Links am 30.9.14

▶ Last Week Tonight with John Oliver: Drones (HBO) – YouTube

Es bleibt einem mal wieder das Lachen im Halse stecken, wenn John Oliver den amerikanischen Drohnenkrieg auseinander nimmt. (Nicht wirklich neues) Fazit: Sie töten, wen sie wollen.

 

Hong Kong’s protests are putting Chinese web censorship to the test | The Verge

“What if everyone in Tiananmen Square had been carrying a smartphone? Among civil society groups, it’s a common question, and one with far-reaching implications. Would technology make the people’s movement stronger or easier to control? Does interconnection strengthen a crowd or distract it?”

 

The Society of Fugitives – James Forman Jr. – The Atlantic

“How does aggressive police surveillance transform an urban neighborhood? A sociologist reports from the inside.”

Links am 29.9.14

F.A.Z.-Bürgergespräch: 20 Jahre Online-Journalismus – FAZ (VIDEO)

Das “FAZ-Bürgergespräch” über “20 Jahre Online-Journalismus“ mit wackligem Video online dermaßen lieblos weiterzuverwursten, sagt mehr über den Online-Journalismus und das Verständnis vieler Medienhäuser davon als 100 Podien mit 200 Sascha Lobos. Der sagt wie immer die richtigen Dinge und versucht, fortschrittlich wie er eben ist, ein bisschen Dialog mit dem Publikum via Twitter.

Wolfgang Blau (Guardian-Online-Chef) hat dazu auf Facebook berichtet, wie wenig “drüben” die Unterscheidung print/digital noch eine Rolle spielt.

 

Jens-Christian Rabe: Tourauftakt von Helene Fischer: Natural Born Perfect – Süddeutsche.de

Ich weiß nicht, ob diese Analyse stimmt. Aber sie versucht einen klaren Blick auf den unklaren Strom, den wir Mainstream nennen und selten verstehen.

“Nicht da waren nur: alle Arten von Hipstern und Hipster-Bärten. Allerdings auch nicht die notorischen Hipster-Hasser. Mit anderen Worten: jegliche schlechte Laune war vollständig abwesend. Anwesend dafür: eine vollkommen tiefenentspannte, absolut unneurotische Fielmann-Crowd. Deutschland im Jahr 2014. Optimale Bedingungen für den großen Show-Triumph.”

Neulich lief ich mit meinem besten Freund zufällig an einer langen Schlange Konzertbesuchern vorbei, ohne zu wissen, wo genau diese tausenden Menschen hinwollten. Wir rieten ein wenig herum, denn die Mischung war ähnlich bunt wie bei Helene Fischer; inklusive Abwesenheit jeglichen Geschmackes, dafür mit umso mehr ehrlicher Fröhlichkeit. Es  war ein Auftritt von Cindy aus Marzahn.

 

They know: Mit den Augen der Überwacher | Heinrich-Böll-Stiftung

“Ein Potsdamer Student hat sich in die Rolle der Überwachenden hineinversetzt und eine fiktive Überwachungssoftware designt. Der Perspektivwechsel bringt neue Aspekte in die Debatte um Privatsphäre und Grundrechte.”

Das unschuldige Opfer der Überwachung übrigens optimal gewählt: “Michael is studying architecture in Berlin. He likes his relxaed neighbourhood, his cozy flat. Cooking with his friends an travelling.”
Durchschnittlicher wird´s nicht mehr.

 

What Does Ethical Social Networking Software Look Like? — The Message — Medium

Ach, Ello. Die Karriere von Hype zu Ex-Hype dauert nur noch einen halben Tag. Ich bin eher so dieser Meinung, grundsätzlich gesehen:

“What makes Ello so interesting, despite all of these things that are probably not as interesting for other people as they are for me, is a non-feature. Ello is an anti-pattern of what social networking has become: it’s meant to be advertising free, with the accompanying freedom from pervasive tracking and surveillance. This is a Big Deal for a lot of people right now, because the software companies that support our social lives have become so evil and pervasive and controlling in recent years.”

Dagegen sagt einer der Designer (und der geschätzte Jürgen Geuter) Ello schon Goodbye, weil man Venture Capital angenommen hat, die Wired bemängelt eher das Fehlen eines Geschäftsmodell,  Anne Roth eher so alles, die Rechtsanwältin Nina Diercks lobt wiederum die Datenschutzregeln.

Ich glaube erstens, dass man einem solchen Projekt Zeit geben darf und ihm so lange mit fröhlicher Skepsis, aber grundsätzlichem Wohlwollen am ehesten gerecht wird. Einerseits auf alle etablierten Netzwerke schimpfen und andererseits etwa geschichtsvergessen ihre Unsterblichkeit beklagen, weil kein Herausforderer gut genug sein kann, ist nicht nur destruktiv, sondern auch analytisch zu knapp.
Ich glaube nämlich auch, wenn ich diese These auch (noch) nicht beweisen kann, dass wir schon in absehbarer Zeit Alternativen zu Facebook und Google haben werden, die ihren Namen verdienen. Die Tipping Points für Netzwerkeffekte sind näher, als es sich anfühlt, und die Neugier auch im Mainstream größer. Und alleine die Ahnung einer Alternative ist doch schon etwas wert. Wer fand denn Twitter von Anfang an makellos? Oder?
Ach, keine Ahnung.

Links am 26.9.14

Markus Günther: Egoistische Zweisamkeit: Warum der Mythos der Liebe eine Lüge ist – FAZ

Ich würde der These vehement widersprechen: Liebe ist die Lösung. Die einzige. Aber viele Gedanken und Beobachtungen sind dennoch hervorragend: das quasi-religiöse, das kommerzialisierte, das narzisstische Moment der postmodernen Liebe.  Ein klarer, vernünftiger, spannender Text.

“Von Liebe als Ersatzreligion zu sprechen ist keine augenzwinkernde Übertreibung, sondern Ergebnis nüchterner Beobachtung. Denn der Mythos Liebe erfüllt ausnahmslos alle Kriterien einer Pseudoreligion: Diese höhere Macht verlangt Unterwerfung und verspricht im Gegenzug Erlösung und Heil. Sie duldet keine anderen Götter, verspricht den (siebten) Himmel und droht mit der Hölle des Alleinseins.”

 

Clemens J. Setz: “Islamischer Staat”: Das grelle Herz der Finsternis | ZEIT ONLINE

Die IS-Enthauptungsvideos sind echte Snuff-Videos, nach der alten Definition: nicht einfach mit einer Kamera festgehaltene Morde oder Hinrichtungen, sondern verfilmte Kurzdrehbücher. Der Islamische Staat degradiert das Opfer kurz vor seinem Tod zum Schauspieler, es hat einen vorbereiteten Text aufzusagen und eine Rolle zu spielen. Es trägt symbolträchtige Kleidung: den orangen Overall, so wie ihn auch die Gefangenen von Abu Ghraib und Guantánamo tragen müssen. Es hat eine bestimmte Pose einzuhalten, der Drehort ist inszeniert, die Bildästhetik wohlüberlegt. Albtraumhaft greller Wüstenhintergrund, eine Welt ohne Zufluchtsmöglichkeiten, keine Zivilisationsmerkmale in Sicht.”

 

Geheime Informationen: Wie die Überwachung von BND und NSA in Bad Aibling funktioniert | netzpolitik.org

“Die heutige Anhörung im Geheimdienst-Untersuchungsausschuss hat gezeigt, wie ernst die Bundesregierung die Aufklärung der Vollüberwachung der digitalen Welt nimmt: gar nicht. Der Leiter des BND-Standorts Bad Aibling, vorgestellt und adressiert nur mit den Initialen “R.U.”, hatte eine “Aussagegenehmigung” von der Bundesregierung, die das Wort nicht verdient. Über 50 mal verweigerte er eine öffentliche Aussage mit den Hinweis, dass seine “Aussagegenehmigung” das nicht erlaube.”

 

Shisha Pangma: Bergsteiger im Himalaja vermisst – SPIEGEL ONLINE

“Am Morgen des 25. September 2014 konnte Maier, der selbstständig Camp 3 erreicht hat, von einem Sherpa-Rettungsteam bei Bewusstsein in Empfang genommen werden und ist auf dem Weg ins Basecamp. Haag und Zambaldi sind von der Lawine verschüttet und konnten nicht gefunden werden.”

Ich durfte Extrem-Bergsteiger und Ultra-Läufer Basti Haag im Sommern kennen lernen und interviewen. In dem noch nicht veröffentlichten Text über u.a. ihn und seine extremen sportlichen Ambitionen schrieb ich: “Selten trifft man so einen positiven Menschen. Wer ständig über seine Grenzen geht und sich dabei in Gefahr begibt, ruht in sich.”
Auf meine Frage, ob er lieber 30 Jahre mit diesem gefährlichen Sport leben würde, als 60 Jahre ohne, schickte er mir seine eingescannte Unterschrift.

Links vom 25.9.14

TV-Unterhaltung: Gar nicht komisch – brand eins online

Hugo Egon Balder rät:

“Wenn Sie jung und kreativ sind und Unterhaltung machen wollen, dann rate ich Ihnen, bloß nicht zum Fernsehen zu gehen. Wer den Schalk im Nacken hat, ist dort verraten und verkauft. Wenn Sie mich fragen, dann sprechen wir nicht von einer Krise des deutschen Unterhaltungsfernsehens. Es ist eher eine Katastrophe.”

Von Hugo Egon Balder, der in den 90ern spätestens mit “RTL Samstag Nacht” zum Erfolgs-Entertainment-Produzent wurde, gibt es die schöne Geschichte, dass er mit der Formatidee zu “Genial daneben”, das später zu einem der erfolgreichsten Spaß-Formate aller Zeiten werden sollte, acht Jahre von Sender zu Sender zog – und keiner es wollte. Der Mann weiß also, wovon er erbricht.

 

La Roux: Ich verdiene mit meinen Alben kein Geld – 8 Millionen verkaufte “Platten”, 0 Gewinn | TONSPION.de

Musiker muss man heute wohl auch nicht mehr werden. DJ schon. Aber Musiker wohl nicht.

 

YouTube Stars: Potenzial, Fans und Förderer – Social Media Watchblog

…gehen Sie stattdessen lieber zu youtube!  Youtube gibt seinen Kreativen jetzt auch Geld und Werbekampagnen. Und was macht das Fernsehen so? Streitet um Jugendkanäle. Na ja.

 

Sascha Lobo über Thomas de Maizière, BND und NSA: Dreisprung der Abwiegler – SPIEGEL ONLINE

Irgendwann muss die Gesellschaft für deutsche Sprache Sascha Lobo eine Ehrenurkunde für “Unermüdliche Versprachlichung des sprachlos machenden” verleihen.

“Im Umgang mit der Totalüberwachung lässt die Bundesregierung deshalb eine Strategie der Vernebelung erkennen, bestehend aus den Elementen Verharmlosung, Verschleierung und Verhinderung. Das Ziel ist nicht, die illegale Überwachung zu beenden, sondern nur die noch immer köchelnde Empörung darum.”

 

Ideologisch, ängstlich, antimodern: – Das Dogma der neuen Netz-Konservativen | Cicero Online

Alexander Pschera mit einer leicht überfälligen Analyse der anti-digitalen Publizistik. Am schmerzhaftesten finde ich den “si tacuisses…“-Moment: Wenn ehemals große Geister und Menschen in intellektuellen Führungspersonen angesichts der digitalen Weltverschwörung satisfaktionsunfähig dahergreinen, muss man sich die Ohren zuhalten, so laut tönt ihre Hilflosigkeit und das donnernde Zerschellen der Heldenbilder am kalten Boden der Realität.

“Es ist ein existenzialistischer Konservativismus, der über die Grenzen der Einkommensschichten und Bildungsniveaus hinweggreift und sich die Rettung eines – wie auch immer definierten – „alten, analogen Menschen“ auf die Fahnen geschrieben hat. Aber es ist zweifelsohne ein Konservativismus. Denn er gehorcht in vielen Merkmalen der Logik konservativen Denkens, die in Vereinfachung, Selbstinszenierung, Misogynie und im Ausschluss von Neugier besteht.
Die Rede ist von der Bewegung des Anti-Digitalen, die sich fast jeden Tag ganzseitig im Feuilleton der FAZ, in den Publikationen einer Miriam Meckel, eines Byung-Chul Han, eines Roland Reuß – um nur die wichtigsten Protagonisten zu nennen – nachlesen lässt. Hier entsteht eine überzogene Theorie der digitalen Verschwörung gegen die Menschheit, die die Saat des Misstrauens verbreitet und die Gesellschaft lähmt. Die Debatte um das Netz ist in eine Phase der kulturellen Endschlacht getreten, in dem es um die nackte Existenz geht. Entsprechend alarmistisch ist diese Debatte, in der sich ein neuer Konservativismus der Unterkomplexität formiert.”

Links am 24.9.14

‘Partyism’ Now Trumps Racism – Bloomberg View

“In 1960, 5 percent of Republicans and 4 percent of Democrats said that they would feel “displeased” if their son or daughter married outside their political party. By 2010, those numbers had reached 49 percent and 33 percent. Republicans have been found to like Democrats less than they like people on welfare or gays and lesbians. Democrats dislike Republicans more than they dislike big business.”

 

Wo das Internet noch alles lebt | netzpolitik.org

Unbedingt lesen: Moritz Metz hat das Internet besucht.

 

How Search Works – The Story – Inside Search – Google

Unbedingt lesen: Google erklärt sich selbst.

 

Ferdinand von Schirach über Einsamkeit und Distanz – SZ Magazin

Unbedingt lesen. Das gute an diesem Interview mit Ferdinand von Schirach: Alles. Das schlechte: Alle anderen sehen dagegen blass aus.

 

3sat.online – Mediathek: Was ist die Wahrheit wert?

Bester Mann Scobel über Wahrheit, Authentizität und den ganzen Shizzle.

Links am 19.9.14

Elisabeth Ruge:  Von Pozzo lernen – Ich. Heute. 10 vor 8

“Der digitale Wandel wird hierzulande oft mit Verlust gleichgesetzt. Die Kultur des gedruckten Wortes geht verloren, heißt es, das Bleibende, die ernsthafte Literatur, fällt der digitalen Beschleunigung zum Opfer, alles wird kurzlebig, alles geht kaputt. Aber für manche Menschen tun sich gerade Welten auf. Ganz ausgeblendet wird bei den Klageliedern, dass es nun eine ungeheure Zahl potentieller Leser gibt, die bislang nur bedingt analog verlegte Werke rezipieren konnten. Oder gar nicht. Dank neuer Technologien haben wir es nun aber mit barrierefreien Neuerungen zu tun, die – ausschließlich auf digitalen Entwicklungen basierend – Millionen von Menschen mit Einschränkungen oder Behinderungen an einer großen Vielfalt literarischer Texte teilhaben lassen.”

 Movie A Dog’s Purpose (2017)Watch movie online Rings (2017)

Johannes Boie: Kritik an Uber – Lobbyisten der Vergangenheit – Süddeutsche.de

“Die Gestaltung der Zukunft droht hierzulande von Innovationshassern abzuhängen, von Lobbyisten jener Technologien, die dank des Netzes neuerdings obsolet sind. Dabei kann nur eine Gesellschaft, die technologisch führend ist, die wichtige Frage beantworten, wie wir in Zukunft leben wollen.”

 Movie A Dog’s Purpose (2017)Watch movie online Rings (2017)

Palestinian Parody about ISIS – YouTube (via @sammysmsm)

So macht man sich in Palästina lustig über ISIS:

 Movie A Dog’s Purpose (2017)Watch movie online Rings (2017)

Blogrebellen: Geschichten des Alltags

Das Highlight des gestrigen Tages: Ferngesteuerte Killer-Vibratoren bei Richterin Barbara Salesch. Bei den Rebellen sogar mit Video. Zu gut.

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Und zum Abschluss auch hier noch mal der Magshot-Hinweis auf das Interview mit Ferdinand von Schirach im SZ-Magazin. Wenn ich groß bin, will ich werden wie er.

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Links am 18.9.14

Matthias Stolz: Die Besserbürger – ZEITmagazin

Das Milieu, in dem ich lebe, kauft nicht mehr nur ein, es wählt aus. Man kuratiert seinen Besitzstand.

Ja, ja und ja. Die meisten meiner Freunde und ich sind so. Ertappt zu werden ist schaurig-schön. Aber gut, dass der Artikel die Moralkeule weglässt, stattdessen sowohl Kritik als auch Verständnis andeutet. Ich find´s auch überhaupt nicht schlimm, in allem das beste zu suchen. Was denn sonst? Man lebt nur einmal, dann bitte auch Premium. Durchschnitt nervt mich. Exzellenter, bewusster Konsum ist ein legitimer Lebensstil. Wenn man es nicht übertreibt. Und sich ab und zu die privilegierte Langeweile bewusst macht, die einem dazu verhilft.
Folgender Absatz trifft uns jedenfalls zwischen die Augen:

In den vorigen zehn Jahren hat sich die Kennerschaft auf Käse, Olivenöl, Espressobohnen und fast alles Essbare ausgeweitet. Inzwischen gilt es, auch in Zahnpasta- und Waschmittelfragen Kennerschaft zu beweisen und noch viel mehr bei allem, was dauerhaft in der Wohnung gebraucht wird. Es hat sich eine neue Klasse gebildet: die der Besserbürger. Es genügt keinesfalls mehr, in ein Kaufhaus zu gehen (lebe wohl, liebes Karstadt!), um eine Auflaufform zu kaufen, weil man eine Auflaufform braucht. Stattdessen werden Blogs gelesen, Magazine durchblättert, und am Ende wird irgendwo in Japan oder einer Emaille-Fabrik im Allgäu bestellt (bloß nicht bei Manufactum, das ist ja nur der neue Quelle-Katalog).

 

My Social Sherpa: Pranking My Roommate With Eerily Targeted Facebook Ads

Gemein und gut. Wir haben mal dem gesamten Freundeskreis zu Uni-Zeiten personalisierte Exmatrikulationen geschickt. Das war nur halb so gemein.

“I was going to target him with highly personalized messages that were focused on things Facebook truly shouldn’t know about his personal life – things that weren’t even online, let alone on Facebook. The goal, to make him unbelievably paranoid.”

 

How Apple Just Reset Your Privacy — Medium

Interessante These: Mit Multi-Faktoren-Authentifizierung durch Fingerabdrücke und NFC usw. wird “Privacy” mehr, nicht weniger. Attacken wie Celebgate werden schwieriger, da die allzu anfälligen Passwörter Unterstützung bekommen. Der Autor ist Amerikaner, hat also eine andere Definition von “Privacy”, was mit “Privatheit” so mittelgut übersetzt werden kann. Der Sicherheitsaspekt, also der Schutz gegen externe, kriminelle Missbräuche, mag gestärkt werden. Was Apple mit den neu anfallenden Daten macht? Kein Wort dazu. Na ja.
Aber an sich gut finde ich, jetzt nicht altväterlich aufzuschreien, wenn Geräte die Authentifizierung durch Fingerabdrücke in den Massenmarkt einführen, sondern darüber zu sprechen, was das dem Nutzer bringt. Und ob es das wert ist.
(Passend dazu: Apple gibt angeblich Daten von Geräten nicht mehr an Ermittlungsbehörden raus – es sei denn sie liegen in der Cloud.)

 

Der Bettenlager-Rap – YouTube

Ach, Postmoderne. Alles changiert so schön zwischen ernsthaften Trash und Ironie. Einfach genießen.

 

Links am 16.9.14

 Caspar C. Mierau: “Was die AfD sagt – was die AfD meint” – warum es mehr braucht als Popcorn in der Auseinandersetzung mit der AfD

“Jeder mediale Angriff – wie ihn Parteien in einer Demokratie aushalten müssen – stärkt unter dieser Voraussetzung den inneren Zusammenhalt und die eigene Position, statt sie zu schädigen.”

Aber ein bisschen komödiantisch auf die Trollpartei draufhauen – das muss aus Gründen der Psychohygiene erlaubt sein?

 

Begründung zum Austritt aus der AfD | Blogging about stuff that matters (to me)

Michaela Merz tritt aus der AfD aus. Warum, ist denkwürdig.

“Die AfD ist zu einer konservativen Partei rechts der CDU geworden. Und diese Reise von einer Partei der Mitte hin zu einer identitären Bewegung mit einer „historische Mission“ ist aus meiner Sicht noch lange nicht zu Ende.”

Anmerkung: Deswegen ist bloggen toll.

 

U.S. Pushes Back Against Warnings That ISIS Plans to Enter From Mexico – NYTimes.com

“On Fox News on Monday, a county sheriff in Texas said he had received reports that Qurans and Muslim clothing had been found on smuggling routes. He said that was evidence that Muslims had been smuggled into the United States.”

Nach so einem Artikel fühlt man sich im herbstlich-irren AfD-Deutschland wie in einer wohlig-warmen Badewanne der Vernunft.

 

Illegal? Irrational? Irrelevant? Obama’s Isis address falls down on every front | World news | theguardian.com

Obamas Rede zu den neuerlichen Bombs over Baghdad mal durchanalysiert. Interessant.

 

Algorithmen – Die unheimlichen Herrscher der Onlinewelt – Nachrichten Wissenschaft – DIE WELT.

Ein kundiger, unaufgeregter, eher die Aufregung persiflierender Artikel über das Schreckgespenst Algorithmen. Warum ist es so schwer, solche Texte über das Digitale zu schreiben?

“Hinter Daniel Schneider, an der Wand aus nacktem Beton im Plattenbaubüro von Zalando in Berlin, hängt ein Poster, auf dem steht: “Was du nicht messen kannst, das existiert nicht.”

Hilfe, denkt man, aber vor dem Poster erinnert Schneider an die Welt, in der Händler keine mathematischen Formeln benutzen, um Kleidung zu verkaufen. Eine ihrer Benutzeroberflächen, wenn man so will, ist das Kaufhaus. Auch dort überlassen Verkaufsleiter die Dinge ungern dem Zufall. Sie hängen im Herbst die Trenchcoats an die Puppen, sie platzieren die Schals auf dem Weg zur Kasse.

Daniel Schneider sagt, dass er auch nichts anderes mache.”

 

Shoshana Zuboff: Unsere Zukunft mit „Big Data“: Lasst euch nicht enteignen! – FAZ

Teilweise lesenswert, wenn auch an zwei Stellen, zu Anfang, eher Quatsch:

“Ich habe die Deutung vorgeschlagen, dass der iPod für das Zeitalter des Internets das ist, was der Ford Model T für das Zeitalter der Massenproduktion war. Aber was eine Epoche ausmacht, ist mehr als ihre Technologie.”

Das wird nicht weiter ausgeführt, aber ich denke sie meint, dass… ach, egal. Ein Vergleich muss sitzen, nicht erklärt werden. Weiter geht es mit:

Aber was eine Epoche ausmacht, ist mehr als ihre Technologie. Zum Beispiel waren im Zeitalter der Massenproduktion Maschinen nicht alles. Erstens setzte die Massenproduktion Angestellte und Konsumenten voraus. Menschen bedeuteten etwas.

Meint sie damit, dass Menschen heute keine Bedeutung haben? Wo kommen dann all die Daten her, über die wir bei Big Data reden? Später dann:

“In der Vergangenheit bildeten Bevölkerungen ein Reservoir von Angestellten und Konsumenten. Im Überwachungskapitalismus werden die Bevölkerungen nicht mehr angestellt oder bedient. Stattdessen sollen ihre Verhaltensdaten abgeschöpft werden.”

Danach habe ich erstmal aufgegeben. Der Text ist ewig lang, voller falscher Setzungen und so unterhaltsam geschrieben wie ein Strafzettel. Man muss sich nicht alles antun, oder? Ich habe runtergescrollt und den Schluss gelesen:

“Behalten Sie Ihren Mut. Wir stehen erst am Anfang und es stimmt, dass Anfänge furchteinflößend sind. Aber, wie Hannah Arendt es formuliert hat, mutet jeder Anfang aus der Perspektive der Prozesse, die er unterbricht, wie ein Wunder an. Die Begabung, Wunder zu tun, ist überaus menschlich, so ihre Argumentation, weil sie die Quelle aller Freiheit ist. Mögen wir gemeinsam Frank Schirrmachers Erbe weiterführen, indem wir uns an der Schaffung vieler großartiger und schöner neuer Tatsachen beteiligen, welche die digitale Zukunft als Heimat der Menschheit zurückgewinnen.”

Yo. Alles wird gut, wenn wir nur wollen. Und bessere Texte schreiben.

Links am 15.9.14


Thomas Müller, World Cup-winner? ‘Oh, he’s quite good after all’  | The Observer

Zu Wochenbeginn etwas leichtes, ein wenig Fußball. Ein Interview mit dem schlauesten Spieler der Welt. Prof. Dr. Thomas Müller weiß:

“Football was “like nature”, he says. “You have to adapt and find your niche, in terms of the type of player you can become, both on and off the pitch. I always knew I’d have no chance against a 1.90m, 90kg defender in a duel, so the key is to avoid these situations altogether. You have to pick your space and time.”

 

Deutschlandkarte: Orte, die nach Fußball klingen

Bolzen! Da muss ich mal hin. Gab es schon mal die Deutschlandkarte mit den albernen Sex-Referenzen? Ein Nachbarort meines Geburtsortes hätte schon gewonnen: Sexau. Ja, genau so.

 

Warum die AfD in Brandenburg so gut abgeschnitten hat – Süddeutsche.de

Angst. Die AfD ist die Partei der Angst. Und dabei nur ein Aufstoßen de gesellschaftlichen Fortschritts.

“Die AfD komme bei den Menschen besonders an, die sich mit ihren Sorgen von den anderen Parteien alleingelassen fühlen, sagt Niedermayer. Die sich als Verlierer der globalisierten Welt empfinden und sich – links wie rechts – zurücksehnen in die gute alte Zeit.”

 

Watch Each of the Last Four U.S. Presidents Announce That We’re Bombing Iraq – Reason.com

Bombs over Baghdad: Die letzten vier amerikanische Präsidenten führten Krieg im Irak. Ich hab das mal in einem Video zusammengefasst.

 

Meet the Female Recruiters of ISIS — NYMag

Befremdlicher Einblick in die (online-)Welt weiblicher, westlicher ISIS-Fanatikerinnen. Wie sehr müssen sich Menschen nach einem Sinn und einer Aufgabe und einem Platz in der Welt sehnen?

“ISIS propaganda and hopes about becoming a martyr are punctuated with teen internet slang — “#lol,” “tbh” — and emoji. She writes about being a wife and aspiring to become a mother, and bringing up the next generation of mujahids, or jihadis.”

 

Lu Wei: the internet must have brakes – China Media Project

Ein denkwürdiger Internetvergleich kommt ausgerechnet aus China:

““The internet is like a car,” said Lu Wei. “If it has no brakes, it doesn’t matter how fast the car is capable of traveling, once it gets on the highway you can imagine what the end result will be. And so, no matter how advanced, all cars must have brakes.””

 

Hacked Celeb Pics Made Reddit Enough Cash to Run Its Servers for a Month | WIRED

Eine Antwort auf die Frage: “Wer verdient eigentlich an diesen Hacks?”

“In just six days, Reddit earned enough money from the nude pics scandal to power its servers for roughly a month, says John Menese, the 33-year-old creator of a Reddit sub-forum expressly launched to share the photos.”

 

Stellar: GCHQ hackte Rechnersystem eines deutschen Unternehmens – SPON

Ja. Zeigt die Opfer. Zeigt ihre Verwirrung, ihren Schock, ihren Schmerz. Zeigt die IT-Ingenieure, wie sie erfahren, dass sie ausspioniert und entblättert wurden. Dass den Geheimdiensten ihre Rechte nichts gelten. Zeigt die Opfer. Sie sind unsere toten Robbenbabys.

 

«Kommentarland» – bei Lesern zu Besuch – Schweizer Radio und Fernsehen

Das Schweizer Fernsehen war zu Besuch bei ihren Online-Kommentatoren, mit Kamera. Die Menschen erklären, wer sie sind und warum sie kommentieren.  Norddeutsche werden wenig vom Schwyzerdütsch verstehen, aber die Idee gilt. Und die Leute sagen gute, vernünftige Sachen. Glaube ich.

 

Dutch Girl Fakes a Trip to South East Asia – Gap Year

For five weeks Dutch student Zilla van den Born subjected her Facebook friends to the above, claiming to be travelling around South East Asia, when in reality she had never left her home city of Amsterdam. She went to extraordinary lengths to perpetuate the illusion, which was fed to her friends and family alike. The only person who knew the truth was her boyfriend.

Links am 12.9.14

 Yvonne Hofstetter: Der Angriff der Intelligenz | ZEIT ONLINE

Sehr gutes Interview. Sensibilisierend, aufklärend, ohne unvernünftig rumzuschimpfen. Frau Hofstetter scheint der Galileo Galilei unter den digitalen Gelehrten zu sein. Sie spricht auch als eine der wenigen nicht nur über all die Gefahren und bösen Mächte des Digitalen, sondern darüber, dass es sehr wohl möglich wäre, verantwortungsvoll zu programmieren (wie eben alles verantwortungsvoll möglich ist, auch zu konstruieren oder zu onanieren – nur töten, töten geht nicht verantwortungsvoll, oder?):

 “Aber dies geschieht in der Regel nur, wenn man politischen Einfluss auf die Programmierung hat. Die ganz großen Datenbestände und Technologien für die Auswertung dieser Daten liegen derzeit aber in ganz wenigen Händen, die kein Datenschützer beaufsichtigen kann. (…) Wir brauchen eine Treuhandstelle, eine Aufsicht für Algorithmen.”

Komplett liest man das vorerst leider nur gedruckt im Feuilleton. Unter der Überschrift “Angriff der Maschinen”. Wann kommt eigentlich “Terminator 5”?

 

On Facebook, Nobody Knows You’re a Voter. Well, Almost Nobody | NYTimes.com

Passend dazu (ob die SPD jemals davon Wind bekommt?):

“Your Facebook profile doesn’t have boxes to check which political party you belong to or whether you voted in the last election. But political organizations who already know that can now deliver Facebook ads to fit your political preferences.”

 

Lie Witness News – New York Fashion Week 2014 – YouTube

Während der New Yorker Fashion Week zufällige Victims nach Quatsch-Marken zu fragen und zu sehen, wie sie sofort drauf einsteigen: Recht unterhaltsam.
Menschen aus der Mode scheinen ziemlich gute, spontane Lügner zu sein. Ihr Job mit all dem Chit-Chat verlangt es wahrscheinlich. Und Berufs-Experten müssen immer so tun, als wüssten sie Bescheid, egal ob aus Mode oder nicht. Andererseits weiß man natürlich nicht, wie viele den Reporter für irre erklärt und mit einem Goodie-Bag geschlagen haben.

 

 Thomas Strobl – Günther Oettinger wird Kommissar für Digitale | Facebook 

“Mit Günther Oettinger haben wir einen kurzen Draht aus Baden-Württemberg nach Europa. Mit seinem künftigen Bereich bearbeitet er ein Feld, das für die Zukunft Europas und für die Zukunft Deutschlands von entscheidender Bedeutung ist. Der digitale Wandel wird die Arbeitswelt revolutionieren und weitreichende Veränderungen in der Wirtschaft, im alltäglichen Leben der Menschen, für die Arbeitsplätze nach sich ziehen. Diesen Wandel gilt es zu gestalten, wir müssen die Chancen nutzen und uns den Herausforderungen stellen.”

Blablabla. So klingt das also, wenn Politiker mit ihren Wählern auf Augenhöhe kommunizieren. Na ja, liegt vielleicht auch am Sujet.

 

 Konstantin von Notz: NSA-Affäre ist noch lange nicht beendet | DIE WELT

“Angela Merkel läuft mit ihrem Schweigen und ihrer Ignoranz Gefahr, final einen Makel zu bekommen. Kohls Spendenaffäre, Schröders lupenreine Putin- und Gazprom-Nähe, und Frau Merkel? Sie hat derzeit große Chancen, als die Regierungschefin in die Geschichtsbücher einzugehen, die im entscheidenden Moment versagte, als es darum ging zu verteidigen, was wir Deutsche ganz überwiegend geschenkt bekamen, wofür in Wahrheit aber Menschen jahrhundertelang unter großen Opfern kämpften und was bis vor Kurzem den gemeinsamen Wertekanon demokratischer Staaten westlicher Prägung ausmachte.”

Ich glaube, dass die Kanzlerschaft der erfolgreichen, beliebten, mächtigen Angela Merkel mit etwas Abstand anders bewerten wird. Abgesehen von den subtilen, langfristigen Effekten ihres maximalopportunistischen  “Politikstils” auf Demokratieverständnis und politisches Selbstbewusstsein der Menschen – das Versagen der Regierung Merkel, ihre persönliche Ignoranz der Themen von historischer Tragweite, ihr Schweigen zu Snowden, NSA und Totalüberwachung wird umso lauter tönen, wenn sich der Nebel verzogen hat.

 

Italian police bust fraudster for fake bottles of wine | The Slate

Was für Schweine:

“Italian police this week managed to pull the plug on what authorities in the country are calling the biggest wine fraud ever carried out in the wine-loving nation, when a scam artist managed to sell what amounted to a whopping 220,000 fake bottles of pricey Montalcino red wine.”

 

Und zum Wochenende covert Friedemann Weise endlich Andreas Bourani: