re:pubertätica 10

Dieses Jahr re:publica, das waren für mich wie immer viele gute Momente und vor allem drei Sessions.

Fangen wir mit dem affengeilen Spaß an: “Viel schönes dabei” – das Live-TV-Karaoke-Impro-Dingens. Mit Jeannine Michaelsen, Timo Maria Brandes, Johanna Maria Knothe und Marcel Mann. Eine Spitzenidee von vydy.tv. Noch ist das Format zu haben, Gebote werden angenommen.

 

Dann mein Vortrag über “Die Pubertät der Gesellschaft“. Bisher hat mir noch keiner nachweisen können, dass das alles ein Haufen Quark ist, den ich da erzähle. Insofern bleibe ich zuversichtlich, dass die Teenie-Society bald reifen wird.

 

Und natürlich das Eröffnungspanel “Gesellschaft – It´s broken, let´s fix it”. 

 

Nächstes Jahr dann ENDLICH der Vortrag: “Das Internet – Spaß oder Ernst?”.

re:publica review

Endlich schaffe ich einen kurzen Rückblick auf die re:publica 13.

Als erstes das Video des Panels “Digitales Natives im Journalismus”, welches kurzfristig und auf Wunsch der Protagonisten umbenannt wurde in “Digital Natives der Herzen”. Denn erstens fühlten sich weder Stefan Plöchinger (Chefredakteur sueddeutsche.de), Katharina Borchert (Geschäftsführerin SPIEGEL Online) noch Jochen Wegner (Chefredakteur zeit.de) als richtige Digital Natives. Und zweitens sprachen wir zwar über viele interessante Dinge, aber eher weniger über ihre Rolle als Next Generation auf den Kommandobrücken der Online-Raumschiffe. Mir hat das großen Spaß gemacht, da sich die drei so gut kannten und wie der FC Barcelona vergangener Jahre Kurzpässe zuspielten, dass ich in Ruhe Candy Crush auf dem Handy spielen konnte. Aber seht selbst:

Ansonsten fand ich die re:publica… gut. Super organisiert, viele gute Leute (und der übliche Anteil Dummschwätzer), sehr buntes Programm, aber inhaltlich-inspirational (ist das ein Wort?) für mich nicht so stark wie letztes Jahr. Aber trotzdem sehr wertvoll, als Fieberthermometer eines gewissen Milieus.

Meine unsortierten Gedanken: Ich habe das Gefühl, der Netz-Diskurs stagniert intellektuell. Die Kämpfe und Enttäuschungen haben viele desillusioniert und ratlos zurückgelassen. Es fehlt, das geben die meisten offen zu, an Lösungen, neuen Wegen, Ideen. Die Bereitschaft zum Engagement ist vorhanden, aber keiner weiß so richtig wie und was, da die bisherigen Einsätze fast alle in Niederlagen mündeten. Es fehlt an Ideen und auch an Köpfen und Gesichtern. Seit Jahren stehen die gleichen Sprecher und Schreiber auf. Eine Frischzellenkur würde der “Szene” gut tun, aber nur wenige Neulinge drängen sich auf. Eine Atmosphäre des Runterkommens von der Droge Internet macht sich breit. Wie auf einer Party, bei der die Polizei um Punkt Zwei die Anlage beschlagnahmt hat und nun alle angetrunken, schon leicht müde, aber vor allem planlos herum diskutieren, wo man jetzt noch weiter feiern könnte.

Der Graben zwischen Digitalen und Wenigerdigitalen ist eher gewachsen. Niemand weiß so recht, wie man Katastrophen wie das Leistungsschutzrecht verhindern könnte. Niemand hat Bock auf Politik, denn die ist, das hat man gelernt, schmutzig. Die Piraten als politischer Arm einer Digitalen Elite sind aufgegeben. “Mehr machen!” lautet die Aufforderung prominenter Klassensprecher, aber auch sie wissen nicht genau, was.

Auf Stagnation folgt hoffentlich der nächste Fortschritt. Schau mer mal.

Ach ja: Ein Talk, der mir sehr gut gefallen hat, in seiner ganz angelsächsisch-pathosgeladenen Direktheit, mit seinen gelungenen rhetorischen Showeffekten, war der von Andrew Rasiej:

re:publica 13

Ich freue mich auf eine besondere Moderation: Am Mittwoch (8.5.13) der nahenden re:publica 13 in Berlin werde ich um 16:15 Uhr eine hochkarätig besetzte Runde auf der Stage 2 begrüßen dürfen. Unter dem Titel Digital by default – ´Digital Natives´ im Journalismus” werden Katharina Borchert (Geschäftsführerin SPIEGEL Online), Stefan Plöchinger (Chefredakteur sueddeutsche.de) und Jochen Wegner (Chefredakteur ZEIT Online) miteinander diskutieren.

Worüber genau?

Das soll nicht zuletzt vom Interesse des Publikums abhängen – Stichwort Open Journalism und Crowd Sourcing und so. Schließlich nutzt vermutlich jeder der Anwesenden eines der drei Online-Angebote, und viele von uns wissen immer schon vor deren Chefs, was Digitaler Journalismus im Jahr 2013 bitte schön sein sollte und was nicht.

Was die gewieften Programmmacher der re:publica 13 vorgelegt haben, bildet natürlich den Rahmen und soll hier kurz zitiert werden:

Kernthese:

Der Weg in die digitale Nachrichtenwelt ist lang und steinig. Wie weit sind Deutschlands größte Nachrichtenportale und ihre LeserInnen?

Beschreibung:

Dass sich Journalismus verändert und längst im Wandel begriffen ist, ist kein Geheimnis mehr. Das beginnt bei den Recherchewegen für eine Geschichte und geht weit über deren Veröffentlichung hinaus. JournalistInnen beziehen neue Öffentlichkeiten ein, probieren innovative Darstellungsformate und Werkzeuge (z.B. Storify oder Tumblr) aus und kommunizieren mit den LeserInnen auf Augenhöhe.

Dabei stoßen beide Seiten auf Widerstände: KollegInnen, die „das schon immer so gemacht haben” oder LeserInnen, die die aufwendig recherchierte Datenvisualisierung ignorieren und lieber in den Kommentaren trollen. Junge, digitalaffine JournalistInnen forcieren und begleiten den Umbruch in den Chefetagen der Nachrichtenwelt. Bei uns berichten sie, welche Erfahrungen sie dabei gemacht haben und welche Herausforderungen noch vor uns Lesenden und Schreibenden liegen.

Darüber hinaus jedoch bin ich gerne offen für Vorschläge: Wenn man schon gleich drei Häuptlinge des deutschen Online-Journalismus zusammen hat, was möchte man von ihnen wissen? Was machen sie richtig, was machen sie falsch, und warum? Was sollten sie in den nächsten Jahren angehen? Und zwar ebenso aus Leser- wie aus Medienprofi-Perspektive?

Ich freue mich auf Eure Ideen hier in den Kommentaren, auf Twitter oder per Mail an fk ät alrightokee.de – oder persönlich auf der re:publica 13.