Rilke

Archaischer Torso Apollos

Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt,
darin die Augenäpfel reiften. Aber
sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber,
in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,

sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug
der Brust dich blenden, und im leisen Drehen
der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen
zu jener Mitte, die die Zeugung trug.

Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz
unter der Schultern durchsichtigem Sturz
und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;

und bräche nicht aus allen seinen Rändern
aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle,
die dich nicht sieht. Du musst dein Leben ändern.

Rainer Maria Rilke, Frühsommer 1908, Paris

Word Portraits

Genau das richtige für mich: Große Literaten mit Zitaten aus ihren eigenen Werken gezeichnet. Der Buchstabenwald auf Obamas Kopf ist jedoch schwer zu lesen. Man kommt also leider nicht um die Originalwerke herum, liebe Blender.

Samuell Beckett – Waiting for Godot


Barrack Obama – A More Perfect Union

 

Dante – Inferno

 

James Joyce – Ulysses

Copyright John Sokol, via Ignant.

Collage culturel

Die Video-Plattform ARTE Creative möchte “your network for contemporary culture” sein, genauer: “ARTE Creative ist ein internationales, redaktionell betreutes und interaktives Netzwerk für Künstler, Kulturproduzenten und alle, die sich gerne überraschen und inspirieren lassen. Das Portal präsentiert qualitativ herausragende Arbeiten aus den Bereichen Kunst, Film, Popkultur, Design und Architektur. “

Die dort stattfindende Serie Collage culturel beispielsweise beleuchtet die Samplingkultur, in der aktuellen Folge (Video unten, erste Folge hier) mit Blick auf den Mash-Up Helden DJ Shir Khan. Das ist sehr interessant und von einer extrem geschmeidigen weiblichen Stimme erzählt. Ich zitiere:

Nicht nur in der Musik sind Sampling, Collage und Remix anzutreffen. Remixen ist die prägende Kulturtechnik des 21. Jahrhunderts. ‘Collage culturel’ begibt sich auf die Suche nach der perfekten Verbindung der Stile, dem perfektem Beat und der perfekten Collage.

Sicherlich ebenso sehenswert sind die Videoportraits kreativer Persönlichkeiten und ihrer Projekte, die der Kollege Clemens aka Ignant unter dem Titel “Wørk in Progress” auf ARTE Creative präsentiert (Skype-Interview mit ihm hier).

Tanzt, sonst sind wir verloren

Ich bin kein Connaisseur der Tanzkunst. Und trotzdem faszinieren mich die Bilder, die Wim Wenders für die verstorbene Choreographin Pina Bausch inszeniert hat.

PINA ist ein abendfüllender Tanzfilm in 3D mit dem Ensemble des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch und der mitreißenden, einzigartigen Kunst seiner großen, im Sommer 2009 verstorbenen Choreographin. PINA ist ein Film für Pina Bausch von Wim Wenders. Er lädt die Zuschauer ein auf eine sinnliche, bildgewaltige Entdeckungsreise in eine neue Dimension: mitten hinein auf die Bühne des legendären Ensembles und mit den Tänzern hinaus aus dem Theater in die Stadt und das Umland von Wuppertal – den Ort, der 35 Jahre für Pina Bausch Heimat und Zentrum ihres kreativen Schaffens war.

Ich plädiere immer für Horizonterweiterung in jede denkbare Richtung – vielleicht ist dieser Film meine nächste:

Banksy: Enter Through the Stall Door

Großartige Fortsetzung von Banksy: Enter Through the Stall Door. Ein aufstrebender Street Artist namens Stall stellt die Kunstwelt auf den Kopf, indem er einfach alles “gay” nennt. Und ich frage mich wie so oft: Warum schafft es in Deutschland keiner, handwerklich saubere Persiflagen mit Herz und Hirn zu machen, statt immer nur platt zu verarschen?

The Future of Art

Wenn man wie ich momentan nicht die Zeit hat, um zu schreiben, was man gerne schreiben würde, nicht mal die Zeit hat, zu lesen, was man gerne lesen würde, vielleicht nicht mal genug Zeit hat, um zu denken, was man so zu denken hätte, dann lässt man einfach andere Leute für sich sprechen. Schlaue Leute mit einer Haltung und Ideen und Meinungen, bestenfalls zu einem Thema, das relevant erscheint; Menschen, deren profunde oder auch nur provokante Aussagen positiv auf einen selbst abstrahlen. Und man spart sich nonchalant die Reflektion des Materials, ganz so, als wäre man zu weise, um alles und jeden zu kommentieren, verweist auf die Zukunft, in der Zeit sowieso keinen Faktor mehr darstellt, und zieht sich wieder zurück.

Diese kurze Dokumentation, gefilmt auf der Transmediale 2011 in Berlin, lässt einige der “leading digital artists” (Liste der Protagonisten auf Vimeo) zu Wort kommen, die über die Zukunft der Kunst sprechen: “What are the defining aesthetics of art in the networked era? How is mass collaboration changing notions of ownership in art? How does micropatronage change the way artists produce and distribute artwork?”


Via MMM.

How to sell a Banksy

“Banksy’s work now reportedly changes hands for millions. But he puts up his street art for free. Have you ever wondered what would happen if you got your hands on one of these? Does it mean you’ve found a winning lottery ticket or just scraped some worthless crap off a wall? Going up against the Art Establishment, Critics, Auction Houses, Gallery Owners and Authentication Boards in a quest for the elusive meal ticket, two filmmakers unwittingly gatecrash the murky and protective world of Banksy.

How to sell a Banksy raises questions of ownership, authentication and the true value of art itself. Through all the chaos and incompetence comes a modern-day, true-story, crime-theft, comedy-caper.”

Via Ignant bei FB.