re:publica 14

Warum macht Überwachung impotent? Welche neuen Geschichten können wir gegen Überwachung erzählen? Und wird man zum gläsernen Bürger, wenn man sich auf eine Flasche setzt? Über all das durfte ich auf der re:publica sprechen. Es war, mal ganz unironisch formuliert (die Autokorrektur beharrt hier auf “unerotisch”!), großartig und eine Ehre, neben all diesen tollen Speakern auftreten zu dürfen. Die besten Sessions besinge ich später auch noch hier, logisch.

Downer: Die Zuschauer mussten vor “meiner” Bühne alle Kopfhörer tragen, es gab keine Lautsprecher. Deswegen ist alles eher leise auf dem Video. Gelacht wurde trotzdem, ehrlich, man hört es nur nicht.

Upper: Der rattendichte Politikstudent, der mir nachts um den Hals fiel mit den  Worten: “Endlich sagt´s mal einer!” Die vielen positiven Reaktionen, und sei es auch nur der Nebensatz von wegen Wikipedia und Bibel, der sofort viral ging. Das Gefühl, vor Menschen gesprochen zu haben, die verstehen, was auf dem Spiel steht, und Lust haben, etwas zu tun.

Also, meine Aktionskunstperformance mit dem maximal bescheuerten Titel “Überwachung macht impotent – Neue Narrative gegen Überwachung” als Video:

Ich habe das Gefühl, besonders die professionellen Vermittler, also die sogenannten Journalisten, waren neugierig auf meinen Ansatz. Sofort durfte ich verschiedenen Medien erklären, was genau ich jetzt eigentlich damit gemeint habe und wer genau impotent ist. Und viele haben sich aus dem Vortrag ganz korrekt ihre Lieblingszitate rausgesucht und  weiterüberlegt, was man machen könnte. Hier meine kleine, vermutlich nicht ganz vollständige Presse- und Blogschau: Zündfunk (BR), Frankfurter Rundschau, Stuttgarter Zeitung, Rhein-Zeitung, t3n, ZEITonline, webmagazin.de, br.de, wdr.de, Handelsblatt, Der Standard, Juna im Netz, mspro, Kaffeeringe, theonet.de, bullenscheisse, danielbroeckerhoff.de, Jungle World, BR5, Sendezentrum-Sondersendung und zu guter letzt sogar die geschätzte 3sat Kulturzeit (in einer Sendung mit Gerhard Richter und Herlinde Koelbl).

Zudem hat Felix Schwenzel meinen Vortrag gewissermaßen als spontanen Aufhänger für seinen Vortrag genutzt. Sehr Sehens-/lesenswert.

Und zusammen mit Markus Löning habe ich für die Netzdebatte, also quasi die Sendung der Bundeszentrale für politische Bildung von der re:publica, ein bisschen laut herumgedacht:

Nun ist der wichtigste deutsche Internet-Konvent vorbei. Was habe ich gelernt? Einiges. Zum Beispiel dass American Spirit nicht meine Zigarettenmarke wäre. Dass Witze über die Bibel mit Abstand am besten ankommen. Dass die “Netzgemeinde” wach und trinkfest ist.

Vor allem aber, dass es höchste Zeit ist zu verstehen, wie wenig die Überwachungsproblematik  mit dem Internet zu tun hat. Das Internet wird nur dafür missbraucht. Nicht das Netz, sondern die Demokratie ist kaputt. Oder besser: krank. Überwachung und Geheimdienste sind Autoimmunerkrankungen, die sich gegen das gewendet haben, was sie schützen sollen: die Gesellschaft. „Uns“ fällt die Aufgabe zu, den Anstoß zur Reparatur zu geben. Dazu braucht es eine Lobby, einen gesellschaftlichen Hebel und viel, viel Leidensfähigkeit.
Wenn wir nicht locker lassen, wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis das Netz frei ist. Wenn wir locker lassen, wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Demokratie ernsthaften Schaden nimmt.

Noch hat uns die Überwachung nicht impotent gemacht.

2 Gedanken zu “re:publica 14

  1. Ich kann nur ein ganz kleines Bisschen meiner Meinung hier hineinsetzen:
    Ich habe vor ein paar Tagen – aus Mangel an anderen Lieferanten – ein Buch bei einer bekannten Internetfirma bestellen wollen. Als ich die ganze Reihe der Auskünfte sah, die diese Leute von mir haben wollten, löschte ich alles wieder und teilte ihnen mit, dass ich auf die Bestellung verzichte, weil zu viele private Daten abgefragt würden. Wenn das an einem Tage ein paar tausend Leute tun würden, könnte es doch vielleicht sein, dass die Konzernleitung nachdenklich wird? Was manche Firmen da tun, ist eigentlich schon “Tracking”, und das ist doch verboten??
    Übrigens fand ich dann doch noch einen wesentlich freundlicheren Lieferanten für das englischsprachige Buch im Originaltext. Den hatte ich leider vorher übersehen. Selbst mein Buchhändler hatte es nicht mehr auftreiben können.

    Es müsste uns viel öfters der Kragen platzen. Wir sind aber Schäfchen und spielen die meiste Zeit brav mit.

    MfG
    H. Hühne

  2. Pingback: Reader‘s Digest #rp15 : Subjektive Programmempfehlungen für Überwältigte | netzpolitik.org

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