Wie wir lieben – vom Ende der Monogamie

In einem Monat, am schönen Datum 17.2.17 erscheint “Wie wir lieben – vom Ende der Monogamie” bei Blumenbar (Aufbau Verlag).

Es wird einen Trisou auf dem Cover zeigen, also einen Kuss zu dritt. Deshalb erinnert es (mich) an das Cover von “Blood Sugar Sex Magik” der Red Hot Chili Peppers. Laut kundiger Menschen (und mir) eines der besten, einflussreichsten Alben der 90er.

Und blau und rot ist es auch, meine Lieblingsfarben, richtig schön auffällig – damit es auch JEDER SIEHT UND KAUFT!!
Ihr merkt: Ich bin sehr glücklich mit dem Cover. Andere Meinungen? Bueller?

WWL_Cover

Okay, genug gefreut – was steht da überhaupts drin???

Als Vorgeschmack ein Abschnitt aus dem Prolog:

“Die Menschen, die in diesem Buch von ihrer Liebe erzählen, haben genau das getan. Sie haben ein neues Wort für ihre Liebe gesucht, einen neuen Code, eine neue Chiffre, eine neue Erzählung. Sie haben sich geöffnet. Sie haben sich ihren Ängsten gestellt. Um sich selbst und ihre Träume zu finden.
Ihre Erzählungen sind wichtig, weil dieses Buch keine Werbung sein will für ein wie auch immer geartetes Konzept »offener«, freierer Liebe. Kein Handbuch, das erklären will, wie etwas funktioniert oder nicht.
Lieber erzählt dieses Buch von der Liebe. Denn nirgends und niemals versteht der Mensch so gut wie durch, in, mit guten Geschichten. Alles was wir wissen, lernen und lehren wir durch Beispiele, Storys, Vorbilder. Wir sind nichts anderes als Geschichten erzählende Affen. Erzählende, liebende, leidende Affen. Deshalb ist dieses Buch zuallererst eine Sammlung von Liebesgeschichten.”

Texte 08/16

Im Frühjahr 2017 erscheint beim Aufbau Verlag mein Buch über die offenen Beziehungen. Was ich sonst so die letzten Monate geschroben habe, eine Auswahl:

Dreht die Welt durch? Oder nur wir?

Das fragen sich ja momentan alle. Weil so viel passiert. Aber ist das wirklich so? War es früher besser? Kommt uns das alles nur so schlimm vor? Wegen die Medien? Drei Experten antworten.

 

Warum junge Politik die sozialen Medien nicht versteht (mit Liza Marie Niesmak)

Und warum ausgerechnet die Rechten es besser machen.

 

Unsere Aufmerksamkeit ist eine Waffe

“Terroristen, Amokläufer, Populisten, sonstige Idioten: Alle haben sie eines gemeinsam. Alle leben sie von unserer Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit ist damit heute nicht nur eine Währung, kostbarer als Gold. Sie ist auch unsere größte Schwäche. Und damit gleichzeitig: unsere mächtigste Waffe. Zeit, sie als solche zu begreifen und zu benutzen.”

 

Wir schaffen das?

“Es war der letzte Nachmittag im wärmsten August seit Beginn der Aufzeichnungen, als Angela Merkel sagte: „Wir schaffen das.“ Heute, ein Jahr danach, streitet das Land über diesen Satz, als hätte ihm die Kanzlerin zu seinem ersten Geburtstag ein kräftiges „Ihr Trottel!“ angehängt. Von Seehofer über Gabriel bis Gauck: Hartnäckig widersprechen die mächtigen Männer Deutschlands der Bundeskanzlerin. Und damit genau der Hälfte der Bevölkerung aus dem Herzen. Erst kürzlich verrieten 48 Prozent in einer Umfrage: „Ich stimme ihr ganz und gar nicht zu.“ Dieser Streit verschaffte den Fremdenfeinden und Rechtspopulisten mit ihrem „Merkel muss weg!“ zweistellige Wahlergebnisse.

Was ist das für 1 Satz: “Wir schaffen das”? Also: Wer ist „wir“? Was genau „schaffen“ wir – oder nicht? Und warum wecken diese drei Worte so viel Hass?”

 

Und dann noch zwei Interviews mit Sexualstrafrechtlerinnen. Einmal mit einer Anwältin, die Opfer vertritt. Einmal eine Anwältin, die Beschuldigte vertritt.

Ein Film

Liebling Maceo Plex spielt ein Boilerroom-Set aus dem Himmel. Aber das beste sind die Menschen, die um ihn herumtanzen.
Meine Favoriten:

1:30: Das Paar, was sich elegant ins Bild schiebt, zwei Minuten lang fast aufisst und dann verschwindet. Wohin wohl?

3:30: Der Mensch mit dem (LSD?-)Bepper auf der Stirn, der sehr viele obszöne Gesten macht und dann verschwindet, vielleicht ganz weit weg.

6:00: Die schöne Blonde halblinks mit dem güldenen Haar, die während eines Umschnitts der Kamera auf die Tanzfläche geschwebt zu sein scheint. Jede gute Party braucht einen Engel.

Auch bei 6:00 schwoft der sehr junge Technofreund mit der Chicago Bulls Kappe links ins Bild. Er wird in den nächsten Minuten immer wieder mal sehr glücklich zu sehen sein. Ab Minute 11:00 bekommt er sogar schlangentanzenden Besuch. Bei Minute 18:00 ist er endlich beim Engel angekommen.

Und die ganze Zeit: Der kleine Mann mit dem Fellum-Shirt rechts, der gerne neben dem Beat klatscht, wenn er sich nicht grade wundert, wo er ist. Beispielsweise bei Minute 12:00.

Lust zu Feiern.

 

 

 

Sandalen

Für das Schweizer “Das Magazin” habe ich die Sandalenmacher von Birkenstock besucht. Heraus kam eine Titel-Geschichte über Füße, Handwerk und Menschen, die ihre Birkenstocks auf youtube beerdigen. Ich selbst habe immer noch keine. Aber mein Widerstand bröckelt.
(Leider nur im ePaper des Magazins online)

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Blinder Fleck

Der Sozialpsychologe Harald Welzer ist ein sehr kluger Mann. In diesem Interview mit der Berliner Zeitung spricht er über “Angriffe auf die Medien, Gefahren des digitalen Totalitarismus und Formen des Widerstands – auch seine persönlichen. Verbraucher sieht er als nicht unerheblichen Teil des Systems.”

Der letzte Satz ist eine Tautologie: Natürlich sind Verbraucher ein erheblicher Teil des “Systems”, also der digitalen Informationswelt, in der es nur Anbieter, “Verbraucher” (oder besser: Benutzer) und Missbraucher gibt.
Die Frage ist: Wer ist verantwortlich für was?

Wenn Harald Welzer also über die Potenziale und Gefahren der Überwachung spricht, zieht er einen historischen Vergleich:

“Während die Gestapo oder die Stasi ihre Daten noch mühsam erheben mussten, brauchen die staatlichen Überwacher von heute sie bloß einzusammeln.”

Und:

“…gefährlich würde die Sache ja erst bei einem Regimewechsel, der den Rechtsstaat aus den Angeln hebt. Aber das ist falsch. Es braucht gar nicht den sichtbaren „Regimewechsel“, sondern nur den schleichenden Fall aller Schranken der Privatheit.”

Damit hat er präzise und eindrücklich beschrieben, was das Problem an staatlicher Massenüberwachung ist. Was schlägt er also vor?

“Wir sind Teil des Problems. Wir bejubeln jede beschissene App oder den Fernseher, der auf Sprachkommandos reagiert. Aber zugleich sind wir empört über Angriffe auf unsere Privatsphäre, obwohl wir den Angreifern Tür und Tor öffnen. Und das nur wegen ein paar alberner Bequemlichkeitsvorteile. Als wäre es das größte Problem, dass unser Leben zu unbequem ist.”

Und:

“Widerstand kostet. Schlimmstenfalls das Leben, wie wir aus der Geschichte wissen. Uns hingegen erscheint es schon als zu teuer bezahlt, wenn wir auf Whatsapp verzichten sollten. Obwohl wir wissen, dass wir uns mit jeder Message einer Totalüberwachung ausliefern.”

Ich finde das erstaunlich, und es ist nicht das erste Mal, dass dieser blinde Fleck auffällt: Kein Wort zu den Überwachern selbst. Kein Wort zur parlamentarischen Kontrolle unseres Geheimdienstes. Kein Wort zu einer politischen Lösung des Problems, so fern sie momentan auch scheinen mag. Sie “brauchen bloß noch einzusammeln”, als wären die Überwacher niedliche Tiere, die nunmal so sind, wie sie sind.

Auch brillante Intellektuelle wie Welzer scheint eine tiefe Hoffnungslosigkeit befallen zu haben, die wirklich drängenden Probleme politisch zu lösen. Er setzt technische Möglichkeit mit politischer Zwangsläufigkeit gleich. Er verkennt beileibe nicht die Bedrohung durch die digitale Totalüberwachung. Aber ihre Ursache.

Man möchte ihm zurufen: Ein nicht unerheblicher Teil des Systems sind die Verbraucher, stimmt. Der für die Misere verantwortliche Teil des Systems sind aber die Missbraucher. Staatliche Überwachung ist ein von unseren Steuergeldern finanzierter, von unserer demokratischen Vertretung legitimierter Angriff auf uns alle. Kein technologisch determinierter Automatismus. Keine logische Konsequenz eines fahrlässigen Lebensstils.
Irgendwo sitzen Menschen, von uns bezahlt, und entscheiden für Überwachung. Wir müssen sie finden und stoppen. Dann stoppt auch die Überwachung.

11136690_10152690842756927_32408252348297489_nQuelle: ZEITmagazin

Die Innenminister und Geheimdienstler dieser Welt werden immer mehr Überwachung fordern. So wie Finanzminister mehr Steuern wollen und Entwicklungsminister mehr Entwicklungshilfe. Das ist ihr Job. Und deswegen muss man ihnen immer wieder antworten: “Nein, wir wollen keine Überwachung.”

Was politisch verbockt wurde, kann nur politisch gelöst werden. Auch wenn es sehr weh tut, weil wir uns unserer Angst vor Terror stellen müssen. Auch wenn die Überwacher sehr zähen Widerstand leisten. Auch wenn es lange dauert.
Bei jeder Form von Polizeigewalt schreien wir auf, fordern Konsequenzen, persönliche und systemische, damit die Exekutive ihre Macht nicht missbrauchen kann. Und die Geheimdienste lassen wir machen?

Dieser blinde Fleck vieler Beobachter, über alles zu sprechen, aber nicht über die schmerzhafte Ursache des Überwachungsproblems – nämlich dass hinsichtlich Überwachung unsere Demokratie versagt hat und wir sie reparieren müssen – verhindert eine Lösung des Problems an sich. Keine Technikverweigerung wird die außer Kontrolle geratenen Überwacher ändern oder einfangen.

An die Verbraucher zu apellieren, ihre Smartphones wegzuschmeißen, ist genau die (intellektuelle) Bequemlichkeit, die Welzer ihnen vorwirft.

Fassung

Gregor Gysi spricht über Überwachung, Norbert Lammert antwortet spontan.

(Ausschnitt aus der 42. Sitzung des deutschen Bundestages, Video-Quelle, danke an B. Breimann)

“Im Unterschied zu Ihnen trage ich das [die Totalüberwachung der deutschen Bevölkerung, inklusive mir] mit Fassung, Herr Kollege Gysi.”

Gelächter, Applaus.

Diese kleine Szene zeigt: Die deutschen Bundestagsabgeordneten haben nichts verstanden, dafür aber gute Laune. Der Bundestagspräsident  bekommt Beifall und Belustigung für seine implizite Anerkennung der Unsouveränität des deutschen Bundestages gegenüber den Geheimdiensten. Der Querulant Gysi soll sich bitte beruhigen. Den Zwischenrufern, man versteht sie zum Glück nicht ganz, fällt dazu etwas wie “…vom russischen Geheimdienst oder von wem?” oder “…in der DDR auch nicht anders” ein. “Dann geh doch nach drüben” haben sie sich wohl nur gedacht.

Ist ja auch alles in bester Ordnung. Grundrechte werden von eigenen und ausländischen Geheimdiensten massenhaft und systematisch gebrochen. Die deutsche Regierung und das deutsche Parlament wurden mehrmals von ihren “Verbündeten” lächerlich gemacht. Eine Aufklärung findet nicht statt.

Aber immerhin trägt das der zweite Mann im Staat mit Fassung. Und die Regierungsfraktionen finden das alles witzig. Zum Brüllen.

P.S. Warum Überwachung impotent macht, hab ich hier erklärt.

Feindlicher Schnaps

Es war eine dieser Nächte: Jemand hatte sturmfrei, die ganze Klasse war da, ein Rabauke hatte ein paar Flaschen Hartes mitgebracht. Man kannte die Wirkung, man war ja kein Kind mehr, Prost. Doch plötzlich war es passiert: Das Tröpfchen Alkohol mehr, das aus einer amüsanten Abfahrt eine Via Dolorosa macht, war in der Blutbahn. Man hatte zu viel getrunken. Die nächsten Stunden: bitter wie Galle. Man lernte auf die harte Tour, wie gemein ein Gesöff zurückschlagen kann, wenn man die eigenen Reflexe überlistet und schneller nachkippt, als die Leber verarbeiten kann. Bett vollgekotzt, Filmriss, mit offener Hose fotografiert – der Teufel hat den Schnaps gemacht, um uns was zu lehren. Die wortwörtliche Retourkutsche eines mit Methanol vergifteten Körpers fördert einige der zugeführten Flüssigkeiten noch einmal zu Tage. Und was dem armen Zecher über und in der Toilette Gesellschaft leistete, was ihn letztendlich killte, ist auf ewig Tabu. Es ist das Geheime Gesetz des Schnaps: Jeder hat einen Feind im Spirituosenregal. Erstaunlich oft ist es Tequila. Oder eine andere Sorte Alkohol, von der er einmal zu viel hatte. Und die für immer zu viel bleibt.

Noch Jahre später – längst ist man vom Eventsäufer zum Genusstrinker gereift – kann man das Elixier der Entartung nicht ab. Schon der Geruch, nein, gar der bloße Anblick der Flasche löst einen Würgereiz aus. Flackernde Flashbacks schießen durch das geläuterte Bewusstsein, man murmelt den Schwur: Nie wieder, nie wieder!

Bestellt also jemand arglos eine Runde, quietscht mindestens ein Opfer: „Vergesst es! Niemals wieder werde ich das Teufelszeug trinken!“ Dann wird die grauenvolle Geschichte noch einmal aufgewärmt, übertriebene Alkoholmengen kolportiert, der Kurze wohlbegründet abgelehnt. Alles, nur nicht diese flüssige Nemesis rührt man an. Schließlich wird eine Ausnahme gemacht: „Dann eben fünf Tequila und einen Jägermeister.“

„Oh Gott“, schreit der nächste, „wie kannst du nur! Ich hab mal eine halbe Flasche Jäger auf ex, ich wäre beinahe gestorben, damit bin ich fertig!“

„Nimm halt Sambuca!“

„Ihhh, davon hab ich mal eine Nacht lang gespiehen!“

Gemeinsam stellt man fest: Das Leben ist zwar nur ein Spiel, aber jeder hat einen alkoholischen Endgegner. Deswegen einigt man sich schließlich auf einen Exoten, den keiner kennt. Damit heute noch, in einer dieser Nächte, alle zu viel trinken können.

(Erschienen bei jetzt.de)

Pixelschatten

Nach dem interaktiven Krimi “Wer rettet Dina Foxx?”, dessen halbgarer Plot und betont 2.0ige Aufmachung mich als Digitalen Naiven eher abschreckten als anmachten, probiert der innovative Supersender ZDF wieder etwas aus: “Pixelschatten” ist das kleine Fernsehspiel des 26jährigen Anil Kunnel, der damit eine Ausschreibung gewann. Es geht, verkürzt, um einen Blogger, seine lebensbejahenden Freunde und die Gefahren der Bloggerei über Privates. Die Ego-Perspektive und bunte Optik sind auf jeden Fall mutig, die Handlung hoffentlich nicht der platte Zeigefinger, die Charaktere nicht die Pappfiguren, die man befürchtet. Auf jetzt.de gibt es ein interessantes Interview mit Kunnel, laufen wird der Film (wenn ich das richtig recherchiert habe) am 8. Mai um 20.15 Uhr auf ZDFkultur und am 23. Mai um 0.30 Uhr im ZDF. Warum so versteckt, weiß der Teufel und der Intendant. Ich jedenfalls bin gespannt, auch wenn der Hauptdarsteller peinlicherweise wirklich Paul Pixel heisst. Teasertrailer hier, großer Trailer woanders.

Meldungen

Heute morgen fand ich zwei Meldungen, aus denen man was lernen kann. Erstens: Jede Ära hat ein Ende. (Update: Die Meldung ist natürlich nicht zutreffend bzw. mindestens übertrieben. Hat Peter Wagner rausgefunden. Erinnert mich an den Technics-Hoax von wegen die Plattenspieler sind alle).

Godrej & Boyce Manufacturing Company, the world’s last manufacturer of office typewriters, is putting its last 500 machines on sale at discount prices.
“From the early 2000 onwards, computers started dominating,” Godrej & Boyc general manager Milind Dukle, told India’s Business Standard newspaper. “All the manufacturers of office typewriters stopped production, except us. Till 2009, we used to produce 10,000 to 12,000 machines a year.”

Zweitens: Kein Sicherheitsnetz funktioniert immer.

A man has died after a safety net failed during a human cannonball stunt. The accident happened during a show put on by Scott May’s Daredevil Stunt Show at the Kent County Showground in Detling at about 3.30pm on Monday.
The 23-year-old man was flown by air ambulance to Maidstone Hospital, but later died from his injuries.
A Kent Police spokesman said: “A man taking part in a human cannonball event this afternoon has died after it is believed a safety net failed to engage.”.

Ein guter Start in die Woche, wenn man gerade dabei ist, ohne Sicherheitsnetz eine Ära zu beenden.

Und dann noch das: