenn sie denn so gemeint waren).

  30. Wilz says:

    Die 4 Hauptfehler des Artikels:

    a) Es gibt nicht “das” Internet. Das gibt es weder physikalisch – es ist schlieÃ�lich ein Verbund von Netz_en_ -, noch nutzungstechnisch. Für einige Leute ist “ins Internet gehen” Mails abrufen und Updates herunterladen. Für andere Leute ist es YouTube, Twitter, Facebook und Reddit.

    Daraus folgt, dass das Alter bestimmter Dienste, welche in ihrer Gesamtheit “das” Internet darstellen, kein Indikator für ‘Neuland oder nicht’ sein kann. Tatsächlich ist die Argumentation sogar höchst absurd, denn durch immer neue und immer mehr Dienste, wäre es sozusagen Dauerneuland. Als ob man heutzutage Fernsehen als Neuland bezeichnet, weil es vor 20 Jahren weniger Sender gab und andere Sendungen liefen.

    b) Auch die anteilige Nutzung durch die Bevölkerung ist kein besonders guter Indikator. Dann müsste man auch Algebra, 10-Kilometer-Läufe oder Mopeds als Neuland bezeichnen. Damit hat die Mehrheit der Bevölkerung nämlich noch weniger zu tun, als mit diesem Internet, von dem man seit 2-3 Monaten soooo viel hört.

    c) Das Problem mit “dem” Internet und Otto Normal ist, dass es als interaktives Medium mit wechselnden Diensten und wechselndem Interface ein gewisses Abstraktionsvermögen erfordert. Das ist der Grund dafür, warum vieleâ�¢ Menschen – da hat der Autor wohl recht – Neuland vermuten, wo eigentlich nur der Rasen gemäht und ein paar Büsche gepflanzt wurden. Nur wird das ja nicht richtiger, weil viele es vermuten.

    d) “Inzestuöse gegenseitige Kompetenzbeweise” und “echte Vermittlungsarbeit nach auÃ�en” schlieÃ�en sich natürlich nicht aus. Das grundlose Herbeiführen einer derartigen Entweder-oder-Situation ist immer ein Beleg dafür, dass die eigene Argumentation nichts taugt. In diesem Fall ist es der hilflose Versuch, die selbst verschuldete Unfähigkeit von Otto Normal einer anderen Gruppe – die es in dieser Homogenität nicht gibt – in die Schuhe zu schieben.

    PS: Auch gegen Echelon ist praktisch niemand auf die StraÃ�e gegangen. Woran lag es damals? Am Neuland Telefon? An der unfähigen Wählscheiben-Avantgarde? Man muss sich imho mit dem Gedanken abfinden, dass die Mehrheit kein wirkliches Problem mit Ã�berwachung hat, so lange sie von der “richtigen” Seite kommt und gegen Kinderpornoterrorkommunisten hilft.

    • fk says:

      Zu a) und b): Wenn quantitatives nicht zählt, dann aber auch in beide Seiten nicht, oder?
      Aber: Das Netz hat sich in seinen Angeboten und Dimensionen bisher ca. alle 5 Jahre stark gewandelt. Bisher hat diese Entwicklung die meisten Menschen überrascht. Dass sich das ändert, dafür gibt es keine Anzeichen. Darin unterscheidet es sich von allen “Medien” oder anderen Innovationen o.ä. – die Beispiele ziehen für mich also nicht.

      Das kommt ja dann unter c) auch: Es wird zwar nicht richtiger, aber “Neuland” ist eine Frage der Perspektive, und wenn sich etwas für mich als Neuland anfühlt, obwohl aus Expertensicht nur Kosmetik stattfand, ist es trotzdem Neuland. Dieses Abstraktionsvermögen geht, offensichtlicherweise, vielen Menschen (noch) ab. Das Netz als virtueller Layer auf die “echte” Welt drauf (und damit ihre Abbildung), das beten manche Digitalen seit Jahrzehnten vor. Scheint nicht anzukommen. Muss man akzeptieren.

      d): Sehr interessant. Die Ausschließlichkeit, das stimmt, muss nicht sein. (Was das “immer” über die dahinter liegende Argumentation aussagt, ist eine reine Behauptung, und dann stimmen die Rollen nicht, da ich mich ja zu der heterogenen Gruppe, der ich angeblich meine Unfähigkeit in die Schuhe schieben will, dazu zähle. Aber egal.) Aber ist es nicht so, dass zu vielen Themen viele echte oder selbsternannte Netz-Weisen zum Großteil untereinander kommunizieren? Weil “die da draußen” eh doof und böse sind? Weil es viel bequemer ist, sich gegenseitig als Exzellenz-Märtyrer zu bestätigen, als sich mit den unverständigen Nachzüglern herumzuärgern? Eine Kommunikationsakt (Tweet, Tumblr, Blogeintrag), der sich an die eigene Blase wendet, taugt weitaus weniger zur Vermittlung der in der Blase bevorzugten Meinung, als der Versuch diese anderen mal zu erreichen, oder?

  31. Christian Himberger says:

    Natürlich ist das Internet Neuland im Vergleich zu Druckmaschinen, Telefon, Kino, Schallplatte, Radio und Fernsehen, selbst zum Computer.

  32. Heino Apel says:

    aus Sicht eines Oldies gebe ich fk völlig recht. Egal was die Kanzlerin gedacht hat, die Menschen in unserer Republik, die Macht und Einfluss haben und oberhalb 50+ agieren, haben keine Verwurzelung in einer Netzkultur und leiden unter der Hase-Igel Problematik. Wenn Sie sich mal beschäftigen, dann ist immer schon etwas Neues davor, ist schon da, bevor das Verganene begriffen war.Und selbst die netzaffinen, routiniert Arbeitenden, sie stehen mitten drin, sie haben keine Distanz und müssen auch immer mal wieder staunen, was sich alles tut. Wer Im Neuland angekommen ist, muss seine Topografie noch lange nicht kennen.

  33. [...] Dieser Satz ist leider meiner oberflächlichen Netzkenntnis geschuldet (offensichtlich doch, das Internet ist Neuland für uns!) und völlig falsch. Die folgende Liste gibt nur die Tops wieder, da kann man vielleicht sagen, das [...]

  34. Jeeves says:

    Wenn ich lese: “das inzestuöse gegenseitige Kompetenzbeweise innerhalb der autoaggressiv pubertierenden Netzgemeinde”, sag ich nur: bitte an die eigene Nase fassen.
    Wer so mit Fremdwortfloskeln um sich wirft, will ja genau das zeigen: ich weiß Bescheid, ich weiß mehr als die anderen, die Doofen. Wenn DAS in Ordnung ist, dann natürlich auch bei den anderen.

  35. Struppi says:

    Wenn man sich diese Strassenumfrage ansieht http://www.sistrix.de/news/was-ist-ein-browser/ dann merkt man, die Kanzlerin hat recht. Kaum einer was, was das Internet ist, welche Werkzeuge er dort benutzz, wozu sie dienen, was die Unterschiede sind, geschweige denn, welche rechtlichen Konsequenzen das alles hat. Und genau deshalb stimmt diese Aussage, das Internet ist für die meisten Menschen Neuland!

    • fk says:

      Danke für das Video, sehr erhellend!

    • Addliss says:

      Ich möchte widersprechen. Dass die meisten nicht wissen, was ein Browser ist, mag mit ihrem fehlenden Computerwissen, aber nicht mit #Neuland zu tun haben. Gegenbeispiel, anknüpfend an die Argumentationsstruktur eines vorigen Kommentators: Viele Menschen haben keine Ahnung von dem meisten. Das hat aber nichts damit zu, dass ständig für uns alles Neuland ist, sondern einfach mit der Komplexität der Welt und mit der fehlenden Zeit/Fähigkeiten, alles zu verstehen. Und natürlich mit dem Desinteresse für Dinge, solange sie effektiv das liefern, was vom Benutzer erwartet wird, sei es eine Musikanlage, ein Stuhl oder ein Browser.

      • fk says:

        Um kurz bei dem Browser-Beispiel zu bleiben: Nicht zu wissen, was ein Browser ist, den man tagtäglich bedient, liegt auf dem Niveau ein Auto nicht von einer Straßenbahn (beides bewegt mich, egal was genau wie), eine Zeitung nicht von einer Nachrichtensendung, einen Hammer nicht von einem Schraubenzieher unterscheiden zu können.
        Niemand kann erwarten, dass alle Menschen ihre Autos und Computer selber reparieren können. Aber die Instrumente korrekt benennen, und damit wenigstens eine grobe Landkarte des Raumes zu zeichnen, in dem man sich bewegt! Wenn das ausbleibt: Neuland.

        Insofern ist die Unkenntnis im Digitalen doch höher bzw. auf einer anderen Ebene angesiedelt, wenn man so argumentieren wollte, wäre es valide.

        Aber von mir aus mal weggedacht von der Verifizierung der Neuland-These durch Quantifizierung der Unkenntnis: “Neuland” bedeutet ja im Kontext einer techno-soziologischen Entwicklung vor allem, dass nicht das Ding an sich neu oder unbekannt ist, sondern seine Verwendung, seine Auswirkungen, seine Kausalitäten.

        Wie oben schon in einem Kommentar beschrieben, gibt es 1001 Fragen rund um das Netz, die wir uns momentan stellen, oft sehr kontrovers:

        Was macht die digitale Instant-Verfügbarkeit von Wissen/Information mit den echten Digital Natives, den Kindern, die seit ein paar Jahren damit aufwachsen? Mit ihrer “Intelligenz”, ihren Hirnen?
        (Ich glaube, nur gutes, aber wissen? Ich nicht.)

        Wie kann man den Widerspruch zwischen Digitaler Kopie und Schutz von kreativer Leistung auflösen?

        Wem gehört das Internet?

        Wo fängt der Überwachungsstaat im Digitalen an?

        Wie viel Transparenz wollen wir?

        Wie können Verlage überleben?

        Wie funktioniert ein deregulierter Hochzeitsmarkt via Online-Dating und Matching?

        Was kann Chuck Norris wirklich?

  36. Pilz says:

    Falsch, falsch, falsch. Die Aussage “ist für uns Neuland” stimmt einfach NICHT.

  37. frankenwagen says:

    Ich halte das ehrlich gesagt für falsch was du da schreibst.

    Twitter, Facebook und Co sind nicht das Internet. Das alter dieser Dienste ist völlig irrelevant … auch ob man sie nutzt oder verachtet ist irrelevant.

    Der Punkt ist, dass Frau Merkel eine Technologie die seit über 20 Jahren genutzt wird und für den größten Teil der berufstätigen Bevölkerung inziwschen einfach nur ein Stück Alltag ist, als Neuland bezeichnet. Als etwas was irgendwie total schwierig und kompliziert und Angsteinflößend ist. Das ist für einen großen Teil der Deutschen aber Quatsch … nicht nur für die, die meinen sie müssten den ganzen Tag bei Twitter und Facebook abhängen.

    Die Kommunikationsmittel die überwacht werden und um die es geht (und die so schlimm sein sollen weil die Feinde der Demokratie sie nutzen) … die Dinge die anscheint so schwer in den politischen Betrieb und Gedanken zu integrieren sind, sind nicht Twitter oder Facebook oder sonst etwas. Es ist einfach die Möglichkeit der Menschen direkt, einfach und vernetzt zu kommunizieren. Das sind die Grundgedanken des Internets und nicht etwas was erst vor ein paar Jahren oder Monaten auf uns zugekommen ist.

  38. Horst says:

    Die gute Frau sollte anfangen sich endlich ernsthaft mit diesen Themen auseinander zu setzen, dann würde sie spontan sicherlich zu einer besseren Wortwahl greifen. Aber gut es geht ja nur um so lapidare Dinge wie Persönlichkeitsrechte…

  39. [...] für uns Neuland” rechtfertigt ein weiteres Massensterben von Bürgerrechten im Netz“. Die digitale Avantgarde fühlt sich übergangen, man stellt das Vorhandensein von Grips infrage, stellt Merkel als Maschinenstürmerin dar und [...]

  40. Desa says:

    Ich stimme dem Artikel zu, wenn auch aus anderen Gründen.

    Zum einen wegen der Eigenschaft des Menschen, sich selbst für Allwissend zu halten und die eigene Lebenszeit als einzig relevant zu erachten.
    Wir befinden und im Jahr 20 des Internets.
    … oder im Jahr 1500 des Buchdrucks
    … oder im Jahr 10.000 v.Chr. des Feuers
    … oder im Jahr 1900 des Automobils.

    Waren damals Romane denkbar?
    Haben damals schon die Menschen von den Möglichkeiten des Feuerschweissens gewusst?
    War ein Auto um 1900 vergleichbar mit einem heutigen?

    Wer weiss schon, was in 100 Jahren passiert. Diese Zeit ist noch die Anfangszeit des Netzes und der Streit um bezahlten Inhalt und die nicht vorhanden Lösungswege beweisen dies.

    Gott weiss alles, Lehrer wissen alles besser, Netznutzer wussten es schon vorher.

  41. [...] stattfindenden Kulturwandel hinweist. Friedemann gibt in einem vieldiskutierten Beitrag offen zu: “Eigentlich wissen wir nichts.” Auch er konstatiert eine Umbruchsphase. Johannes Kuhn hat in der Süddeutschen Zeitung zu Recht [...]

  42. Jordan says:

    frag mich auch was das gegeiere ueber #Neuland gestern sollte.. merkel hat genau das gesagt, was man ihr, friedrich und anderen torfnasen aus innen und justizministerien seit mehreren jahren immer wieder vorgeworfen hat: sie haben vom netz keine ahnung. mit “uns” meinte sie die regierung (was die aller, aller meisten buerger Deutschlands nun zum Glueck nich einschliesst).

  43. [...] Neuland – friedemannkarig.de [...]

  44. Löbelin says:

    Nö. Das Netz ist kein “Neuland”. Ich bin nun nicht der große Hacker und Coder, aber ich nutze Email und sukkzessive den Rest des Netzes seit immerhin 20 Jahren. Nein, ich war nicht schon in den ersten Usenet-Zeiten dabei und hab mich auch nicht in den 80ern per Akustikkoppler eingelogged. Aber ich nutze das Netz. Schon lange. Für alles mögliche. Nein, das Internet ist kein “Neuland”, außer für Neugeborene. Für die Junger ist es selbstverständlich. Für deren Eltern ist es Normalität. Für deren Eltern mag es noch irgendwie magisch sein, aber das sind eben die Rentner, die auch normale Computer noch für sonderbar halten. Für solche aussterbenden Randgruppen braucht man aber nicht sprechen, wenn man über die Zukunft der Welt schwadroniert. Techniken, die seit 20 Jahren im Mainstream schwimmen, sind kein “Neuland”. Diese Aussage ist mehr als peinlich.

  45. MST says:

    Ich tendiere auch zu der Meinung, dass “das Internet” kein Neuland ist. Das mag allerdings auch mit daran liegen, dass ich das ganze nicht isoliert als “dieses Ding namens Internet” sehe, sondern eher als virtuellen Layer, der eben genauso funktioniert wie “die richtige Welt” auch. “Das Internet” ist eben das, was wir alle daraus machen. Ich frage mich, wie plötzlich alle gucken würden, wenn beschlossen würde, das Briefgeheimnis so ein bisschen aufzuheben. Oder wenn uns überall o wir gehen, jemand über die Schulter schauen würde, um zu sehen, was wir wann wo wie tun nagut letzteres haben wir ja quasi schon). Für mich geht es da also gar nicht um das Netz sondern darum, ob ich es jetzt beruhigend oder eher nervig, beunruhigend oder sogar gefährlich finde, wenn ich bei jedem Schritt beobachtet werde und das was ich so schreibe jederzeit von irgend jemandem mitgelesen werden kann.

    Das ist doch wohl eher eine Frage der Sichtweise als der Plattform, also finde ich die Diskussion über das Alter einer Technik da reichlich überflüssig.

    Jetzt aber mal angenommen, ich würde “das Internet” doch isoliert betrachten und könnte mich darauf einlassen, dass es zu neuartig ist, um dazu fundierte Entscheidungen zu treffen oder einschätzen zu können, wo die Reise technisch hingeht (was ich, wie gesagt eigentlich nicht relevant finde), tja, dann bleibt also übrig, dass da trotzdem sehr weitreichende Entscheidungen getroffen werden auf dem Fundament der völligen Ahnungslosigkeit.

    Finde ich auch reichlich schlimm. Mir gefällt es besser, wenn Menschen, die über etwas entscheiden müssen, sich vorher gründlich informieren, über was sie da eigentlich entscheiden.

    • fk says:

      Du hast Recht, sie sollten sich informieren.

      Der Gedanke vom “virtuellen Layer”, weisst Du wie abstrakt und schwierig zu verstehen für Leute ist, deren Welt auch ohne Netz prima funktioniert hat? Für die das Internet qua Nutzung eine Mischung aus Videothek, Zeitung und Telefon ist?

      Ich stimme Dir völlig zu. Aber vielen, wahrscheinlich den meisten Menschen käme unsere Perspektive sehr komisch vor. Das wollte ich in meinem Text ausdrücken.

  46. Moon says:

    “Don´t shoot the messenger.”

    Von wegen Messenger, Merkel ist mit Partei und Politik eine aktive Bremserin was das Internet angeht und kein innocent bystander.

  47. Hans Wurst says:

    Ja aha, das ist ja fast so hinterweltlerisch wie die Kanzlerin,

    Kohls Datenautobahn funktioniert nicht. Man steckt dauerhaft im Stau, wenn man überhaupt über einen solchen Anschluß verfügt. Meist hat man eine Kreisstrasse oder Feldweg. Insofern hat die Kanzlerin Recht, wenn sie von Neuland spricht. Für die ländlichen Regionen, Brandenburgs, MeckPomms, Schleswigs oder Niedersachsens ist das alles Neuland, weil sie von dieser Entwicklung einfach abgehängt werden. Vielleicht hätte man schon vor 20 Jahren nicht die Telekom privatiersieren sollen, dann hätte man den Ausbau der Netze und die Netzsicherheit selbst in der Hand gehabt und müsste sich jetzt nicht mit Profitunternehmen rumschlagen. Wie übrigens bei allen Medien eine Privatisierung nicht zur dauerhaften und gleichmäßigen Verfügbarkeit taugt. Grundlegende Dinge darf der Staat nicht aus der Hand geben. Wasser, Strom, Gas, Kommunikation. WEnn das Unternehmen machen, bleiben die Kunden auf der Strecke. Beste Beispiele, Wasserwerke in Berlin. Zu hohe Wasserkosten, da Profite beim Verkauf garantiert wurden. Telekom, sie bauen die Netzte nur noch mit LTE aus und nicht mehr die Kupferleitungen oder gar Glasfaserleitungen zum und vom Knotenpunkt. Preise im oberen Bereich, Flatrates nur noch gegen noch mehr Endgeld. Wenn der Staat so weiter macht, ist in zehn Jahren nix mehr übrig vom Technologievorsprung in Europa.
    Dann sind wir so weit weg, dass alle anderen für uns im Neuland stehen und wir der Entwicklung nachschauen und mit offenen Mund über die Möglichkeiten staunen. Jedenfalls wären wir dann für das Ausspionieren unserer mickrigen Daten völlig uninteressant.

    Weiter so, nur nicht die Probleme lösen, immer schön abwarten und auf die Lösung durch andere warten, anstatt voranzugehen und Maßstäbe zu setzen.

    Typisch Deutschland, steht sich immer selbst im Weg.

  48. hiro says:

    Alles, was nicht im Internet ist, stirbt und schiebt dabei die Schuld auf das Internet: Musikindustrie, Filme, Zeitungen, … Das ist kein “Neuland”, sondern längst Alltag.

    Eine Politik, die das nicht akzeptiert, sondern Sondergesetze für vermeintliches “Neuland” beschließt, tut ihren Bürgern keinen Gefallen.

    • fk says:

      Für die Leute in der Musikindustrie, den Zeitungen und Filmproduktionen ist genau diese Disruption Neuland. Für die Leute, die es natürlich seit Jahrzehnten schon propagieren, fühlt es sich nach Vergangenheit an.
      Es gibt eine Politik für die einen und für die anderen. Die einen sind nunmal in der Mehrheit, deswegen die Politik.

  49. bibo says:

    Angela Merkel hat Recht – aber leider ist sie daran völlig selbst schuld. Das Neuland müsste seit 15 Jahren kein Neuland mehr sein. Heute ist es allerdings mehr Neuland denn je. Ich denke dabei an Jugendliche, die sich mit ihren Handys und Tablets mit 3 Feldern (!) irgendwo anmelden, ohne auch nur einmal etwas von AGB irgendwo gesehen zu haben – und für die das völlig normal ist! Oder 50jährigen, die Emails von Banken bekommen und dann brav ihre Daten angeben, damit auch ja nichts passiert.

    Und wieso? Weil “man” jahrelang weggeschaut hat. Nur eine Generation (die sogenannten “digital natives”) wissen, wie man sich im Internet bewegt. Die kennen den Unterschied zwischen Internet und WWW. Und für die sind die “alten” Services noch lange nicht tot. Aber wie wird das Wissen um das Internet weitergegeben? Durch Schulen? Fortbildungen? Durch die Eltern?

    Wie erkenne ich Hoaxes? Wie erkenne ich Phishing-Mails? Wie erkenne ich seriöse Online-Angebote? Wer zeigt den anderen Generationen, was im Internet auf sie zukommt?

    Österreich, der Spätzünder unter den digitalen, hat vor einigen Jahren mit mindestens 3(!) verschiedenen Programmen begonnen, um Coaches zu trainieren, die dann an Schulen den Kindern den richtigen Umgang mit “dem Internet” beibringen sollen. Abgesehen von der völlig idiotischen Planung (die drei wissen voneinander, es kommt aber zu keinem knowledge exchange, 2 der Programme sind vom SPÖ-geführten bmukk und das andere vom ÖVP-geführten BMI) fangen sie jetzt an, die Mittel z kürzen. Folge: Weniger Schulen buchen, und schon hört sich die an sich gute Idee wieder auf.

    Soweit ich weiß, ist die Situation bei euch sehr ähnlich. Wer bringt den Leuten bei, was in Neuland so abgeht? Die Regierung hats offensichtlich jahrelang verabsäumt und bekommt jetzt von den natives den verdienten Spott. Die natives nämlich, versuchen schon seit Anbeginn der Zeit, den immigrants beizubringen, wie man sich im Internet zu verhalten hat. Zunächst hat man die natives ausgelacht, dann hat man sie mit verstörten Blicken wahrgenommen. Und jetzt sollen sie eine Minderheit sein, die die Kanzlerin zu Unrecht verspottet? Das hat sie sich alles selbst zuzuschreiben. Ihr und ihrem Vorgänger. Aber hauptsächlich dem inkompetenten Regierungsteam, das dem österreichischen in dieser Disziplin um nichts nachsteht.

    • fk says:

      “Angela Merkel hat Recht – aber leider ist sie daran völlig selbst schuld.”

      Danke dafür und für eine weitere Perspektive, die unter den Tisch fällt: Wer bildet eigentlich aus und wie? Und kann eine Generation, die größtenteils völlig unpolitisch und nativ-naiv mit dem Netz umgeht (Vorurteil von mir bez. AGB-Beispiel), als Vorzeigedigitalier gelten, die alles wissen und können?

      • bibo says:

        Ich würde es einmal so sehen: Firmen bezahlen seit langem (ehemalige) Hacker, um die Sicherheit im eigenen Netzwerk zu testen.

        Ebenso könnten die Natives (und tun es eigentlich schon sehr lange) Perspektiven eröffnen, die den “Ausländern” in der Regel zunächst verschlossen bleiben. Diskussionen rund um rechtspolitische Themen haben zumindest in Österreich die letzten Jahre oft genug gezeigt, dass man Leute, die sich “dort auskennen” mehr oder weniger bewusst ignoriert/überhört.

        Man muss den Natives doch nicht hörig sein. Aber hin und wieder zuhören täte nicht weh.

  50. bibo says:

    Heiliger Isidor, bitte für uns.

  51. [...] Obama eigentlich genau nochmal hier war. Ah genau: Nachhilfe in Sachen Internet-Memes für Merkel. Neuland ist eben überall. Hauptsache wir aufgeregten Juppies reden darüber. Und nicht über [...]

  52. [...] Merkel hat gesagt, das Internet ist für uns alle Neuland. Seit dem gibt es eine Debatte, ob man darüber Witze reißen darf, oder nicht. Sie hat ja nicht Unrecht, sagen die Witzkritiker, immerhin hat der überwiegende Teil der [...]

  53. Bravo. Guter Text! Konstruktiver Ansatz…

    Gruß,

    SH

  54. [...] kann man zwar sagen, dass die Kanzlerin irgendwo fast Recht hat: Ja, das Internet ist für viele Neuland, viel ist immernoch nicht beantwortet und auch die [...]

  55. rick says:

    Top Artikel.

    Kommentatoren in der Filterbubble…
    Ich habe in Berlin Spandau ein paar Monate als Vertriebler für VF gearbeitet. Ihr glaubt gar nicht, wie viele, auch junge Menschen, kein Inet zu Hause haben, wie viele kein Smartphone. Schon in meinem gebildeten Umfeld können Leute mit Sachen wie der Denic nichts anfangen…. Das Internet ist für die Masse Neuland. Der Beweis: andauernd werden Google, twitter oder fb für das Inet gehalten. Anderer Beweis: trotz PRISM gibt es keine GroÃ�demos, weil die Masse gar nicht richtig peilt, was da passiert, und was es bedeutet.

  56. [...] dem “Establishment” und den “Digital-Natives” eröffnet. Sofort werden kritische Stimmen laut, die Internet-Kiddis wären arrogant oder spießig, oder beides, natürlich wäre das Internet [...]

  57. [...] Ich verstehe darunter eine in Ehren ergraute Generation, die keine Angst vor dem Neuland Internet hat. Eine Generation, die nicht nur silversurfend als Besucher im Netz unterwegs ist, [...]

Schreib was!