Neue Narrative

Das Internet sei kaputt, schreiben sie. Die Politik sei kaputt, die Diplomatie, die Wirtschaft, vielleicht sogar die Demokratie. Und meinen doch nur: Es wird nicht gemacht, was wir wollen. Es wird gemacht, was eine Mehrheit will. Zumindest in Deutschland hat eine satte Mehrheit die zwei Parteien gewählt, die nicht nur bisher Überwachung von außen und innen zugelassen haben, sondern die auch den Ausbau der Überwachung planen. Wie das? 40% der Deutschen finden staatliche Überwachung explizit gut. Nur 47% fühlen sich dadurch eingeschränkt. 48% haben “nichts zu verbergen”. 76% sehen keine “persönlichen Nachteile” darin. Unter den 13 wichtigsten politischen Problemen taucht Überwachung nicht auf.
Tja.
[EDIT: Nach Hinweis von MrJingles in den Kommentaren: Die Abfrage der Themen war gestützt, "Überwachung/Datenschutz" o.ä. kam nicht vor. Diese Angaben sammeln sich unter "Sonstiges" mit 1%. So taugt die Umfrage natürlich nur bedingt. Tabellen siehe hier]

Die momentan modische Resignation offenbart ein seltsames Staatsbild. Auch wenn es sich manchmal so anfühlt: Die “Politik” ist nicht unser Feind, der Staat nicht unser Gegner. Auch in der vielbesungenen Postdemokratie müssen diese Institutionen uns dienen. Und mit uns ist in diesem Fall ausnahmsweise das ganze Volk gemeint. Nicht eine Elite, die es gerne besser weiß. Sondern die Masse, die Wahlen entscheidet. Lobbyismus und Bürokratie hin, entfesselte Geheimdienste her – die Reizreaktion bleibt eine denkbar simple: Wenn morgen eine Million Menschen auf die Straßen gehen, werden die machtängstlichen Politiker übermorgen reagieren. Wenn vorgestern ein japanisches Atomkraftwerk in die Luft fliegt, will unsere opportunistische Kanzlerin gestern den Atomausstieg.
Umweltschutz als politisches Ziel existierte quasi nicht, bis eine Minderheit die Mehrheit dafür aktivierte. Sie fingen ähnlich chaotisch an wie die digitalen Aktivisten heute. Und wenn sie es nicht geschafft hätten, einer breiten Masse  zu vermitteln, warum Umweltschutz auch in ihrem Interesse ist, wären diese langhaarigen Pioniere und ihre Ziele heute vermutlich vergessen. Auch Abrüstung schmeckte weder der politischen noch der wirtschaftlichen Elite des kalten Krieges. Als Millionen dafür demonstrierten, bewegte sich dennoch mehr als viele Zeitgenossen für möglich gehalten hätten.

Veränderung ist eine Espressokanne: Der Druck muss hoch genug sein. Sonst kommt nichts raus.
Wer denkt, der Kampf sei schon verloren, hat die Demokratie missverstanden. Wer jammert, man könne allein ja doch nichts ändern, ist nur zu faul oder zu feige, zum gemeinen Volk herabzusteigen. Wer den Versuch naiv nennt, ist selber zynischer als jeder Lobbyist. Die Behauptung, man hätte keine Chance, ist entweder Verschwörungstheorie, Minderwertigkeitskomplex oder falsch verstandenes Märtyrertum.

Überwachung ist böse, und sie existiert doch. Massenhaft, global. Das ist sehr schlecht, und leider scheinen das die meisten Menschen in diesem Land anders zu sehen – oder ihr Haustier ist ihnen wichtiger. Wenn wir wirklich etwas ändern wollen, müssen wir ihnen womöglich die Haustiere wegnehmen. Oder uns fragen: Wie kann man sie endlich dazu bringen, Überwachung ebenso leidenschaftlich abzulehnen wie wir ach so aufgeklärten Wissenden? Bisher haben alle Appelle, Parolen, Artikel und Demonstrationen eher wenig genutzt. Die lethargische Kraft des “ich habe nichts zu verbergen”, die vermeintlich abstrakte Ferne des Problems und die Lügen der Geheimdienste waren stärker. Es bräuchte also vielleicht neue Erzählungen, gestützt von kraftvollen taktischen Argumenten, um die Menschen zu überzeugen und zu mobilisieren. Denn sobald eine Mehrheit dagegen ist, sobald sich eine große soziale Bewegung und nicht nur eine zerstrittene Avantgarde formiert, reagiert sogar die zynischste Politik – oder besser: besonders die. Denn sie lebt von der Mehrheit und nichts anderem.

Deswegen lauten die Fragen, die wir uns stellen müssen, bevor wir aufgeben: Wie können wir die Narrative gegen Überwachung stärker, eindrücklicher, valider machen? Wie langweilen wir weniger und berühren mehr? Was kann man aus der Geschichte, aus psychologischer und soziologischer Forschung gegen Überwachung ins Feld führen? Was ist empirisch belegt (Spoiler: Einiges. Es redet nur komischerweise niemand drüber)? Macht Überwachung krank, zerstört sie Gesellschaften, schädigt sie das Rückenmark?

Was ist die große, wirkmächtige Killer-Geschichte, die wir gegen Überwachung erzählen müssen?

tl;dr: Aktiviert man die Massen, ist alles möglich. Dazu braucht es neue narrative Munition.

38 Gedanken zu “Neue Narrative

    • Wenn die Menschen fernsehen, dann lernen sie, dass man mit umfassenden DNA-Datenbanken Mörder fängt, dass man mit allgegenwärtiger Handy-Ortung vermisste Kinder findet und dass Übergriffe der Polizei nicht bei Verdächtigen passieren, sondern nur bei Schuldigen, die zu ihrem Geständnis gezwungen werden müssen.

      Film und Fernsehen ist m.E. der Hauptgrund, warum Überwachung eher positiv gesehen wird. Werke, bei denen sich die Überwachung gegen den Helden wendet, sind die absolute Ausnahme. Sie werden als “interessant” bewertet und dann unter “Science Fiction” einsortiert: Sowas passiert in Wirklichkeit doch gar nicht.

  1. Danke, guter Hinweis, kannte ich noch nicht!

    Eigentlich wird Überwachung, die Technologie und ihr Missbrauch ja öfters thematisiert, v.a. auch in Hollywood-Actionfilmen. Vielleicht fehlt noch eine Geschichte, die aus einer demokratischen Grundordnung heraus erzählt wird. Mit deren Protagonisten man sich direkter identifizieren kann.

    • Da würden mir auch die Romane von Daniel Suarez einfallen. Die haben ihren Ausgangspunkt auch im Hier und Jetzt.

  2. “Was ist die große, wirkmächtige Killer-Geschichte, die wir gegen Überwachung erzählen müssen?”
    Das Dritte Reich. Das das neu erzählt werden muss ist traurig

    • Das Dritte Reich ist, glaube ich, nicht die richtige Geschichte.
      Aus zwei Gründen: Erstens ist diese Geschichte leider nicht mehr wirkmächtig, weil so oft schon erzählt. Meine Generation wurde zugeballert damit, bis sie ihren Schrecken verloren hat, eine narrative Banalisierung des Bösen quasi. Und zweitens ist sie andererseits schon wieder zu groß, sprengt alle Relationen mit den Millionen Toten und der Verwüstung und dem Genozid.

  3. “Was ist die große, wirkmächtige Killer-Geschichte, die wir gegen Überwachung erzählen müssen?” Das ist sehr einfach, wenn man sich als Journalist mal die Mühe machen würde, mit “den Leuten” zu reden anstatt im stillen Kämmerlein des WWW herum zu philosophieren: Man müßte den Leuten endlich, endlich zeigen, wo genau sie einen konkreten, greifbaren Nachteil, einen Schaden durch die NSA-Überwachung haben. Die bisherige, rein theoretisch-verkopfte Panikmache aus dem Elfenbeinturm der Bürgerrechtler geht dem Volk total am Arsch vorbei. Das viel zitierte und gescholtene “Ich habe nichts zu verbergen!” ist namlich genau das: “Ich habe gar keinen Nachteil durch die Totalüberwachung, denn ich treibe nichts Illegales; zuindest nichts, was die NSA (et all.) interessiert”. Ein einziger, konkret greifbarer Nachteil reicht; siehe unsere Kanzlerin. Die hatte auch “nichts zu verbergen”, bis es sie selbst konkret betraf. Und: Nein, Panikmache a la “1984 droht!” und “Hitler! Nazis! Genozid!” ist viel, viel zu unkonkret, um irgendwen zu interessieren.

    • Und wo genau haben sie einen konkreten, greifbaren Nachteil? Hast Du ein Beispiel? Scheinbar ist das nicht vielen Menschen klar, auch nicht den Vermittlern.

      Die Kanzlerin ist ein schlechtes Beispiel, eben weil sie die Kanzlerin ist und deswegen natürlich ein interessantes Ziel abgibt. Aber der Durchschnittsbürger?

      • Die von überbordender Überwachung ausgehende Gefahr ist naturgemäß eher abstrakt. Aber auch abstrakte Gefahren lassen sich anschaulich vermitteln, wenn diese existenzielle Grundlagen bedrohen. Man könnte auf einen gefährlichen Machtzuwachs bei den Überwachern und ihren Handlangern abstellen, der uns alle bedroht. Kinderschänder in Geheimdiensten (s. Geoffrey Prime), oder die NSU-Mordserie, deren Opfer heute noch leben würden, hätte es keinen Verfassungsschutz gegeben.

        Allerdings muss man sich klar sein, dass man sich da auf ein rutschiges Terrain begibt, da man zu einem Gewissen Grad die Urängste der Menschen instrumentalisiert. Ob das noch mit aufklärerischen Idealen des Journalismus zu vereinbaren ist oder schon in Richtung Demagogie abgleitet, muss jeder selbst entscheiden.

        • Ja, richtiger Gedanke: Je stärker der Hebel, den man wählt, desto eher rutscht läuft man Gefahr, mit den Ängsten der Menschen zu spielen. Und am Ende Feuer mit Feuer zu bekämpfen.

  4. Die Geschichte ist vorbei. Nein, ich bin nicht Pofalla. Wer sich jetzt noch nicht dagegen ausgesprochen hat, wird es auch nicht mehr tun. Es kann gar keine krasseren Enthüllungen mehr geben. Wir wissen, dass jeder elektronische Teil des Alltags überwacht wird, Offline-Geräte ebenso fernaktiviert werden können, Drohnen die Luft überwachen, die Telefone und der Briefverkehr überwacht werden. Was sollte denn noch mehr rauskommen? Es ist doch schon alles flächendeckend überwacht. Die einzige Steigerungsmöglichkeit wären Chips in den Menschen, dagegen spricht einzig und alleine, dass sie ddann den Großteil der anderen Überwachung nicht brauchen würden. Von daher können wir zumindest in dem Falle ausgehen, dass dem nicht so ist. Selbst wenn nicht die Empörung ist längst versiegt. Wenn du jetzt hören würdest, dass Adolf Hitler immer quer auf Behindertenparkplätzen geparkt hätte, würde dich das noch aufbringen? Egal was noch kommt, die Empörung ist versiegt. Der vorrauseilende Gehorsam wird schon eine Ausrede finden, warum das alles in Ordnung ist.

    Mensch, wir wissen sogar, dass Geheimdienstmitarbeiter gerne Frauen ausspionieren, die sie gerne bumsen wollen, da haben selbst die so leicht empörbaren Feministinnen weltweit nichts zu gesagt.

    Snowden ist nichts vorzuwerfen. Er hat das richtige getan und dabei alles risikiert. Was viele aber nicht verstehen, die Folter, die ihm drohnt ist nicht so schmerzhaft wie seine Gewissheit, dass alles umsonst war. Der Großteil der Menschen scheißt auf seine Enthüllungen und nimmt es maximal als Anlass den angestauten Hass auf “die Amis” rauszulassen, dazu wäre aber auch jeder andere Anlass willkommen.

    Die Menschen wollen offenbar einen autoritären Überwachungsstaat. DAs ist eben auch Demokratie. Man kann sich auch dafür entscheiden. Aber bitte nach dem garantiereten Elend nicht wieder wie nach dem Dritten Reich die Schuld bei anderen Suchen und versuchen sich rauszureden. Das ist kein Militärputsch bei dem das Volk außen vor ist, das Volk hatte jede Möglichkeit es zu stoppen und es wurde sogar begrüßt aufgenommen.

    Der Kampf ist nicht vorbei, er hat nie begonnen.

  5. “ich habe nichts zu verbergen”:

    Pornoseiten -> Vorlieben! Gott bewahre, dass ein gestandener Mann beim Masturbieren (ja, die Webcam ist an) zu gleichgeschlechtlichen “adult movies” erwischt wird.

    Datingportale, die einem das Ausleben kleiner, anonymer Seitensprünge ermöglicht. Alleine der Account kann eine deutliche Schieflage in der Beziehung/Ehe verursachen.

    Man ist erpressbar, jeder.

    Ein häufiger Besuch auf kritischen Seiten kann die Einreise in erträumte Urlaubsländer beeinträchtigen.

    Nicht zu verachten ist auch die schlichte Tatsache, dass das Bewustsein der ständigen Überwachung, die Anwesenheit eines Dritten auf jeder Schulter, die Redefreiheit und somit auch die Gedankenfreiheit einschränkt, denn jede schnell geschriebene Mail, jedes kleine Post ist maximal transparent. Selbst ein kleiner dreckiger Witz unter Freunden ist bereits fremdgespeichert bevor ihn der Adressat lesen konnte.

    Horrorgeschichten gibt es genug, dies sind nur die ersten, die mir nach drei Minuten eifallen.

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  7. Pingback: espressokanne |

  8. Mir fällt es in dieser Zeit überhaupt schon schwer auf solche Themen inhaltlich zu antworten, da die Gefahr besteht, dass meine “freie” Meinung mit der meines Arbeitgeber nicht in Einklang zu bringen ist oder der nächste USA Urlaub schon am Flughafen endet.
    Bei der derzeitigen Lethargie fällt mir eigentlich nur ein Weg ein:
    Man müsste den Menschen demonstrieren, was für Folgen es hat oder haben kann, wenn Sie dauerhaft überwacht werden, selbst die die angeblich nichts zu verbergen haben oder mit “diesem” Internet nichts zu tun haben. Ob da mediale Aufklärung ausreicht weiß ich nicht, glaube aber nicht dran. Derzeit scheint es aber den 40% + X% noch viel zu abstrakt zu sein.

    • Naja, sich nicht mehr frei äußern zu können/wollen, aus Angst vor Konsequenzen, ist schon sehr konkret. Und dann müsste man den gefühlten Offlinern noch klar machen, dass sie, auch ohne das Netz bewusst zu benutzen, genug Spuren hinterlassen. Aber wahrscheinlich müssen ganz realistische Storys her, damit die´s verstehen.

  9. Ich denke, dass einzige was helfen kann, ist aktiver Missbrauch der gesammelten Daten. Im großen Stiel. Es müssen einfach mal die ganzen Seitensprung Accounts offen gelegt werden. Der Pornokonsum. Wenn die Leute nicht direkt betroffen sind wird da nichts passieren.

    Und der Vergleich mit z.B. dem Thema Umweltschutz lässt außer acht, dass zum einem die Auswirkungen viel sichtbarer sind (und dennoch nicht genug oder an den Falschen stellen gemacht wird) und das die Rhetorik bzw. Einfluss, Finanziellen Mittel und alles andere auch immer ungleicher Verteilt sind, als es damals noch war. Und auch die Taktiken um “Aktivisten” zu ermüden oder finanziell aus zu trocken sind deutlich verfeinert. Nehmen wir z.B. ACTA. Wurde “erfolgreich” abgewendet. Naja, dann kommt es jetzt, nicht mal 2 Jahre später unter neuem Namen erneut. Zum einem kennt man jetzt die Rhetorik des Gegners und kann seine darauf aufrichten. Zum anderen denkt sich der Normalbürger wahrscheinlich: “Ach ne, nicht schon wieder. Ich muss mich um meine Kinder kümmern. Meine Oma ist krank. Und meine private Rentenvorsorge läuft gerade auch nicht.”
    Dem gegenüber steht eigentlich nur die Möglichkeit zur leichteren Vernetzung und Verbreitung von Informationen.
    Die Lobbys die mit am Ende Antidemokratischen, Menschenrechtsfeindlichen und Korrupten gebaren ihr Geld verdient, hat doch viel mehr Einfluss.

    Daher wiederhole ich noch mal. Die Leute müssen direkt betroffen sein. Einfach nur schlimme Bsp. reichen nicht mehr.

  10. “40 Prozent der Befragten in der YouGov-Umfrage fanden es richtig, dass Staaten die Kommunikation im Internet überwachen, um sich zu schützen”
    (Quelle: http://www.zeit.de/politik/2013-06/umfrage-internet-nutzung-digitale-ueberwachung)

    Leider finde ich weder die Fragen der Umfrage noch Ergebnisse auf der Seite von YouGov (vlt. bin ich auch zu blind). Ich vermute aber sehr stark dass es sich um Suggestivfragen gehandelt hat. Der Zusatz “um sich zu schützen” führt hier schon in die Irre. Denn es wird nicht nur überwacht um den Staat zu schützen sondern z.B. auch zum Schutz der Regierung, der Wirtschaft usw.
    Zwei Meinungen von mir um die Differenz zu zeigen:
    - Ich will das mein Staat sich vor Terrorismus schützt.
    - Ich will nicht das politische Gegner überwacht werden um die Regierung vor ihnen zu schützen.

    Und wenn man nach den wichtigsten politischen Themen in Deutschland fragt, aber nur zwei Antworten möglich sind würde ich auch eher das Bildungssystem und vielleicht soziale Gerechtigkeit angeben als die NSA Affäre. Damit würde ich in der Deutung der Umfrage auch als jemand gelten dem die NSA-Affäre egal ist, obwohl das ganz klar nicht der Fall ist.
    So könnte ich vermutlich alle Umfragen auseinander nehmen, will ich hier jetzt nicht machen. Aber ich möchte noch einmal darauf hinweisen dass das Wunsch-Ergebnis vieler Umfragen schon im Vorwege geliefert wird (je nachdem wer sie in Auftrag gegeben hat) und dass dann nur noch die Fragen angepasst werden.

    Das Argument “Zumindest in Deutschland hat eine satte Mehrheit die zwei Parteien gewählt, die nicht nur bisher Überwachung von außen und innen zugelassen haben, sondern die auch den Ausbau der Überwachung planen.” finde ich auch etwas schwach:
    1. Welcher Wähler befasst sich wirklich mit dem Wahlprogramm und speziellen Ansichten seiner Partei?
    2. Welche Partei hält sich an ihr Wahlprogramm auch nachdem Sie lukrative Angebote von Lobbyisten oder einfach Druck von großen Konzernen erhalten hat?

    Wie man das ganze Thema der breiten Öffentlichkeit verständlich machen kann ist schwer zu beantworten. Ich habe mal gehört ein Ziel der RAF sei es gewesen einen Überwachungsstaat zu provozieren, damit alle Bürger aufwachen. Jetzt ist es soweit, wir haben den Überwachungsstaat und nur wenige sind aufgewacht. Andererseits kann ich die Leute verstehen. Ich habe einen Job, d.h. auf Demos kann ich i.d.R. nur am Wochenende gehen – Und durch meine Erfahrungen in der Szene wird es auch für mich immer schwieriger mich selbst dann aufzuraffen. Entweder werden Demos von der Politik ignoriert (siehe z.B. Demo Anti-Irak-Krieg) oder man wird mit bestimmten Gruppen in eine Schublade gesteckt und es heißt dann “Chaoten legen Innenstadt lahm” statt “X-Tausend Menschen haben gegen XYZ demonstriert” und so wird der Bewegung dann eher noch geschadet. Ich denke mit unserer Medienlandschaft, insb. mit der “Zeitung” mit den 4 großen Buchstaben findet eine Volksverdummung im gigantischen Ausmaß statt. Dagegen anzugehen ist sehr schwer bzw. leider fast unmöglich. Und Blogs wie dieses werden auch nur von Leuten gelesen die sich bereits für das Thema interessieren.

    Den Holocaust-Vergleich finde ich zur Abwechslung (als narrative Munition) mal sinnvoll. In der ersten Stufe werden derzeit die Andersgläubigen erst einmal erfasst. Mal schauen wann es mit Stufe 2 losgeht und wie die Öffentlichkeit dann reagiert.

  11. Den ganzen Hype einiger Internetgeeks kann ich nicht nachvollziehen. Es ist doch gut und richtig wenn der Staat gegen Terroristen, Extremisten und sonstige Straftäter vorgeht, egal mit welchen Mitteln. Wer nichts zu verbergen hat, den stören keine Kameras in Innenstädten oder sonstwas. Klar, wer dauernd seine Frau betrügt, illegal Musik runterlädt etc. pp. oder sich sonst in zwielichtige Geschäfte einlässt, für den ist das natürlich ein Problem. Aber der normale und friedfertige Bürger, der einfach nur in Ruhe und sicher leben will, für den ist das kein Problem. Und zum Glück ist die Mehrzahl der Bürger, die ein Leben in Ruhe, Frieden und Sicherheit wollen, wesentlich größer als es einige Verschwörungstheoretiker gerne hätten.

    • Das Problem ist ja, dass sich einer demokratischen Kontrolle entziehende Geheimdienste zu einer immer größer werdenden Bedrohung von Ruhe, Frieden und Sicherheit entwickeln. Was haben denn die Dienste in Deutschland geleistet, außer einer großflächigen Finanzierung von Rechtsextremisten? Die Sauerland-Gruppe? Da waren ohnehin genug Geheimdienste involviert, weswegen das kaum als Beispiel taugt. Herr und Frau Anschlag? Eher keine Bedrohung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, und da kam der Hinweis auch aus dem Ausland.

    • Och Thorsten. Es mag dich nicht betreffen, es mag mich nicht betreffen, vielleicht keinen den du direkt kennst. Das spielt doch keine Rolle. Du verstehst die Tragweite scheinbar überhaupt nicht und dass es dazu dient Terroristen aufzustöbern glauben mittlerweile nicht mal mehr die aufgeklärten Amerikaner selbst. Mit den Daten die dort angesammelt werden kannst du alles mögliche anstellen und diese gegen die Menschen mißbrauchen, wenn du weißt wie die Masse genau tickt. Ebenso lassen sich Menschen erpressen und diskreditieren, die vielleicht aus privaten Gründen nicht an die Öffentlichkeit gehören. Und damit bist du dann vielleicht doch wieder selbst betroffen ohne dass du es direkt bemerkst.

  12. Pingback: Kaputtes Internet: Wider der Gleichgültigkeit | cdv!

  13. Der Niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil erlaubt Konzernen, nach geeigneten Gasvorkommen für das Fracking zu suchen. Natürlich macht so eine teure Suche nur Sinn, wenn man später auch Gas rauspressen darf. Stephan Weil handelt gegen den Widerstand der Bevölkerung, aber er kann nicht anders: er wird von der NSA erpresst. BDSM-Homevideos würden ihm mehr schaden.

    Das ist natürlich erfunden, es kann aber auch genau so sein. Bisher haben die Amerikaner schon bei Kleinigkeiten mit Handelskriegen gedroht. Das ist jetzt nicht mehr nötig, jeder Politiker und einige Wissenschaftler sind erpressbar geworden.

    • Erpressbarkeit von Politikern ist sicher ein wichtiger Aspekt, stimmt. Man bräuchte vermutlich leider, damit es nicht zu Hollywoodesk erscheint für den Bürger fern von BDSM-Videos und NSA, einen echten Fall.

  14. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/2739/umfrage/ansicht-zu-den-wichtigsten-problemen-deutschlands/

    Das sind nicht die 13 wichtigsten Themen für die Bürger.
    Diese 13 Themen wurden von den Machern der Umfrage als Antwort vorgeschlagen, wie die Angabe “Sonstiges (spontan)” verrät.
    Ich meine hätte man Datenschutz/Überwachung als Antwort vorgeschlagen hätte man Terrorismus (also der angebliche Hauptgrund für die heutige Überwachung) damit locker getoppt.

  15. Pingback: Weg mit dem Datenschutz!

  16. – Wirtschaftsspionage (USA patentiert/kauft/verhindert Sachen vor dem eigentlichen Erfinder).
    – Erpressung mit “wir wissen da was”.
    – Scoring der Versicherer und Finanzinstitute (nein, Du kriegst keinen Kredit, wir wissen was Du damit vorhast)
    – Die gestrige Meldung über 100.000 verwanzte Rechner (auch offline!) ist höchst brisant in Bezug auf Wissenschaft und Forschung. Da müsste mal ein betroffener ein Fass aufmachen.

    Die Regime-Medien scheuen sich jedenfalls überhaupt nicht aus Mücken Elefanten zu machen. Da könnten wir zumindest mal ein paar ganz dicke Hunde zu Elefanten aufblasen. Nur müssten diese Sachen ganz und gar konkret sein und das Potential mitbringen, dass andere Leute auch aus der Versenkung auftauchen.
    Die älteren unter uns werden sich noch an den Abhörskandal um den Atomphysiker Klaus Traube erinnern. Er ging mit der Telefon-Verwanzungsmethode der Postbehörde an die Öffentlichkeit. Plötzlich fanden viele Menschen, darunter meine eigene Großmutter (Gewerkschafterin mit UdSSR-Kontakten), genau so einen roten AEG-Chip in ihrem Telefon nachdem sie mal den Störungsdienst rufen mussten.

    • Schon seltsam, wie wenige Betroffene oder Gefährdete aus Wirtschaft und Wissenschaft sich melden. Angst um die US-Beziehungen? Mangelndes Problembewusstsein? Wenn jeder Mittelständler seine Angestellten entsprechend eichen würde…

  17. Pingback: Weg mit dem Datenschutz! | Carta

  18. Es gibt “die Geschichte” – Wirtschaftsspionage. Die Kapitalreproduktion erlahmt, wenn Innovation nicht mehr lohnt. Wenn es einen Motor gibt, Mittel gegen die Totalüberwachung zu finden, dann ist es dieser.

    • Der Vorwurf der Wirtschaftsspionage wirkt leider lächerlich, solange es keinen massiven Widerstand aus der Wirtschaft gibt. Kaum jemand möchte sich für Unternehmen einsetzen, die selbst offenbar gar kein Problem darin sehen, ausspioniert zu werden.

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