Texte 09/15: Auf lauten Sohlen

Für die ZEIT habe Oliver Reichert, CEO von Birkenstock porträtiert. Das war am 24.9. in der Zeitung. Und ich musste die Seite hinter einer Bühne fotografieren, deshalb das dubiose Licht. Hier bei Blendle zu kaufen.

reichert_zeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im August habe ich einiges für die Süddeutsche Zeitung geschrieben, weil ich den Helten Chris in seiner Elternzeit bei jetzt.de vertreten durfte. Eine Auswahl (erschienen im Print und/oder online):

Die Brücke. 24 sommerliche Stunden im Herzen des jungen Münchner Lebens, der Reichenbachbrücke.

Warum macht Ihr nicht den Mund auf? Ein wütender Kommentar, als Flüchtlingsheime brannten, aber Politiker schwiegen. Inzwischen zum Glück leicht überholt.

Die Aussprache-Streber. Warum manche Menschen spanischer sprechen müssen als die Spanier.

Laut ist Trumpf. Gag-Schreiber Ralf Kabelka (Harald Shcmidt Show, heuteshow) erklärt mir, warum Donald Trump so lustig ist.

Alles wird gut. Ein Oxford-Ökonom zeigt mit Daten, dass die Welt immer besser wird.

Dagobert

Bildschirmfoto 2015-03-28 um 09.22.22

Genau hier. Dagobert zögert keine Sekunde, setzt seinen Finger ruhig auf die ausgedruckte Karte. «Genau hier steht die Hütte», sagt er und lächelt leise.
Jene Hütte,
in die er sich zurückzog, um mit gebrochenem Herzen seine Liebeslieder zu schreiben. Bis fünf Jahre später die Plattenbosse in Limousinen vorfuhren.
«W
ie es jetzt da wohl aussieht?», fragt er und verstummt, scheint in seinem Kopf zu kramen, nach Bildern von damals. Da ahne ich, dass vielleicht doch alles die Wahrheit sein könnte. Kein modernes Märchen, um mehr Platten zu verkaufen.
Denn als d
ieser Dagobert vor zwei Jahren wie ein musikalischer Kaspar Hauser aus dem Nichts die Bühne der deutschsprachigen Musik betrat, wussten die Beobachter nicht, was sie zuerst anzweifeln sollten: Die todernst vorgetragenen Schnulzen? Die altmodischen Klamotten? Oder die unglaubliche Geschichte von der Berghütte, in der er angeblich jahrelang in völliger Einsamkeit vor sich hinkomponiert hat, um dann herabzusteigen und Liebeslieder zu singen – anders, echter, härter als alle deutschen Liebeslieder, die man kannte?
Musste der Typ n
icht Fake sein?
War er n
icht zu schön, mit seinem Frack und dem Model-Gesicht und der rätselhaften Vergangenheit? Zu schön, um wahr zu sein – so wie die Geschichte von der einsamen Hütte?
«Ich würde gern mal w
ieder dorthin», sagt Dagobert, als ich ihm vorschlage, zusammen auf sei
nen Berg zu fahren.

Die ganze Geschichte gibt es hier (PDF von Das Magazin, bitte auf Seite 16 scrollen).

Weihnachten

Im Winter 1948 befand sich mein Großvater Paul Theodor (*1917,  2005) in russischer Kriegsgefangenschaft.
Meine Großmutter Brigitte Henriette (*1921,  2012) lebte mit ihrer gemeinsamen Tochter Ulrike (*1944) in Kusel.
Ihre Briefe von damals sind erhalten. Zur Zeit überlegt die Familie, wie wir diese Schätze angemessen dokumentieren und ggfs. veröffentlichen können. Sätze wie diese vom Großvater…

So vergehen unsere Tage, in drei Wochen ist Weihnachten und langsam geht das Jahr 1948  – das Jahr unserer großen Hoffnung – zu Ende. Aber unsere Hoffnung auf ein baldiges gesundes Wiedersehen wollen wir uns dennoch nicht nehmen lassen. So ist mein größter Wunsch zum neuen Jahre dass Du Dir bitte um mich keine Sorgen machst. Ich werde es schaffen hier und bis zum guten Ende – wenn auch für uns einmal der Draht fällt – durchzuhalten.”

…klingen wie ein historischer Roman einer längst vergangenen Zeit. Und sind doch nur zwei Generationen entfernt. Man sollte sie nicht vergessen.

Jedenfalls: Am 26.8.1949 kehrte Paul aus der Gefangenschaft heim. Zusammen hatten die beiden fünf Kinder, elf Enkel und aktuell fünf Urenkel.