Nach einer Woche #maskeauf

Ein Fazit wollte ich eigentlich schreiben, nach einer Woche #maskeauf, ein wenig Danke sagen und bisschen Optimismus verbreiten. Aber es ist wohl eher ein Aufruf geworden, vielleicht auch ein Hilferuf, und eine Erklärung, warum wir bald für drei Milliarden Menschen erreichbar sein wollen, warum das so wichtig ist, was wir dazu brauchen und warum wir es alleine nicht schaffen. Seit gestern habe ich viel darüber nachgedacht, ob ich hier teilen möchte, was bei uns und in mir vorgeht, ob ich um Hilfe bitten möchte. Ich will niemandem auf die Nerven gehen damit, wir sind alle mehr als genug mit Corona beschäftigt, es gibt genug spontane Hobby-Virologen. Manche von euch sind sicher schon gelangweilt von der ewigen Maskenpropaganda. Manche denken bestimmt, ich wäre jetzt endgültig größenwahnsinnig und sollte lieber die Klappe halten. Fair enough. Ehrlich, ich kann es ja selber schon nicht mehr hören.

Ich wollte nie so etwas wie „Aktivist” sein und ich will es auch nicht nochmal werden. Ich hab’s nicht so mit Pathos und der großen Weltrettung. Ich würde auch lieber lesen, schreiben, Netflix leerschauen und ja, ich würde auch lieber die Klappe halten. Mache ich, versprochen. Sobald wir unsere Ziele erreicht haben. Und die möchte ich hier einmal kurz erklären. Weil ihr dann vielleicht versteht, warum wir uns so in dieses leidige Maskenthema verbeißen.

Bis jetzt, das ist die gute Nachricht, haben wir über #maskeauf und maskeauf.de Millionen Deutsche erreicht, die zehntausende Bilder mit selbstgemachten Masken gepostet haben. Innerhalb weniger Tage, mit einer Handvoll Freiwilliger, ohne jedes Budget. Dank unserer prominenter UnterstützerInnen und vielen spontaner HelferInnen war #maskeauf in fast allen großen Medien – und wurde dabei  bisher weder verklagt noch beshitstormt. Mehr und mehr ExpertInnen sprechen sich öffentlich dafür aus, JournalistInnen berichten, PolitikerInnen hören (hoffentlich) zu. Wir glauben deshalb mehr denn je daran, dass die DIY-Masken einen Unterschied im Kampf gegen Corona machen können und auch bald werden. Es ist wunderschön zu sehen, wie viele Menschen sich engagieren, und wir sind dankbar für jeden, der es mit uns tut. Soweit die gute Nachricht.

Jetzt die schlechte.

Immer, wenn ich nach 16 Stunden Arbeit nachts auf dem Sofa liege und nichts mehr kann, außer die berühmten Kurven der Johns Hopkins Universität anzustarren, suche ich nach so etwas wie Hoffnung. Ich klicke mich von den USA, Italien, Deutschland die Liste runter, genau 177 Länder lang. Das wird schnell langweilig, denn von den 177 Ländern zeigen die ersten 150, von der Slowakei bis Bahrain, von Kambodscha bis Kolumbien fast alle die gleiche Kurve wie wir hier. Sie sind vielleicht eine Woche hinter uns, also mit weniger Infizierten in absoluten Zahlen, ergo auch weniger Toten. Ansonsten sehen sich ihre Kurven zum Verwechseln ähnlich. Wärme und UV-Strahlen stoppen das Virus offenbar nicht, siehe Vietnam oder Venezuela oder Südafrika. Die exponentielle Phase ist fast überall auf der Welt erreicht. Das bedeutet: In 150 Ländern geht die Kurve nach oben, und immer nur nach oben. Und in vermutlich 148 davon ist die Versorgung schlechter als hier. In vielen so katastrophal schlecht, dass man keine Sekunde darüber nachdenken will, was passiert, wenn der Virus in Bangladesh oder Indonesien so heftig ausbricht wie in Norditalien. Und dann denke ich: wir tun mit #maskeauf vielleicht das richtige. Aber am falschen Ort. Sagt mir bitte, wenn ich spinne… aber ich glaube inzwischen fest: die ganze Welt muss die Maske aufsetzen. So schnell wie möglich.

Hier in Deutschland, einem der reichsten, privilegiertesten, freiesten Länder der Welt wird uns schon nach ein paar Tagen klar, dass die aktuelle Art von „Shutdown“ massive soziale, wirtschaftliche, psychologische Schäden bedeutet. Menschen leiden, jetzt schon, und es wird nur schlimmer. Vieles, was uns lieb ist, geht gerade kaputt. Uns allen ist glaube ich bewusst, dass wir das nicht lange aushalten können und wollen. Dass es Opfer geben wird, auch außerhalb der Krankenhäuser. Durch Depressionen, Pleiten und Gewalt. Wir müssen eine Alternative zu den drastischen kollektiven Restriktionen finden. Und zwar nicht nur wir, sondern all diese Länder, in denen ein Shutdown sicher nicht weniger schlimm wirkt als bei uns. Wenn wir nicht handeln, und zwar weltweit, wird Corona direkte und indirekte Opfer fordern, viel mehr, als wir bisher gesehen haben, viel mehr, als wir uns vorstellen können. In Indien gilt die Ausgangssperre seit vergangener Woche für 1,3 Milliarden Menschen. Das ist Deutschland mal 17. Man muss nicht dort gewesen sein, um zu wissen, wie katastrophal die hygienischen Verhältnisse teilweise sind. „Nicht auszumalen“ ist eine Redensart, die ich mir inzwischen verboten habe. Wenn wir stattdessen etwas tun können, müssen wir es jetzt tun.

Wir haben mit #maskeauf in den vergangenen Tagen ein bisschen was erreicht. Aber noch viel mehr gelernt. Wir wissen ungefähr, wie man Menschen von der Maske überzeugt, wie man einfache Masken bastelt und einsetzt. Wir haben dadurch eine kleine, große Chance: wenn wir schnell genug das, was wir hier gerade zu kommunizieren versuchen, in alle Ecken der Welt bringen, dann können wir das Virus vielleicht einholen. Dann können wir sehr, sehr vielen Menschen dabei helfen, rechtzeitig irgendeine Form von Maske aufzusetzen.

Deshalb haben wir im Laufe der Woche beschlossen, dass wir uns neben der deutschen Kampagne, der politischen Überzeugungsarbeit und der Verbesserung unseres bisherigen Angebotes vor allem um eins kümmern wollen: so schnell wie möglich so effektiv wie möglich internationalisieren. Professionelle ÜbersetzerInnen haben (pro Bono) schon sechs Sprachen geschafft, mehr sind in Arbeit. Ende der Woche also könnten wir (wenn ich mich nicht verrechne)  über drei Milliarden Menschen weltweit erreichen, auf Russisch, Portugiesisch, Arabisch, Farsi, Hindi, Hebräisch und so weiter. Dazu bauen wir simpelstmögliche grafische Anleitungen, die überall verstanden und geteilt werden können, auch von Menschen, die schlecht oder gar nicht lesen können. Diese Sharepics lassen wir bereits von erfahrenem NGO-Personal, das aktuell „im Feld“ in Sambia, Indien und Südafrika arbeitet, testen und verbessern.

Und gleichzeitig denken wir: wenn Deutschland umschwenkt, werden viele Länder folgen, viele Menschen überall die selbstgemachten Masken schnell kennenlernen und sie wie selbstverständlich tragen. Also müssen wir gleichzeitig hier noch mehr arbeiten als bisher, um so etwas wie eine Signalwirkung, einen „Made in Germany“-Effekt für das Modell „kollektives Maskentragen” zu schaffen. Unsere Hypothese: Wenn Deutschland Maske trägt, werden andere Länder folgen. Wir hätten längst von den asiatischen Ländern lernen sollen. Aber wir haben vielleicht noch eine Chance, diese Lektion nachzuholen und weiterzutragen. Dabei zählt, das sehen wir an Italien, New York und Iran, jeder Tag.

Das alles kostet unheimlich Kraft. Wir alle haben so etwas alle noch nie gemacht. Wir sind nur wenige Menschen. Meine gute Freundin Christiane Stenger und ich sind die einzigen, die Vollzeit helfen können. Viele andere tun, was sie können, und das bewundernswert zuverlässig und ohne jede Klage. Aber selbst mit Unterstützung arbeiten Christiane und ich seit neun Tagen bis zur Erschöpfung. Noch lachen wir viel und freuen uns, wenn was klappt. Früher oder später aber gehen uns die Kräfte aus. Wir brauchen also jetzt eure Hilfe. Wir brauchen ganz konkret: GrafikerInnen, WebdesignerInnen, Social-Media-HelferInnen und immer gerne Leute, die gut recherchieren und ein wenig schreiben können. Wir sammeln momentan Näh-Initiativen im ganzen Land, um sie mit der Nachfrage zu verknüpfen, auch dabei brauchen wir Unterstützung. Wir brauchen LektorInnen und CutterInnen, JuristInnen und medizinische BeraterInnen. Aber vor allem brauchen wir Leute, die in der Entwicklungshilfe oder ähnlichem gearbeitet haben und uns helfen machen können, nicht zu viele Fehler dort zu machen, wo die Zeit am meisten drängt.

Wir können die halbe Welt nicht einfach vor die Wand fahren lassen und noch dabei zusehen. Niemand kann ernsthaft glauben, dass diese Pandemie schon irgendwie glimpflich ausgehen wird, wenn wir nichts tun. Die selbstgebastelte Maske, so bescheuert es manchmal klingt, ist die beste, machbarste Option, die wir kennen. Wenn ihr das ähnlich seht, meldet euch bitte, bitte bei mir.

Lasst uns schneller sein als das Virus.

Vielen Dank und bleibt gesund, wie man heute so sagt.

Bilder von Paul Ripke

„Wir brauchen Licht“, sagt Paul. Also gehen wir aus dem Hof, raus auf die Straße. Es ist viertel vor acht. Fünfzehn Minuten bis zur Vorstellung. „Wir haben zehn Minuten.” Wir schauen uns um. „Können wir da hoch?“ Ein Parkhaus. Wir gehen rein, Fahrstuhl, sechster Stock, oben: Kein Auto. Dafür Sonne, goldene, fette, süddeutsche Julisonne. Schießt quer über den Asphalt des Parkdecks, quer über die Stadt, bis rüber in die Alpen.
„Guck einfach, den Rest mache ich“, sagt er.
Um zwei vor acht sind wir wieder drinnen.
„Okkasionsparasit“, sagt Gerhard Polt zu ihm.

(Alle Bilder by Paul Ripke)

 

Wie wir lieben. Und davon erzählen.

“Timing ist keine Stadt in China”, pflegte meine Oma zu sagen. Sie hatte Recht. Timing ist alles. Besonders für ein Buch. Zündet ein Irrer kurz vorher eine Bombe oder wird ein anderer Irrer kurz vorher zum Präsident einer USA gewählt, haben die Leute eben anderes zu tun und denken als irgendein Buch (es sei denn, man hat ausgerechnet über die Bombe oder den Irren geschrieben, dann Jackpot). Oder gerade weil alles so ein bisschen irre ist, finden sie ein Buch über die Liebe gut. Hab ich wohl Glück gehabt.
Am 17.2.17 erschien mein Buch “Wie wir lieben. Vom Ende der Monogamie”. Seitdem habe ich viel davon erzählen dürfen. Und zwar hier:

PRINT/ONLINE:

“Vorabdruck” bei vice.com: “Ein Paar erzählt von seiner offenen Beziehung”

Vorabdruck in der Cosmopolitan.

“Die endgültige Emanzipation” im Spiegel.

Interview in der WELT: “Monogamie ist das kranke Modell.” (…das habe ich so nie gesagt, natürlich, aber ist nicht so wichtig.)

Essay bei jetzt.de: “Kann die Monogamie weg?”

“Streitschrift” im Playboy über Monogamie.

Rezension auf ZEIT Online: “Paar dich lieber paleo”

Interview auf zeitjung.de: “Ich fände es wichtig, dass sich alle mal locker machen.”

“Buch der Woche” beim Freitag

“Parteiische Lobeshymne” bei der Huffington Post

“Lesetipp” bei der Badischen Zeitung

“Die einzige Möglichkeit, dei ewige Liebe zu retten?” bei Puls.de

“Besser Lieben” beim Donna Magazin

“Paar dich lieber Paleo” auf ZEITonline

Diverse Rezensionen auf “Was liest du”

“Liebe an der langen Leine” im General Anzeiger Bonn

“In Zeiten moderner Liebe” in “Die Presse”, Österreich

“Monogamie ist ein Desaster” auf stern.de

Steinzeit-Beziehungen für moderne Paare, FM4

“Schon entschnuckelt? Eine Chance für die Liebe”, Jörg Thadeusz in der Berliner Morgenpost

Interview in Hannoversche Allgemeine Zeitung

 

RADIO/AUDIO:

“1Live der Talk” feat. Thomas, Protagonist aus dem Buch

“Eine Stunde Liebe” bei Dradio Wissen

Interview bei “Mensch, Otto!” auf BR3

Interview bei MDR Sputnik

Erwähnung im Zündfunk, Interview bei Puls

Buchtipp bei RBB Radio Fritz

Interview für “Oh, Baby!” (Podcast)

Interview bei Trackback RBB Radio Fritz

 

TV/VIDEO:

Ringlstetter, BR

Frühstücksfernsehen, SAT1

Markus Lanz, ZDF

Aspekte, ZDF

“Das blaue Sofa”, ZDF

Westart, WDR

Neue Deutsche Abendunterhaltung, rocketbeans.tv

Vortrag auf der re:publica 11: “Wie wir lieben. Die sexuelle Revolution 2.0.

Facebook-Live bei bunte.de

 

LESUNGEN:

Buchpremiere Bob Beaman München

Litpop zur Buchmesse Leipzig

Literaturbüro Haidhausen München

25hours Hotel Berlin

Hochschul- und Kreisbibliothek Bonn-Rhein-Sieg