Asyl

Während Edward Snowden in einem Zimmer in Moskau auf Hilfe hofft, geschieht folgendes:

Die Friedensnobelpreisträgerin von 2012 (= die EU, “für über sechs Jahrzehnte, die zur Entwicklung von Frieden und Versöhnung, Demokratie und Menschenrechten in Europa beitrugen”) hilft diesem Snowden, der ihr und der Welt einiges erzählt hat über die feindlichen Machenschaften des Friedensnobelpreisträger von 2009 (= Barrack Obama, “für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken”), auf der Flucht vor eben diesem Friedensnobelpreisträger (kurz FNPT) leider nicht.

Warum aber flieht Snowden? Weil sein Vorgänger namens Bradley Manning zuletzt vom FNPT 2009  behandelt wurde wie in einem finstren Zeitalter lange vor Friedensnobelpreisen: Nackte Einzelhaft, keine Besuche, kein Ausgang. Anyway, der FNPT 2009 zwingt auf der Jagd nach Snowden einige Mit-FNPT 2012, ein Flugzeug des bolivianischen Staatschefs ausgerechnet in Wien festzusetzen und durchsuchen zu lassen; dort, wo einst das gleichnamige Wiener Übereinkommen, das solche diplomatischen Frechheiten verbietet, beschlossen wurde.

Eine der FNPTinnen 2012, die dem Kämpfer gegen die Überwachung kein Asyl gewähren möchte, ist eine ostdeutsche Physikerin, welche vor 1989 das Snowden verwehrte politische Asyl in der BRD höchstwahrscheinlich bekommen hätte. Hätte sie sich nur gegen den Überwachungsstaat, in dem sie damals lebte, aufgelehnt, wäre geflohen und hätte ihr Leben zurück gelassen – so wie Snowden.

Einer, der damals gegen diesen deutschen Überwachungsstaat protestierte und später als Leiter der Stasi-Behörde dessen mannigfaltigen Ungerechtigkeiten verriet, ist jetzt Bundespräsident(-Parodist) desselben Mit-FNPT 2012. Er findet jedoch, dass ein Geheimdienst so etwas ist wie die freiwillige Feuerwehr, wo man sich per Unterschrift verpflichtet und dann auch zu seinem Wort stehen muss, oder er hat das reine Größenverhältnis von Festplatten zu Akten falsch verstanden, jedenfalls: Auch er spricht sich nicht für ein Asyl seines Kollegen Bürgerrechtlers Snowden aus. Aber vielleicht könnte Snowden als Beweismittel taugen und Asyl bekommen, weil man ihn noch brauchen kann?

Bisher Asyl oder Hilfe leisteten die u.a. für ihre Presseverfolgung geächteten Schurkenstaaten China und Russland, aber nur um dem FNPT 2009 eins auszuwischen. Alle anderen Nationen sagen gerade ab. Der momentan einzig verbliebende Kandidat auf Snowdens Asyl-Liste ist damit der berühmte Gutmensch unter den kleinen Staaten: Venezuela – 2011 zuletzt im Press Freedom Index auf Platz 117.

10 Gedanken zu “Asyl

  1. Das ist echt ne Story, ey, die Welt steht Kopf.
    Ich würde ihn ja aufnehmen. Dazu brächte es einen Staat, ne? Ok, los geht’s… öhm.

  2. Pingback: Bastian Koch – alive and blogging. » Wohin mit Snowden?

  3. ausgezeichnet! so zusammengefasst und gegenübergestellt, bekommt dieser vorgang nochmal richtig schub.
    und durch die kleine stippvisite von morales in wien, um dort mit dem spanischen botschafter einen der berühmten kaffees geniessen zu können, die man in südamerika nicht so ganz zu würdigen wusste, wird die liste mit asylländern bestimmt wieder etwas länger werden.

  4. Schöner Beitrag, mit einem Schönheitsfehler: Es muss wohl

    “Einer, der damals gegen diesen deutschen Überwachungsstaat protestierte und später als Leiter der Stasi-Behörde dessen mannigfaltigen Ungerechtigkeiten verriet, ist jetzt Bundespräsident(-Parodist) desselben Mit-FNPT 2012.”

    nicht 2009, wie noch oben, heißen. FNPT 2009 = Obama, FNPT 2012 = EU, Mit-FNPT 2012 = Deutschland <– Bundespräsidenten(-Parodist): Gauck.

    Weitermachen.

  5. So zusammengefasst ist es schön verständlich, aber leider auch etwas naiv. Denn die Friedensnobelpreise für Obama und Europa waren schon eine Farce, als sie verliehen wurden. Das wird jetzt nur überdeutlich. Denn am Ende ist jedes Land, Staatenbund und jeder Landesführer vor allem daran interessiert, seine bzwi die Macht und den Einfluss seines Landes zu bewahren bzw auszuweiten.

    Snowden hat die Regeln auf den Kopf gestellt, in dem er die Mechanismen hinter den schönen diplomatischen Spielchen aufgezeigt hat. Das ist der größtmögliche Tabubruch.

    Welches Land auch immer jetzt Snowden aufnimmt muss mit größtmöglichen diplomatischen, wirtschaftlichen und sonstigen Konsequenzen, Ärgernissen etc rechnen. Wer Snowden aufnimmt legt sich mit den USA an. Und zwar: Big Time.

    Die Balance der Kräfte sieht derzeit weltweit so aus, dass sich kaum ein Land einen derartigen Affront leisten kann. RU und China sind (noch) nicht stark genug, um den USA so den Stinkefinger zu zeigen. Europa will es sich nicht noch mehr mit den USA verscherzen, zumindest nicht öffentlich. Man kann aber davon ausgehen, dass auf diplomatischer Ebene gerade die Kacke am Dampfen ist.

    Bleiben Afrika (die haben andere Probleme) und Südamerika. Da kommen auch nur wenige Staaten in Frage. Venezuela: Vielleicht. Aber dafür muss er erstmal dahin kommen.

    Zusammen gefasst: Der Mann hat gerade echte Probleme.

    • Logo, das ist eine Zusammenfassung mit Schlagseite.
      Ich wollte mit der Erwähnung der Titel und Vorgeschichten der Protagonisten auch nicht implizieren, dass ihm jetzt alle zur Seite springen sollen oder müssen.

      Dass die Erwähnung und Vergegenwärtigung einer gewissen Referenz aber (nicht zu Unrecht) “naiv” erscheint, sagt eigentlich mehr über den ganzen Schlamassel und die Welt aus, als die Story des Whistleblower-Flüchtlings an sich.

  6. Pingback: Lesenswertes 05/07/2013 | Sebastian Booch

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